Bärbel Schubert, Sagenexpertin im Spreewald (Bild: rbb)
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- Die Sagenwelt des Spreewaldes

Der Plon ist ein Drache, den man füttern muss, um Gold als Belohnung zu erhalten - so sagt es eine jahrhunderte alte Sage im Spreewald. Bärbel Schubert trägt ihn um den Hals - immer dann, wenn sie sich mit den Sagen beschäftigt.

Seit Jahrhunderten erzählt man sich im Spreewald Sagen, zum Beispiel über einen Drachen, der Menschen mit Gold belohnt, wenn sie ihn füttern. Er heißt: der Plon. Bärbel Schubert trägt ihn um den Hals - immer dann, wenn sie sich mit den Sagen beschäftigt.

Bärbel Schubert, Sagen-Expertin

"Ich hab den durch Zufall mal auf einem Markt gefunden und der begleitet mich eigentlich zu allen Geschichten, was mit den Sagenfiguren zu tun hat."

"Ist der Ihr Glücksbringer?"

"Auf jeden Fall. Ich versteif mich nicht drauf, dass er immer dabei sein muss, aber ich habe ihn gerne."

Sie leitet die Heimatstube in Burg und kaum jemand kennt sich mit den Sagen des Spreewalds besser aus als sie. Vom Drachen Plon weiß Bärbel Schubert, dass er auf dem Dachboden wohnt und am liebsten Hirsebrei frisst.

Bärbel Schubert, Leiterin Heimatstube Burg

"Wenn jemand unverhofft zu Geld oder Reichtum gekommen war, dann hieß es: Der hat bestimmt den Plon gefüttert. So hat mir meine 90-jährige Nachbarin erzählt: Hinterm Bismarckturm das Gehöft und im Penkeweg das Gehöft - die haben auf jeden Fall den Plon gefüttert."

Seit 18 Jahren leitet Bärbel Schubert in Burg das Museum, das  Bräuche und Traditionen der Region bewahren will.

Bärbel Schubert, Leiterin Heimatstube Burg

"Alles, was unsere Vorfahren früher sich nicht erklären konnten, da haben sie die Sagenfiguren draus gemacht. Das ist eigentlich aus Unwissenheit entstanden, weil wenn im Sumpfgebiet sich Methangas selbst entzündet hat, dann hat das unseren Vorfahren keiner erklärt. Dann waren es die Irrlichter, die über den Sumpf gehüpft sind, weil eben kleine Feuerchen zu sehen waren."

Handpuppen erinnern an die Sagenfiguren - zum Beispiel an den Schlangenkönig oder das Irrlicht, das nachts durch den Sumpf geistert.

Bärbel Schubert, Leiterin Heimatstube Burg

"Eigentlich ist es ein Helfer, der einem den richtigen Weg nach Hause zeigt, wenn man ihm einen kleinen Lohn versprochen hat - zum Beispiel einen Kupferdreier oder eine Schmalzstulle. Aber nicht jeder war ehrlich gewesen, sondern mancher Bauer hat sich nach Hause führen lassen und hat sich gedacht: Deine Kraft und Magie reicht sowieso nicht in mein Haus. Doch dann hat sich das Irrlicht immer irgendwas einfallen lassen, um sich zu rächen."

Es geht in den Sagen immer auch um die Moral von der Geschicht’: Versprechen bricht man besser nicht. Am liebsten erzählt Bärbel Schubert auf Wanderungen von den Fabelwesen. Interessierte führt sie zu Stellen in Burg, an denen man ihnen vielleicht begegnen könnte.

Bärbel Schubert, Leiterin Heimatstube Burg

"Der Wassermann, der ist natürlich am Wasser zu finden. Deswegen gehen wir den Weg ans Fließ, wo man auch mal ins Wasser gucken kann. Wenn sich die Wasserpflanzen bewegen, könnte man glatt denken: Die Wasserfrau, ihre Haare sind gerade zu sehen."

Der Wassermann ist eine Figur, die weder gut noch böse ist. Wie das Wasser bringt er mal Glück, mal Unglück.

Bärbel Schubert, Leiterin Heimatstube Burg

"Ohne Wasser können wir nicht und zuviel Wasser hat uns natürlich geärgert oder geschadet. Wir hatten bis 1970 gab es manche Jahre bis zu dreimal Hochwasser. Dann war jedes Mal die Ernte vernichtet, es gab kein Gras fürs Vieh zu fressen. Aber wenn es Ernten gab, dann waren die um ein Vielfaches reichhaltiger als in Peitz oder Vetschau. Also Hochwasser ist nicht nur immer was Negatives. Die Schwebstoffe, die es mitbringt, waren die natürliche Düngung."

Für Bärbel Schubert erzählen die Sagen uns etwas von den Kräften der Natur. Sie wünscht sich, dass auch wir die Welt der Mythen und Sagen nicht vergessen - und uns einen Blick fürs Magische im Alltag erhalten.

Bärbel Schubert, Leiterin Heimatstube Burg

"Wenn Sie mal im Juni mitternachts Kahnfahren können im Spreewald, dann kann’s tatsächlich sein, dass Ihnen Irrlichter begegnen - nämlich die Glühwürmchen. Die leuchten wie lauter LED-Lampen - es ist faszinierend. Der Kahnfährmann hat dann sogar eins auf der Hand gehabt. Was Schöneres gibt es eigentlich nicht, als solche Begegnungen in der Natur zu haben."

Autorin: Anne Kohlick

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