Haus der Statistik (Bild: rbb)
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- Das Haus der Statistik

Am Alexanderplatz in Berlin wurde in den 60er Jahren das "Haus der Statistik" gebaut. Ein riesiges Plattenbau-Areal mit diversen Häusern. Es steht seit 2008 leer. Künstlerinitiativen wollen dort einen neuen Standort für Kultur, Wohnen und Arbeiten einrichten.

Direkt im Zentrum von Berlin am Alexanderplatz steht das Haus der Statistik. Ein riesiger Häuserkomplex, der seit Jahren leer steht. Der Künstler Philip Horst hat hier große Pläne. Er will mit vielen Künstler-Kollegen „alles anders machen“.

Philip Horst, Künstler

"Das ist so eine Art Überschrift für das ganze Haus der Statistik, dass sich im Wandel befindet. Das bezieht auch den gesamten Allesandersplatz mit ein. Wir würden gerne, dass das Haus der Statistik ein Ort der Begegnung wird."

Konrad Braun, Architekt

"Man hat immer gesehen, das hier ein riesen Raumpotential ist, was eigentlich genutzt werden könnte. Dann haben wir uns mit sehr vielen Leuten zusammengetan, um dafür zu kämpfen und zu streiten."

Nun streiten und kämpfen sie um ein Haus, das gebaut wurde, als der Fernsehturm noch keine Kugel hatte. 1964 wurde der Grundstein gelegt. Der Bau war ein Projekt der FDJ. Im Haus der Statistik wurden in der DDR die Fünfjahrespläne aufgestellt und überwacht. So einen ausgeklügelten „Masterplan“ hat heute noch keiner, erzählt Phillip Horst.

Aber es gibt viele Ideen:

Philip Horst, Künstler

"Versammlungsräume, Arbeitsräume, Ateliers, vielleicht ein Theater, ein Kino... Es wird experimentelles Wohnen geben, also Wohnformen, die nicht die normale Kleinfamilie ist, sondern Gemeinschaftsflächen, die man gemeinsam nutzt und Rückzugsflächen fürs Private. Also ein ganz anderes Konzept vom Wohnen."

Den größten Teil der 50.000 Quadratmeter nutzt die Berliner Verwaltung. Dazu soll es bezahlbares Wohnen geben mit Restaurants, Cafés, Kitas und viel Raum zum Experimentieren - ein bisschen so wie bei der ufaFabrik.

Philip Horst, Künstler

"Von der Grundidee hat das einen ähnlichen Spirit: einen anderen Ort zuzulassen und nicht eine neue Shoppingmall wo es vor allem um Konsum geht.“

Phillip Horst führt uns jetzt in den Innenhof. Seit 2009 hat hier keiner mehr gegärtnert.

Philip Horst, Künstler

"Wieviel Zeit vergangen ist, seitdem das genutzt wurde... und es hat sich so märchenhaft verwandelt."

Nebenan, in der Ideenwerkstatt, treffen sich Architekten, Künstler und Stadtplaner - alle ehrenamtlich. Sie wollen ihre Visionen von Kultur und alternativen Lebensformen Wirklichkeit werden zu lassen.

Frauke Gerstenberg, Architektin

"Wir wollen hier einen Gegenentwurf machen zur rein kommerziellen Stadt mit einer großen Vielfalt und Diversität."

Nina Peters, Projektmanagerin

"Ich glaube, ich freue mich besonders auf den Moment, wenn der erste eingezogen ist."

In diesem alten Autoscooter auf dem Hof werden einige Ideen schon mal ausprobiert. Hier soll es Seniorentanz geben oder Hip Hop. Und es gibt noch ganz andere Pläne.

Philip Horst, Künstler

"Zum Beispiel die Beecoins. Das ist eine Krytpowährung, in der durch die Haltung von Bienen, in denen sich Sensoren befinden, ein Blockchain, ein Token, entwickelt wird, der als Ökonomie dient, mit der man dann später Sachen hier kaufen kann."

Ersteinmal aber gibt der Senat das Geld. Die Künstler bringen die Ideen. Schon 2022 sollen die ersten einziehen. Bis dahin ist noch viel auszuhandeln.

Philip Horst, Künstler

"Wie sich das trägt? Na das gilt es herauszufinden."

Autorin: Theresa Majerowitsch

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