Die Liebermann-Villa am Wannsee (Bild: rbb)
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- Die Liebermann-Villa am Wannsee

Das Haus am Wannsee steht für den Aufstieg und Fall der Familie Liebermann. Max Liebermann ersteht das Grundstück am See 1909. Er ist erfolgreich, geehrt, ein Malerfürst. Nach der Machtergreifung wird seine Witwe Martha gezwungen, dass Haus weit unter Wert an die Reichspost zu verkaufen.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Diese Bäume sind 120 Jahre alt. Die hat Liebermann 1914 pflanzen lassen. Das werden im Laufe der Jahre dann richtige Skulpturen Die liebe ich am allermeisten."

Wenn Wolfgang Immenhausen die Liebermann-Villa besucht, blüht er auf. Hier fühlt er sich dem Maler Max Liebermann ganz nah. Er begeistert sich für seine Kunst, aber auch das Schicksal der Familie Liebermann berührt ihn tief. Der Maler verbrachte hier die Sommer mit Frau und Tochter Käthe.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Käthe Liebermann war eine Schönheit und eine sehr begehrte junge Dame. Das ist die Enkelin. Maria wurde oft hier im Sommer abgegeben, weil die Eltern viel unterwegs waren. Dann hat die kleine Maria hier mehrere Sommer bei den Großeltern verbracht und wurde behütet. Sie hatte hier wahrscheinlich ein ganz zauberhaftes Leben bei den Großeltern ."

Ein Tisch und zwei Stühle: Lediglich eine Erinnerung an den Haushalt der jüdischen Malerfamilie.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Das Haus ist leer geräumt worden und das erschüttert mich immer noch daran zu denken, wie brutal hier Frau Liebermann zum Schluss vertrieben wurde und welche absurde Fremdnutzung über dieses Haus über Jahrzehnte gegangen ist."

Dass das Sommerhaus heute wieder so aussieht, wie Max Liebermann es 1909 erdacht hat, ist nicht selbstverständlich. 1940, fünf Jahre nach Max Liebermanns Tod, wird seine Witwe Martha von den Nationalsozialisten gezwungen, das Haus an die Reichspost abzugeben.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Das sind die Reichspost-Anwärterinnen, die hier geschult wurden beim Morgenappell. Und die Reichspost, die hatte einen Postminister, der hat sich hier am Wannsee fünf Immobilien unter den Nagel gerissen. In einer wohnte er dann auch. Er kam öfter zu Besuch und hat den Appell der Damen abgenommen."

1934 ist der letzte gemeinsame Sommer am See. Martha begeht vor ihrer geplanten Deportation ins KZ Theresienstadt Suizid. An dieses Unrecht zu erinnern, ist Wolfgang Immenhausen ein Herzensanliegen. Der Galerist und Kunstexperte ist 1943 in Wannsee geboren. An seine erste Begegnung mit der Villa kann er sich noch lebhaft erinnern. Damals sah es hier allerdings ganz anders aus.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Mit zwölf Jahren bin ich gestürzt und hatte eine Platzwunde am Kopf. Dann bin ich aus der Narkose aufgewacht und guckte aus dem Fenster und hab einen Schreck gekriegt. Ich habe diese große Säule gesehen. Es war bedrohlich. Wo war ich? Ich war in einem Krankenzimmer mit acht alten Männern."

Das Sommerhaus als Krankenhaus. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1969 wird in Max Liebermanns Atelier nicht gemalt, sondern operiert.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Hier konnte man tagsüber bei Tageslicht operieren. Es war ja früher alles ein bisschen primitiver. Man sieht immer noch die Stellen, wo eine Zwischenwand installiert war. Hier gab es eine Tür und dieses Teil war der Vorbereitungsraum für die Operationen."

Heute kaum vorstellbar, aber die Villa steht zwei Jahre lang leer, als 1972 ein Tauchclub einzieht. Der Gemüsegarten wird Parkplatz, Der Salon zur Hafenbar.

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Das Haus war so gefährdet, es stand sogar zum Abriss bereit."

Doch es wurde gerettet und ist heute wieder ein Ort zum Auftanken und Leben. Dass hier heute wieder der Geist Liebermanns wieder ganz lebendig spürbar ist, dafür sorgt die Liebermann-Gesellschaft Berlin mit vielen ehrenamtlichen Helfern. 

Wolfgang Immenhausen, Vorsitzender der Liebermann-Gesellschaft

"Was diese Bäume in dieser Zeit gesehen und erlebt haben, das ist ein Ausschnitt der Deutschen Geschichte."

Autorin: Charlotte Pollex

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