Der Comiczeichner Felix Pestemer zeigt in der Alten Nationalgalerie sein Graphic Novel über zwei Kinder, die die Gemälde der Sammlung entdecken (Bild: rbb)
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- Comic erzählt Geschichten aus der Alten Nationalgalerie

Felix Pestemer ist Comiczeichner und passionierter Museumsbesucher. Gerade ist seine Graphic Novel "Im Auge des Betrachters" über die Alte Nationalgalerie erschienen. Es ist eine Hommage an das Museum, die Museumsaufseher und die Alten Meister.

Felix Pestemer erzählt seine Geschichten mit Stift und Pinsel und er ist ein Meister darin. Gerade ist seine Graphic Novel über die Alte Nationalgalerie fertig geworden.

Felix Pestemer, Comiczeichner

"Das ist ja super old school alles mit der Hand großformatig zu zeichnen und zu colorieren. Wenn ich dann irgendwelche Fehler drin hatte, musste ich so etwas hier machen: einzelne Details noch einmal zeichnen, die dann nachträglich ins Bild eingesetzt wurden. Also für diese 42 Doppelseiten habe ich zwei Jahre gebraucht."

Remo und Paula heißen seine beiden Helden. Sie sind Geschwister und entdecken gemeinsam die Alte Nationalgalerie. Immer an ihrer Seite: Opa Ferdinand. Er hat sie eingeladen, hat er doch im Museum viele Jahre als Aufsicht gearbeitet.

Felix Pestemer, Comiczeichner

"Er sieht aus wie mein Vater"

Wir begleiten Felix Pestemer ins Museum. Über Alte Meister im Comic-Format zu erzählen ist auch für ihn eine neue Erfahrung.

Felix Pestemer, Comiczeichner

"Seit dem Projekt fühle ich mich dem ganzen Haus viel mehr verbunden. Es ist ein bisschen wie ein zu Hause"

Mittlerweile kennt er jedes Bild und hat sich Geschichten zu den Meisterwerken ausgedacht. In der Fantasie von Paula und Remo bekommt zum Beispiel die "Die Toteninsel" von Arnold Böcklin einen Gruseleffekt.

Felix Pestemer, Comiczeichner

"Und als Paula sagt: 'Wow, das ist ja ein tolles Bild. Ist das auch aus der Fantasie gemalt?' Da sagt Remo: 'Nee, das ist aus der Zukunft. Die Frau in weiß bist nämlich du und im Sarg unter dem weißen Tuch liegt dein geliebter Ben.'"

Das Comic will keine Museumsführung ersetzen. Es zeigt, wie viele Geschichten in Bildern stecken können. Caspar David Friedrichs "Mönch am Meer" löst bei Paula Kindheitserinnerungen an einen Tag am Strand aus. Die "Abtei im Eichswald" wird in Remos Fantasie zur Kulisse eines Zombie-Films. Die Kunsthistoriker sehen das gelassen.

Sigrid Wollmeiner, Kunsthistorikerin

"Erst hab ich gedacht: So Zombie, ich weiß nicht, das passt überhaupt nicht zu dem Bild. Da sind doch Mönche und eine Klosterruine. Das ist vielleicht doch ein bisschen weit hergeholt. Aber irgendwie passte das dann auch zu dem Jugendlichen, der ja Computerspiele mag und gewisser Weise ein Nerd ist."

Opa Ferdinand ist ein Mann wie Herr Bauer. Er arbeitet als Aufsicht und hat eine Menge zu erzählen. Zum Bespiel kennt er sich bestens aus mit Adolf Menzel, der Hofmaler bei Friedrich dem Großen war.

Felix Pestemer hat im Museum recherchiert und trifft bei jedem Besuch Bekannte, die ihn inspiriert haben, wie Frau Kaden aus dem zweiten Stock. Von ihr hat er erfahren, wie sich Museumsbesucher auch mal daneben benehmen.

Felix Pestemer, Comiczeichner

"Sie sagt: 'Es ist nicht gestattet.' Und die Mutter: 'Lassen Sie gefälligst meinen Sohn in Ruhe. Der kann schon aufpassen. - Aber sie eben nicht."

Frau Kaden, Museumsaufsicht

"Und dann explodiert es. Sehr schön."

Felix Pestemer, Comiczeichner

"Diese Szene hier verdanke ich Frau Kaden, die gesagt hat: 'Das müssen Sie unbedingt mit reinnehmen.'"

Jetzt, wo der Comic fertig ist, bietet Felix Prestemer selbst Führungen an. Zeichnen wird er aber immer weiter, bis alle seine Bleistifte aussehen wie dieser hier.

Autorin: Charlotte Pollex