Frido Hinde, Chef des Kultur Centrums in der ufaFabrik (Bild: rbb)
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- Ein Tag in der ufaFabrik mit Frido Hinde

Fridolin Hinde ist 35 und Geschäftsführer des Internationalen Kultur Centrum ufaFabrik. Er ist auf dem Gelände geboren, verließ die Kommune mit 19 und kehrte vor ein paar Jahren zurück. Er zeigt uns das Areal und teilt seine Geschichte.

Morgens halb elf in der ufaFabrik. Die Stimmung ist entspannt – dabei geht es hier um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft.

Mitarbeiter der ufaFabrik

"Wir haben eine Anfrage für eine Fahrradwerkstatt."

Wäre schon schön, aber - wohin damit?

Frido Hinde, Geschäftsführer der ufaFabrik

"Das Platzproblem haben wir natürlich trotzdem."

Mitarbeiter der ufaFabrik

"Du kannst da nicht zehn Fahrräder hinstellen."

Frido Hinde ist zwar Geschäftsführer der ufaFabrik – aber entschieden wird in Tempelhof gemeinsam. In kleinen Gruppen wird vorbereitet – und dann: "Plenum - Plenum - Plenum"

Frido Hinde, Geschäftsführer Kulturzentrum ufaFabrik

"Es ist ja sowieso immer gut, sich auszutauschen, weil man so wahrscheinlich zu den klügsten Entscheidungen kommt. Dann gibt es nicht eine Person, die rumläuft und sagt so, so, so wird es gemacht. Das verlängert zwar die Entscheidungsfindung, aber es macht sie insgesamt auch viel stabiler."

Frido Hinde kennt hier natürlich jeden - und jeden Winkel. Heute sieht er im Theatersaal nach dem Rechten. Eine Preisverleihung wird vorbereitet – in einer Stunde geht es los.

Das Wort „Geschäftsführer“ ist ihm eher unangenehm – aber Verantwortung, die hat der studierte Volkswirt schon. Seit drei Jahren inzwischen.

Frido Hinde, Geschäftsführer Kulturzentrum ufaFabrik

"Mir hat das immer viel Backup und Kraft gegeben, dass die Leute, die das Kulturzentrum mit mir zusammen betreiben, auch wollten, dass ich das mache."

Dass die Gemeinschaft ihn wollte liegt auch daran, dass er aus ihr kommt. Frido Hinde ist auf dem ufa-Gelände aufgewachsen.

Frido Hinde, Geschäftsführer Kulturzentrum ufaFabrik

"UfaCircus, ich mit dem Aufkleber. Und zwei Gitarren, künstlerisches Umfeld, wie man sieht. Das war quasi unsere erste Boyband, wenn auch nicht mit echten Instrumenten. Ich glaube der Song war „Push It“ von Salt-n-Pepa…"

Zwischendurch hat Frido Hinde sich ein bisschen die Welt angeschaut. Jetzt steht für einen behutsamen Generationenwechsel. Michael ist ufa-Kommunarde der frühen Tage – und so eine Art Mädchen für alles.

Michael

"Frido habe ich schon auf dem Schoß gehabt, den kenne ich seit seiner Geburt. Ich finde das toll, Frido und Hannes genauso, die haben studiert und sind zurückgekommen und übernehmen langsam den Laden. Und das ist auch das, was Sinn macht und wie es sein sollte, sonst wäre ja keine Zukunft. Wir werden langsam alle Rentner und der Rücken tut weh… Ich kenne Leute, die kommen seit 40 Jahren zu den Veranstaltungen, die sind mit uns zusammen alt geworden. Aber es muss ja auch das Publikum wechseln und da ist Frido genau der Richtige."

Bald wird hier groß gefeiert – 40 Jahre ufaFabrik, ein Festprogramm von Juni bis September. Auch ein Zirkus aus Vietnam ist dann dabei – sogar der hat seine Wurzeln in Tempelhof.

Frido Hinde, Geschäftsführer Kulturzentrum ufaFabrik

"Tuan Le kam nach dem Vietnamkrieg mit seinen Eltern nach Berlin, als Flüchtling, wenn man so will. Die haben dann hier Asyl beantragt. Und er war wirklich superbegabt in der Jonglage und hat die Nähe zur ufaFabrik gesucht, weil es hier auch den Kinderzirkus gab. Die Nähe wurde dann so groß, dass er hier bei uns eingezogen ist – zehn Jahre. Er ist dann weltweit bekannt geworden und kommt jetzt als Gast zurück."

Doch vor den Festwochen steht noch Fabrikalltag an – die Baugruppe tagt. Wenn möglich soll auf dem Gelände gebaut werden: Wohnungen für Mitarbeiter, vielleicht ein Kinderladen. Und ökologisch soll es sein. Als Baustoff kommen Strohballen und Lehm in Betracht.

Frido Hinde, Geschäftsführer Kulturzentrum ufaFabrik

"Da trauen wir uns wirklich zu, viel selbst zu bauen und das macht’s natürlich auch günstiger."

Mitarbeiter der ufaFabrik

"Ich meine, wir haben hier 40 Jahre Erfahrung in einer alten Ruine, wie man das schick macht."

Die Sache muss noch ins Plenum – schon klar. Aber sie werden schon eine Lösung finden. Gemeinsam. So wie seit 40 Jahren.

Autor: Steffen Prell

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