Christoph Hartmann, Oboist der Berliner Philharmoniker (Bild: rbb-Fernsehen)
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- Oboist Christoph Hartmann im Portrait

Bei den Philharmonikern zu spielen, war einst sein großer Traum. Er ist in Erfüllung gegangen. Der Oboist Christoph Hartmann zeigt uns vor dem Konzert am Brandenburger Tor die Partitur der Neunten Sinfonie in Beethovens Handschrift.

Mit seinem Oboen-Mundstück könnte Christoph Hartmann morgens ganz Berlin aufwecken. Wenn das Mundstück kräht, kann der Tag kommen.

Christoph Hartmann, Oboist

"Wenn’s nicht kräht, dann ist der Klang eng und wird auch ein bisschen hoch vom Klang her. Das macht dann nur so ein Fiepsen. Wenn’s zu krähen anfängt, dann ist die Schwingung frei. Unser Klang kann einerseits sehr durchdringend sein, andererseits aber auch sehr weich und schmeichelnd. Diese ganzen etwas traurigen Melodien, das ist alles das Terrain der Oboe und das mag ich, das gefällt mir total gut."

Wenn Christoph Hartmann nicht gerade Oboe spielt, ist er vermutlich mit dem Fahrrad unterwegs – seine zweite große Leidenschaft. Er betreibt eine eigene Fahrradmarke: Pasculli. Benannt nach einem italienischen Oboisten. Auf Tourneen hat er mit Philharmonikerkollegen schon die Klassiker von Giro d’Italia und Tour de France gestürmt. In der Kindheit in Landsberg am Lech hatte er die Berge vor der Haustür.

Christoph Hartmann, Oboist

"Für uns als Musiker ist Ausdauersport ein toller Ausgleich und er hilft auch beim Spielen, weil Oboe spielen ist körperlich anstrengend. Und dann ist es natürlich auch eine Hilfe, dass man körperlich fit ist."

Oboist bei den Philharmonikern sein, das war ein Traum für Christoph Hartmann, der in Erfüllung gegangen ist. Er schwärmt von den Dirigenten, dem Umfeld, den Kollegen und natürlich der Philharmonie. Vor 27 Jahren hat er in Berlin vorgespielt. Die Oboe von damals hat er heute mitgebracht. Er spielt sie nicht mehr. Im Gegensatz zur Geige ist eine Oboe eher Gebrauchsware. Aber ein Erinnerungsstück ist es.

Christoph Hartmann, Oboist

"Damals war es noch so üblich, dass die Leute, die in die nächste Runde kamen, gleichzeitig auf der Bühne waren zum Orchesterstellenspiel. Dann hieß es: Wer möchte denn anfangen? Dann hatte ich Gott sei Dank die Idee: Wenn ich als Erster spiele, muss ich mir die Anderen nicht anhören, da hab ich gesagt: Ich!"

Und jetzt zu Beethovens Neunter: Die Berliner Staatsbibliothek besitzt die meisten Beethoven-Handschriften weltweit. Die Neunte ist Weltdokumentenerbe. Darum muss ein Faksimile ausreichen, aber auch das ist aufschlussreich. Beethoven kann man hier sozusagen bei der Arbeit zusehen.

Christoph Hartmann, Oboist

"Er war ja taub zu der Zeit schon. Er hat einen ganzen Takt hier rausgestrichen. Hier ist die Stimme wieder rausgenommen. Da hat er eine Idee gehabt, wieder verworfen. Für uns ist es ein großes Werk. Es gibt unheimlich viel zu spielen, es ist wahnsinnig anstrengend. Es gibt ein paar schöne Soli drinnen. Einen Takt vorher kommen die zwei Fagotte und dann steigt die Oboe ein. Dann kommt’s im Legato. Dann steigen immer mehr Bläser ein, sieht man hier ganz deutlich, wird immer mehr aufgefüllt. Crescendo kommt dann auch, steht auch groß drinnen. Kommt wieder hier ein Crescendo und dann steigen hier die Streicher mit ein."

Für Christoph Hartmann stehen noch Proben an. Natürlich fährt er schnell mit dem Fahrrad. Für das Konzert am Brandenburger Tor wünscht er sich gutes Wetter. Und wir ihm, dass es richtig schön kräht.

Autor: Steffen Prell

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