Innenansicht der Berliner Philharmonie am 16.10.1963 (Bild: imago-images/united archives international)
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- Die bewegte Geschichte der Berliner Philharmonie

Als der Architekt Hans Scharoun die Philharmonie baute, träumte er von einem modernen, einladenden Gebäude, das für alle offen steht. Das Eröffnungskonzert am 15.10.1963 dirigierte Herbert von Karajan allerdings schon im geteilten Berlin. Wir begeben uns auf eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Berliner Philharmonie.

Alles begann im September 1960.

Herbert von Karajan, erste Chefdirigent der Philharmoniker

"Die Akustik dieses neuen Hauses möge so schön und vollendet sein wie der Klang meiner Philharmoniker."

Kai Mielisch, Leiter Veranstaltungstechnik Philharmonie

"Es war immer eine große Aufregung im Haus, er war ein Despot manchmal. Alle standen stramm, wenn Herbert von Karajan im Hause war, weil er immer ein paar Extrawünsche hatte, aber die sind ihm alle erfüllt worden."

Als Kai Mielisch mit 20 in der Philharmonie anfängt, ist Karajan noch ein Jahr Chefdirigent. 30 Jahre ist das her und einen anderen Arbeitsplatz kann sich der Leiter der Technik nicht vorstellen.

Kai Mielisch, Leiter Veranstaltungstechnik Philharmonie

"Sie haben hier unheimlich tolle Blickachsen, die sich einfach unterscheiden von dem, was das Publikum in der Regel wahrnimmt, wenn mal hier mal nach oben schaut ist das wunderbar: jedes Mal ein neuer Blick. Sie sind kaum fünf Meter gelaufen und schon haben sie einen völlig anderen Blick auf das gesamte Gebäude."

Ein modernes Gebäude voller Überraschungen ohne rechte Winkel, davon träumt der Architekt Hans Scharoun schon als Schüler um 1910. Im Baukunstarchiv wird heute sein Nachlass aufbewahrt.

Eva-Maria Barkhofen, Baukunstarchiv

"Diese Zeichnung mag ich besonders gern, weil sie ein kleines bisschen auch diese Schwünge der Philharmonie zeigt. Allerdings auch mit so einer Art Ananasform da drin und wenn man die Beschriftung sieht: "Das Haus nächtlicher Freude" und den Eingang, dann braucht man eigentlich keinen Kommentar dazu abzugeben, weil es sich daraus erschließt."

Es wird dann doch kein Freudenhaus wie Hans Scharoun es mit Mitte 20 malt, sondern ein Konzerthaus. Die Zuschauer sitzen wie auf Terrassen rund um das Orchester und den Dirigenten.

Abendschau, 1963

"Hier das ist der Ort, der geistige Schwerpunkt des Gesamtensembles der Philharmonie."

Kein Zuschauer sitzt weiter als 30 Meter von der Bühne entfernt. Das Konzerthaus soll allen offen stehen, einladend sein. Doch die Vision einer Philharmonie für ganz Berlin endet 1961. Wenige Meter entfernt wird die Mauer gebaut.

Eva-Maria Barkhofen, Baukunstarchiv

"Am 15. Oktober ist das Gebäude eingeweiht worden und mittendrin ist die Mauer gebaut worden und damit lag das auf einmal ganz am östlichen Teil Westberlins. Die Mitarbeiter, die noch mitgebaut hatten bevor die Mauer war, konnten beim Eröffnungskonzert nicht mehr dabei sein. Wir haben hier zahlreiche Briefe im Scharoun-Archiv, die traurigst berichten: 'Wir konnten ja hier nun nicht kommen, um das Konzert anzusehen, weil wir ja nicht über die Mauer konnten.'"

Einmal in der Philharmonie spielen, das wollen viele. Hildegard Knef ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, als sie hier auftritt.

Mitte der siebziger Jahre bekommt die Philharmonie ihre goldene Verkleidung, so wie ursprünglich vom Architekten geplant.

November 1989 – einen Tag nach dem Mauerfall ist die Philharmonie endlich wieder offen für alle Berliner.

Kai Mielisch, Leiter Veranstaltungstechnik Philharmonie

"Da kann ich mich noch gut daran erinnern, das war ein Sonderkonzert, was Barenboim gegeben hat. Der Saal war voll bis oben hin. Auf allen Plätzen standen und saßen Menschen, auch auf den Treppen. Das war ein toller Augenblick."

Die Philharmonie steht wieder in der Mitte von Berlin. Und bis heute inspiriert sie Architekten - überall auf der Welt.

Autorin: Bettina Lehnert

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