Cover des Buches "Funkenflug" von Hauke Friederichs (Bild: rbb-Fernsehen)
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- Vom "Funkenflug" zum Weltkrieg

Hauke Friederichs fängt in seinem Buch "Funkenflug" detailgenau die Stimmung in den letzten Tagen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ein und setzt aus vielen Perspektiven ein lebendiges Bild zusammen. Er besucht mit uns in Berlin die Orte seiner Geschichten.

Es ist ein sonniger Tag, der 1. August 1939. Und doch liegt etwas Bedrohliches über Berlin.

"Der Aufbau", Zeitung

"Es ist ein großes Marschieren in diesen Tagen in Deutschland. Dieses Land übt wieder für einen neuen Krieg."

"Der Angriff", Zeitung

"Die Welt spricht wieder vom Krieg. Gibt es Krieg?"

Hitler hat seine Truppen zusammengezogen. Sie warten nur auf seinen Befehl Polen anzugreifen. Hitlers Drohgebärden sind nichts Neues. Er will den Krieg. Er weiß nur noch nicht wann. Die Berliner hingegen genießen die Sonne, suchen Erholung von der angespannten Lage. Die Zeitungen sprechen von Angriff und Krieg. Detailgenau hat sich Hauke Friederichs damit befasst. Er beschreibt die Stimmung kurz vor Kriegsausbruch im August in seinem Buch "Funkenflug".

Hauke Friederichs, Autor

"Als Schüler lernt man in der Schule ja oft, dass Dinge so zwangsläufig erscheinen im Geschichtsunterricht. Auf wenigen Seiten wird ein großer Zeitraum abgehandelt und mich interessieren sozusagen die Feinheiten, die Verästelungen, die Entscheidungen die getroffen werden. Der August 1939 ist so ein bisschen ein Brennglas der Geschichte. Man kann da ganz viele Dinge sehen, die eben an wenigen Tagen passieren."

Im Berlin Adlon, erzählt uns Hauke Friederichs , hat sich so eine Geschichte zugetragen. Hier treffen sich Diplomaten wie Journalisten und wollen, heute wie damals, erfahren was die deutsche Politik so vorhat. Anfang August steigt hier ein britischer Journalist ab, bestellt Orangensaft und erfährt dabei ganz viel über die Lage.

Hauke Friederichs, Autor

"Hier im Adlon war William Shirer abgestiegen. Er saß hier beim Frühstück am 9. August, war in Gedanken wahrscheinlich schon in Polen, weil er nach Danzig reisen sollte in den nächsten Tagen und bestellte sich einen Orangensaft zum Frühstück. Der Kellner sagte ganz hochnäsig 'Kein Problem, den bringe ich ihnen, bin gleich wieder da.' Dann kam der Orangensaft aber nicht, denn es gab in Berlin keine Orangen aufzutreiben. Der Orangensaft war so das Signal: So ganz einfach ist die Wirtschaftslage nicht. Es kommen keine Früchte mehr aus dem Ausland so ohne weiteres in Berlin an. Sorgen habe sich alle gemacht, aber keiner wusste wirklich genau, ob es Krieg geben würde."

Mit solchen alltäglichen Anekdoten überrascht er. Jeder Tag im August wird unter die Lupe genommen, wie jener als der junge Student John F. Kennedy, später US Präsident, in der Stadt auftaucht.

Hauke Friederichs, Autor

"Hier am Anhalter Bahnhof war John F Kennedy am 20.August im Hotel Excelsior. Er schrieb Briefe an Freunde, berichtete was er erlebt hat auf seinen Reisen durch Europa und beschäftigte sich mit der These 'Warum der Westen gegenüber Hitler versagt hat'."

Friedrichs nimmt uns mit zur russischen Botschaft, damals die Vertretung der Sowjetunion.

Hauke Friederichs, Autor

"In der alten Botschaft wurde der Hitler-Stalin-Pakt vorbereitet. Das war entscheidend, weil Hitler durch diesen Pakt, den er mit Stalin schloss, einen Zwei-Fronten-Krieg verhindern konnte. Das war eine Sensation damals."

Er beschreibt detailversessen auch den Widerstand, denn nicht alle wollen den Krieg. Weder der Abwehrchef Canaris noch Göring. Der Gründer der Gestapo stößt gerade noch auf den Frieden an. - Und das obwohl die Truppen bereits unterwegs nach Polen sind. Friederichs gelingt es seismografische Stimmungsschwankungen einzufangen.

Hauke Friederichs, Autor

"Es war klar, die Gegner Deutschlands würden immer stärker werden. Wenn Hitler den Krieg nicht 1941, 1942 oder halt 1939, - wie er es gemacht hat, begonnen hätte, dann wären die Gegner viel zu stark gewesen. Es wäre nicht möglich gewesen auf Dauer diese monströse Aufrüstung zu betreiben."

Am 1.September erklärt Hitler den Krieg.

Theresa Majerowitsch

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