Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, erklärt an einem Modell, wie die Museen der Museumsinsel in Zukunft verbunden werden sollen. Die James Simon Galerie ist dafür der erste Schritt (Bild:rbb)
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- Die James-Simon-Galerie als verbindendes Element

Die James-Simon-Galerie verbindet das Pergamon Museum mit dem Neuen Museum. In Zukunft soll eine archäologische Promenade entstehen, die alle Gebäuden der Museumsinsel durch unterirdische Gänge vernetzt. Der Direktor der Sammlung für Vor- und Frühgeschichte, Professor Matthias Wemhof, zeigt uns, welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten sich durch die architektonische Verbindung eröffnen.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Und natürlich ist auch ganz viel zu tun in einem solchen Haus. Also ein Haus lebt immer und insofern ist man auch als Direktor hier viel unterwegs."

Matthias Wemhoff leitet seit 11 Jahren das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Er schafft es, für Geschichte zu begeistern.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Ganz spannend sind hier diese sogenannten Goldgriffspathen. Das ist eine Spatha, also ein doppelschneidiges Schwert. Was wir hier oben sehen mit dem Gold - das ist die Verkleidung des Griffs gewesen."

Wenn er heute durch seine Sammlung geht, hat er eine ganz neue Aussicht. Vom Neuen Museum aus beobachtet er, wie nebenan die James-Simon-Galerie entsteht.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Das ist ja etwas ganz Besonderes, dass wir hier wirklich in einer Phase leben, wo noch ein Gebäude auf der Museumsinsel dazukommt und etwas Neues entsteht. Die Museumsinsel ist ja wie gesagt ein Ensemble, das seit 180 Jahren entsteht und jetzt kommt ein sechstes, neues Gebäude."

Durch die James-Simon-Galerie entstehen neue Verbindungen zwischen den verschiedenen Museen. So etwas gab es in der Geschichte der Insel schon einmal.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Ursprünglich ist das hier ein ganz, ganz wichtiger Raum - sowohl im Ablauf des Neuen Museums, als auch als Verbindungsraum. Denn hier hinter dem Helios gab es einst einen Durchgang, der auf eine Brücke führte und darüber kam man dann direkt ins Alte Museum."

Solche Brücken verbanden vor dem Zweiten Weltkrieg alle archäologischen Museen der Insel. Nach den Kriegsschäden wurden sie abgerissen.

Matthias Wemhoff ist begeistert von den neuen Wegen.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Wir haben jetzt lange Jahre im Neuen Museum mit Provisorien gelebt, was Garderobe, was Toiletten, was Aufenthaltsbereiche, was Treffpunkträume und Ähnliches angeht. Das ist ganz schön schwierig bei dem Besucherandrang. Und insofern ist es wichtig, diese Sachen ein bisschen auszulagern."

Von der James-Simon-Galerie aus kommt man in die beiden besucherstärksten Museen der Insel: ins Neue Museum und ins Pergamonmuseum. Die Bauarbeiten an den Durchgängen sind seit Kurzem beendet. Durch diese Tür geht Matthias Wemhoff heute zum ersten Mal.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Das ist wirklich auch für mich ganz neu. Das war bisher immer streng verschlossen und baulich abgetrennt. Und das ist jetzt vorbei. Die Absperrung ist weggeräumt. Wir können hindurchgehen und das erleben, was die Besucher ab jetzt auch erleben - einen völlig neuen Zugang zum Pergamonmuseum."

Und der führt direkt auf die Prozessionsstraße aus Babylon und zum berühmten Ischtar-Tor.

Zu seiner Sammlung ins Neue Museum geht es durch den Keller der James-Simon-Galerie. Früher funktionierten die Verbindungen über Brücken. Mit tausenden Besuchern täglich wäre das heute zu eng. Deshalb entstehen die neuen Gänge unter der Erde als "archäologische Promenade". Am Modell der Museumsinsel zeigt Matthias Wemhoff, was noch weit in der Zukunft liegt: Die Promenade soll einmal alle archäologischen Museen der Insel verbinden.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Hier ist die Bode-Straße zwischen Altem Museum und Neuem Museum. Auch hier ist so eine Fläche schraffiert. Das soll demnächst ein unterirdischer Raum werden, der dann ins Alte Museum führt. Aber auch für diese Erweiterung gibt es noch keine Termine."

Schon jetzt aber gibt es Säle im Neuen Museum, die zeigen, was die Besucher in der archäologischen Promenade erwartet: Steinkistengräber aus Helgoland, die neben Sarkophagen aus Ägypten stehen.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Hier geht es jetzt um Totenfürsorge. Wie gehen Gesellschaften mit ihren Verstorbenen um? Und das hier mit Objekten, die aus ganz unterschiedlichen Kulturen hier von Helgoland bis Ägypten über Rom kommen - und aus drei Jahrtausenden. Und das ist etwas, was wir in der archäologischen Promenade richtig entwickeln wollen. Wir wollen auch Objekte nebeneinander stellen und sie miteinander vergleichbar machen."

Die Museumsinsel macht für heute zu. Aber Matthias Wemhoff nimmt sich noch kurz Zeit, um uns seinen Lieblingsort in der neuen James-Simon-Galerie zeigen.

Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte

"Wir sind schon ganz nah dran. Wir müssen mal bis zur Spitze hier vorne laufen. Das ist doch ein wunderbarer Platz hier. Wir haben eigentlich die wichtigsten Gebäude der Museumsinsel hier alle miteinander verbunden. Und ich glaube, es wird wirklich auch Touristen und Berliner hier oben verbinden."

Autorin: Anne Kohlick