Die Nachfahren von James Simon sehen sich von ihm gesammelte Kunstwerke an: Seine Urenkelin Irene Bader (links) und sein Ururneffe Tim Simon (mitte) mit seiner Ehefrau Ann Simon (Bild: rbb)
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- Die Nachfahren von James Simon

James Simon war einer der bedeutendsten Mäzene der Berliner Museen. Sein berühmtestes Geschenk war die Nofretete. Weil die Nationalsozialisten versuchten das Andenken an den jüdischen Kunstsammler zu zerstören, ist er heute vielen BerlinerInnen nicht sehr präsent. Das soll sich mit der James-Simon-Galerie ändern. Wir besuchen den neuen Bau mit seinen Nachfahren.

In diesen Tagen wird Berlin zum Treffpunkt für die Nachfahren von James Simon. Diese drei haben sich erst vor gut zehn Jahren kennengelernt – vereint durch einen berühmten Vorfahren. Irene Bader ist eine Urenkelin, der US-Amerikaner Tim Simon ein Ururneffe, Ann Simon seine Ehefrau.

Tim Simon, Nachfahre von James Simon

(Englisch) „Es scheint, dass er sehr großzügig gegeben hat ohne etwas im Gegenzug zu erwarten. Er hat einfach gegeben, gegeben und gegeben.“

James Simon erbt einen florierenden Baumwollgroßhandel und führt ihn erfolgreich weiter. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten lebt er mit seiner Familie vornehm in Tiergarten – im Archiv der Staatlichen Museen lagern Fotos von seiner Villa. Als Sammler baut er sein Haus zum Kunstpalast aus.

Ann Simon, Ehefrau von Tim Simon

(Englisch) „Das sieht aus wie in einer Kathedrale. Man kann gar nicht sagen, ob es ein Museum ist oder ein Privathaus, es ist wirklich unglaublich. „

Irene Bader, Nachfahrin von James Simon

„Meine Mutter war ja die Enkelin. Sie mussten als Kinder Handschuhe tragen, durften beim Essen nicht reden. (Englisch) Nur wenn sie gefragt wurde.“

Auf James Simons Spuren stößt man bei einem Rundgang über die Museumsinsel überall. Irene Bader lebt heute in Heidelberg. Von Beruf war sie Physiotherapeutin.

Irene Bader, Nachfahrin von James Simon

„Hallo, Uropa“

Im Bodemuseum wird gerade das James-Simon-Kabinett eingerichtet, ein historischer Ausstellungssaal mit seinen Schenkungen wird rekonstruiert. Wie selbstlos und wie viel James Simon gegeben hat, das beeindruckt Irene Bader. Ein Marienbild gefällt ihr sehr.

Irene Bader, Nachfahrin von James Simon

„Das ist eines der wenigen Madonnenbilder, wo Mutter und Kind sich zuwenden. Das zeugt von einer ganz innigen Beziehung, finde ich. Kinder langen ihm sehr am Herzen. Er hat armen Kindern ermöglicht, in Erholung zu gehen. Er hat dafür gesorgt, Schwimmbäder zu bauen, dass sie auch ein gewisses Freizeitvergnügen hatten.“

Für die Kunstkäufe berät ihn der damalige Museumsdirektor Wilhelm Bode. Kaufbelege, Telegramme, Schenkungslisten finden sich im Archiv.

Irene Bader, Nachfahrin von James Simon

„Mantegna Madonna. Da hat er sehr gezögert, weil sie ihm recht teuer erschien. Aber dann hat wohl Bode gesagt: ‚Kauf sie‘, und dann hat er’s gemacht.“

Die „Madonna mit dem schlafenden Kind“ von Andrea Mantegna – ein Meisterwerk, das Berlin James Simon zu verdanken hat. Über 10000 Objekte hat er den hiesigen Museen überlassen.

Ann Simon, Ehefrau von Tim Simon

(Englisch) „Was für ein außergewöhnliches Leben – und wie traurig. Ein Glück, dass James nicht mehr gelebt hat, als all das hier aufgegeben werden musste. „

James Simon war jüdischen Glaubens. Er stirbt 1932. Seine Familie überlebt den Holocaust, doch sie wird in alle Winde zerstreut. Tim Simon wusste lange wenig über seinen Vorfahren, über Früher wurde kaum gesprochen.

Tim Simon, Nachfahre von James Simon

(Englisch) „Als mein Vater nach dem zweiten Weltkrieg in die USA zog, wollte er einfach ganz von vorne anfangen. 2006 war ich geschäftlich in Berlin. Wir wollten nur kurz bleiben und dann weiter nach Polen. Doch wir nahmen damals Kontakt mit den staatlichen Museen auf. Wir sind dann zwei Wochen geblieben, weil wir so viele Leute kennengelernt haben.

Vor einem Jahr sind die Simons aus San Francisco nach Berlin gezogen. Ohne die Beschäftigung mit ihrem Vorfahren wäre das nie passiert.

Berlins Superstar, die Nofretete ist ein anderes Lieblingsstück. James Simon finanziert die Grabungen in Ägypten. Die Nofretete hat für eine Weile bei sich zu Hause, in der Villa in seiner seinem Kaminsims. 1920, obwohl sein wirtschaftlicher Erfolg schon nachlässt, verschenkt er auch sie an Berlin.

Ann Simon, Ehefrau von Tim Simon

(Englisch) „Sie ist so schön, ein Klassiker. Unsere Tochter hat in der zweiten Klasse Nofretete als die Frau ausgewählt, die sie am meisten beeinflusst. Sie hat ein Kostüm gebastelt, einen Fastfood-Eimer wie die Krone angemalt. Je mehr wir über James und seine Großzügigkeit gelernt haben, desto wichtiger wurde es uns, diese Werte an unsere Kinder weiterzugeben.“

Die James-Simon-Galerie, die gefällt allen dreien sehr. Nicht nur architektonisch.

Tim Simon, Nachfahre von James Simon

(Englisch) „ Es ist sehr schön den Familiennamen hier verewigt zu sehen. James Simon war vor ein paar Jahren noch weitgehend unbekannt. Aber jetzt wird er nie mehr vergessen.“

Autor: Steffen Prell