Regisseur Sebastian Schipper bei den Dreharbeiten zu "Roads" (Bild: rbb)
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- Film: "Roads" von Sebastian Schipper

Regisseur Sebastian Schipper ("Victoria") zeigt in seinem neuen Film "Roads" die Probleme und Chancen Europas: Zwei unterschiedlich privilegierte Jugendliche suchen ihr Glück und ziehen quer durch Europa. Was hat Schipper über Europa zu sagen?

Sebastian Schipper hat als Schauspieler angefangen. Irgendwann hat er dann die Seiten gewechselt und sich als Regisseur einen Namen gemacht. Sein letzter Film "Victoria" war vor vier Jahren der Sensationserfolg auf der Berlinale.

Seitdem arbeitete er an seinem neuen Film "Roads". Und das war bis zu den Dreharbeiten erstmal eine lange, trockene Schreibtischarbeit.

Sebastian Schipper, Regisseur

"Was ich natürlich lieber mache, ist draußen sein, weil man im Zweifelsfall mit vielen Leuten zu tun hat. Das Chaos und das Engagement und das Scheitern und die Katastrophe und die Bewältigung der Katastrophe und der tolle Moment, wenn dann die Szene anfängt zu funktionieren und zu fliegen - das ist natürlich unschlagbar."

Sebastian Schippers neuer Film "Roads" ist ein Roadmovie. Es ist ein Trip und zugleich eine Flucht von zwei 18jährigen Jungs, die in Marokko aufeinandertreffen und gemeinsame Sache machen.

William kommt aus dem Kongo. Er ist auf der Flucht nach Europa. Dort will er seinen verschollenen Bruder finden, während der Engländer Gyllen im Marokkourlaub seinem Stiefvater das Wohnmobil geklaut hat.

Sebastian Schipper, Regisseur

"Erstmal treten die beiden sich als komplette Aliens gegenüber, weil für den jungen William aus dem Kongo Gyllen ein absoluter Außerirdischer ist, den er überhaupt nicht versteht mit diesem Auto, dass er offensichtlich nicht fahren kann. Die sind sich am Anfang sehr, sehr fremd."

Sie fahren zum Hafen von Ceuta. Die spanische Enklave in Marokko. Dort treffen erste und dritte Welt direkt aufeinander. Für ihren Plan, William, im Wohnmobil versteckt, über die Grenze zu schmuggeln, suchen sie Unterstützung. Und finden einen Freak, der das Steuer übernimmt, um sein Haschisch über die Grenze zu bringen. Der nervenaufreibende Plan geht auf. Sie kommen auf die Fähre.

Irgendwann sind sie diesen Freak wieder los und alleine on the road. Sie fahren quer durch Spanien und Frankreich. Sebastian Schipper zeigt das Tollkühne, den schönen Größenwahn, den nur Jugendliche an sich haben. Er erzählt diese Fluchtgeschichte als Suche nach Freiheit und Identität.

Sebastian Schipper, Regisseur

"Ich hab sehr großen Respekt vor diesem Thema Migration. Wir wollen nicht einfach nur einen Problemfilm machen, nicht darauf ausruhen, nicht mit der ersten Einstellung immer fort darauf verweisen, wie schwer es ist. Das finde ich denkfaul, einfach nur das nach zu inszenieren, was man beispielsweise aus den Tagesthemen kennt."

In Frankreich satteln die Zwei aufs Motorrad um. Sie sind auf dem Weg nach Calais und immer auf der Suche nach Williams verschollenem Bruder aus dem Kongo. Gegen Ende wird der Film immer dokumentarischer. In der Sackgasse von Calais hat Sebastian Schipper mit echten Flüchtlingshelfern gedreht, deren Arbeit er bewundert.

Sebastian Schipper, Regisseur

"Es gibt den Schmerz und die Tragödie, aber es gibt auch diese jungen, engagierten Leute, die einfach sagen, wenn jemand Hunger hat, dann geben wir ihm was zu essen."

"Roads" sieht auf Europa durch die Augen zweier Jugendlicher. Es ist ein kaltes, unbarmherziges Europa. Die Erwachsenen, sagt Sebastian Schipper, haben längst den Blick dafür verloren, was anständig ist.

Autor: Sascha Hilpert

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