Autorin Julia Rothenburg (Bild: rbb)
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- Autorin Julia Rothenburg im Porträt

Julia Rothenburgs zweiter Roman "hell/dunkel" beschäftigt sich mit Menschen, die sich durch Krankheit neu ausbalancieren müssen. Halbgeschwister müssen wegen der Krebserkrankung der Mutter zueinander finden. Julia Rothenburg zeigt uns ihr Berlin.

Wenn Julia Rothenburg durch Berlin Kreuzberg geht, dann erinnert sie sich an ihre Kindheit. Im sogenannten Bergmannkiez ist sie aufgewachsen. Um die Ecke wohnten die Eltern, die Freunde. Heute hat sich vieles verändert.

Julia Rothenburg, Autorin

„Ich denke, jeder Mensch vermisst vielleicht ein bisschen den Ort seiner Kindheit, oder das ‚Wie es mal war‘, was immer verloren ist, was nie wieder greifbar ist. Aber klar, in Kreuzberg ist das noch ein bisschen virulenter, weil die Leute, die dort mal gewohnt haben, dort nicht mehr wohnen, die Orte, die da mal waren, wie zum Beispiel Cafés, nicht mehr sind. Die Unüberbrückbarkeit zwischen ‚damals‘ und ‚jetzt‘ fällt da vielleicht mehr ins Gewicht oder fällt einfach mehr auf.“

In ihrem zweiten Roman „hell/dunkel“ reist die Autorin in ihre Jugend und erzählt von einer Welt, die verschwunden ist und vom Tod ihres Vaters. Als wir drehen, spricht sie jemanden an, schnell kommt das Gespräch zum Thema Trauer - geht es doch jeden etwas an.

Passant

"Du hast es einfach aufgeschrieben, um mit der Trauer klarzukommen?"

Julia Rothenburg, Autorin

"Ja, genau. Es ist eine andere Geschichte. Es ist nicht meine Geschichte, die ich aufgeschrieben habe. Ich hab quasi eine erfunden. Aber trotzdem sind ja die Gefühle, die man hat, die kann man ja da reinmachen."

Julia Rothenburg war 25, als ihr Vater an Krebs starb. Im Buch geht es um die Frage, wie soll jemand mit dem Sterben umgehen. Sie erzählt von zwei  Halbgeschwistern, die trotz aller Trauer auch immer wieder hoffen und lieben. Das hat Julia Rothenburg von ihrem Vater gelernt. Mit der Krebs-Diagnose sei er humorvoll umgegangen.

Julia Rothenburg, Autorin

„Er selbst hat gesagt, dass es für ihn mit die schönsten Jahre seines Lebens waren und das habe ich auch mitbekommen. Er wirkte gelöster, dadurch, dass der Druck einfach weg war. Er war Freiberufler. Er musste immer sehr viel erreichen. Oder: Er hatte das Gefühl, er müsste sehr viel erreichen. Viel kämpfen in seinem Leben. Plötzlich hat er sich auf Sachen konzentriert, die er eigentlich machen wollte im Leben. Und er hatte dabei eine ganz andere Ruhe.“

Julia Rothenburg, Autorin, liest aus ihrem Buch

„Valerie fragt sich: Wie kann man gleichzeitig so traurig und so glücklich sein? Ist sie glücklich, weil sie traurig ist, endlich? Oder ist sie glücklich, weil da gar nicht nur Trauer ist, sondern etwas, das sich beinahe anfühlt wie Tatendrang. Abenteuer. Etwas Neues. Als würde endlich alles gut.“

Weiter geht es zur alten Wohnung in die Lilienthalstraße. Die alten Nachbarn leben noch dort.

Julia Rothenburg, Autorin

„Da im vierten Stock habe ich gewohnt. Von da konnte man immer gut den Friedhof sehen, der hier ist. Auf der Rückseite war auch ein Friedhof. Auf den habe ich immer aus dem Kinderzimmer geblickt. Ich habe mich abends immer versteckt, das Licht ausgemacht und geguckt, ob ich dann Geister sehen kann. Das war so mein Spiel. Aber ich habe nie welche gesehen.“

Überall, wo andere das Dunkle sehen, erkennt Julia Rothenburg das Helle, Optimismus, Lebensfreude. Die Schriftstellerin weiß: Mit der richtigen Portion Fantasie kann sich selbst ein Friedhof zu einem wunderschönen Park verwandeln.

Julia Rothenburg, Autorin

„Der Friedhof hier ist mir tatsächlich sehr wichtig. Ich war hier als Kind und als Jugendliche ziemlich häufig. Ich finde, das ist ein Ort der Ruhe für mich. Man kann sich hier hinsetzen, es gibt viele Bänke. Ich habe hier gelesen, ich habe hier tatsächlich fürs Abitur gelernt. Und ich mag Friedhöfe im Allgemeinen sehr gerne. Gerade in Großstadt sind die ja so Aussparungen quasi.“

Und dann führt sie uns zu der Stelle, an der sie oft übers Leben nachgedacht hat.  

Julia Rothenburg, Autorin

„Wenn man ein melancholischer Mensch ist, dann mag man Melancholie auch. Ich finde, in der Melancholie liegt auch etwas Schönes. Das ist vielleicht eine schöne Art, über traurige Dinge nachzudenken. Deswegen sehe ich das nicht als etwas traurig "Trauriges", sondern als etwas Interessantes, für mich Bewegtes.“

Autor: Tomasz Kurianowicz

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