Fotograf Stefan Draschan ist in der Alten Nationalgalerie auf der Pirsch. (Bild: rbb)
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- Auf der Pirsch mit Fotograf Stefan Draschan

Der neue Kunstband "Coincidences at the Museum" zeigt den besonderen Blick für den Zufall des Fotografen Stefan Draschan. Wenn Museumsbesucher der Kunst, die sie betrachten, ähneln, entsteht eine charmante Korrespondenz. Wie Draschan diese Bilder gelingen, zeigt er uns in der Alten Gemäldegalerie.

Stefan Draschan auf dem Weg zu seiner Jagd: Das Revier des Fotografen sind die Museen der Welt. Heute legt er sich in der Berliner Gemäldegalerie auf die Lauer. Seine Beute, das sind Menschen, die zu den Bildern passen.

Stefan Draschan, Fotograf

"Ich will Momente entdecken oder Schönheiten. Ich kann’s nicht künstlich herbeiführen, aber das macht schon Spaß."

Seine Fotoserie heißt “People matching Artworks”, zu Deutsch „Menschen die zu Kunstwerken passen". Seine Fotografien haben ihn international berühmt gemacht hat - tausendfach geliket und geteilt in den sozialen Medien.

Aber wie entstehen diese Bilder? Stefan Draschan zeigt es uns. Für die Museumsmitarbeiter ist der 40-Jährige ein alter Bekannter. Er kommt mehrmals pro Woche - mit Jahreskarte versteht sich.

Der Audioguide tarnt ihn als alltäglichen Museumsbesucher, dabei hat er anderes vor. Schon im Foyer überlegt er, welcher Besucher zu welchem Bild passen könnte.

Stefan Draschan, Fotograf

"Man beobachtet, wie schnell oder langsam wer geht, und dann berechnet man auch, ob die Chance besteht, dass binnen zwei Minuten oder 20 Minuten wer wo ist. Da kriegt man schon Routine. Schauen wir mal rein, ja?"

Er ist sooft hier, dass er weiß, wo welches Bild hängt. In der Dauerausstellung der Gemäldegalerie ist fotografieren erlaubt -  ein Glücksfall für den Wahl-Berliner. 

Stefan Draschan, Fotograf

"Die wär super vorm Bellini. Ich setz mich daher…"

Sofort nimmt er Fährte auf.

Stefan Draschan, Fotograf

"Ist schon wieder vorbei... Die mit der Mütze vor dem Gemälde mit dem Weiß könnte ganz witzig sein. Aber nee, die geht so. Wer weiß."

Mit seinen Fotos verbindet Stefan Draschan jahrhundertealte Gemälde mit Menschen von heute. Die Betrachter werden Teil eines neuen Kunstwerks.

Stefan Draschan, Fotograf

"Früher haben mich Museumsbesucher vor den Kunstwerken gestört, weil ich’s nicht anschauen konnte, weil ich das Kunstwerk eben nicht gesehen habe. Und irgendwann habe ich dann erst entdeckt: Niemand stört. So holt man halt auch die Vergangenheit wieder in diese Gegenwart."

Sozusagen. Auf leisen Sohlen pirscht sich Stefan Draschan an.

Stefan Draschan, Fotograf

"Ich hab auch Schuhe schon nur nach Klang gekauft."

Meist bemerken die anderen Besucher gar nicht, dass er sie fotografiert. Und auch das Aufsichtspersonal hat nichts dagegen.

Museumswärter

"Die Leute bleiben ja in dem Sinne anonym auch. Das ist schon okay so."

Gerade ist ein Bildband erschienen, in dem die Fotos von Stefan Draschan zu sehen sind: “Zufälle im Museum”, heißt der. Und das Thema lässt ihn auch nach 700 Fotos nicht los.

Stefan Draschan, Fotograf

"Ich will grundsätzlich mindestens eins in der Woche, eins am Tag eigentlich auch gern. Wenn ich jetzt Glückssträhnen hab oder in Topform bin, dann kriege ich auch zehn hin…

Er unterbricht das Interview. Egal! Das kann sich Stefan Draschan unmöglich entgehen lassen. Da vor dem Botticelli bahnt sich was an. Die blonden Haare, das rote Oberteil, dieses Mal stimmt alles. Ein echter „Zufall im Museum“.

Autorin: Anne Kohlick

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