Viele Gipsabdrücke stehen in der Gipsformerei. Anlässlich ihres 200-jährigen Jubiläums zeigt die Gipsformerei als älteste Einrichtung der Staatlichen Museen zu Berlin, ihre Bestände. Die Ausstellung "Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei" widmet sich ab dem 13. Juli in der neuen James-Simon-Galerie der Lebend- und Naturabformung. (Bild: rbb)
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Bild: rbb

- Gipsformerei bekommt eine Ausstellung zum 200. Geburtstag

Die Kunstformerei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist eine der ältesten Manufakturen der Welt. Sie wurde von Friedrich Willhelm III gegründet und ist so etwas wie ein Gedächtnis für Skulpturen. Ob Nofretete oder griechischer Apoll - hier entstehen die Repliken dieser Kunstwerke. Zum 200. Geburtstag wird den Kunsthandwerkern die erste Ausstellung in der James-Simon-Galerie gewidmet.

Ein heißer Sommertag. Temperaturen wie in einer Backstube. Sechs Uhr früh. Wir sind zu Besuch in der Gipsformerei. Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für eine  Ausstellung in der James Simon Galerie. Marc Miniers hat als Stuckateur angefangen. Heute ist er ein Meister darin, aus Gips Kopien von alten Kunstschätzen  zu fertigen.

Marc Miniers, Gipskunstformer

"Das ist eine kleine Gips-Stück-Form von einem sumerischen Priesterfürsten, also das wird ein kleines Köpfchen. Die Form ist gute 100 Jahre alt und die bereite ich jetzt für den Guss vor und damit wir den Gips später besser abbekommen muss das gefettet werden."

Bevor das Gips in die Form aus fest verzurrten Einzelteilen gegossen wird, werfen wir einem Blick in die Modellhalle, dem Gedächtnis der Gipsformerei.

Über 7000 Abformungen von Kunstwerken aus verschiedenen Epochen und Kulturen liegen hier im Dornröschenschlaf. Von König Friedrich Wilhelm III.  gegründet, ist die Gipsformerei die älteste Einrichtung der staatlichen Museen - und vielleicht auch die verkannteste.

Timo Klöppel, Gipskunstformer

"Die sind sehr alt, die Abgüsse, 1843. Das Original aus Marmor steht in Rom im Regen, der Witterung ausgesetzt. Also wir sind mit dem Abguss, den es hier im Hause gibt, dem Original viel näher. Und deswegen sind die so wertvoll."

Ob großformatige Statue oder kleine Portraitbüste: alles Handarbeit. Die Berliner Gipsformerei ist die weltweit größte Kunstmanufaktur ihrer Art. Nicht nur Museen, auch private Sammler können hier kaufen.

Langweilig wird es den Gipsformern nie. Wir begleiten Timo Klöppel und Thomas Schelper zu ihrem aktuellen Lieblingsobjekt: Im Archiv schlummern nicht nur Kunstwerke, sondern auch Naturabgüsse, wie von diesem über 100 Jahre alten Krokodil.

Thomas Schelper, Gipskunstformer

"Das ist eben auch so interessant und spannend und nicht mehr nachvollziehbar, wann und warum das hier ins Haus gekommen ist. Vermutlich ist im Berliner Zoo ein Krokodil gestorben und man hat es abgeformt."

Timo Klöppel ist selbst bildener Künstler, der von der Mitarbeit in der Gipsformerei profitiert.

Timo Klöppel, Gipskunstformer

"Ich denke auf jeden Fall ganz stark mit den Händen und sehe auch mit den Händen, also das Anfassen, das Berühren..."

Für Marc Miniers kommt nun der schönste Teil seiner Arbeit, das Ablösen der Form. Bei den sommerlichen Temperaturen hat der Gips besonders schnell angezogen. Jetzt bloß nicht zu fest auf das Holz klopfen.

Marc Miniers, Gipskunstformer

"Da ist er"

Viele große Köpfe haben die Mitarbeiter der Gipsformerei schon in den Händen gehabt. Mit einem sind sie besonders verbunden: dem Namensgeber des neuen Berliner Museumsportals, der James-Simon-Galerie. Dort würdigt die Ausstellung "Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei" ab August das Kunsthandwerk der Gipsformer.

Thomas Schelper, Gipskunstformer

"Das ist der Portrait-Kopf von James Simon. Da ist man auch ein bisschen stolz, jetzt kehren wir im Prinzip nach 200 Jahren dahin zurück und präsentieren das was wir geleistet haben"

Autor: Charlotte Pollex