Bühnenarbeiter bereiten am Brandenburger Tor das Open-Air-Konzert der Berliner Philharmoniker am 24.08.2019 vor. (Bild: rbb)
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- Wie ein Open-Air-Konzerthaus für einen Abend entsteht

Die Philharmoniker erwarten bis zu 30.000 Zuschauer bei ihrem Eröffnungskonzert am Brandenburger Tor. Damit die fast 200 Musiker Platz haben, muss die Bühne ganze 450 Quadratmeter groß sein. Wir begleiten Produktionsleiter Marcus Mechelhoff am Tag vor dem großen Event.

9:30 Uhr auf der Baustelle am Brandenburger Tor:

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Ist ja doch auch ein bisschen was los hier."

120 Menschen arbeiten an den Vorbereitungen für das Konzert der Philharmoniker. Und er ist der Mann, der alle und alles im Blick behält: Produktionsleiter Marcus Mechelhoff.

Frank, Bühnenarbeiter

"Die Vier-Fünfer-Pagoden, wo kommen die hin? Die 5x20?"

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Die setzen wir als VIP. Öffnung nach hier. Mittig, ne? Damit die Spitze…"

Frank, Bühnenarbeiter

"Das geht, das passt hier oben."

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Hier fangen wir an und dann runter."

Von den VIP-Zelten über den Bühnenaufbau bis zu den Toiletten - Marcus Mechelhoff ist für jedes Detail verantwortlich.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Im Grunde errichten wir ein Konzerthaus für diesen einen Abend hier. Ohne Dach zwar und ohne Stühle, aber im Grunde geht’s darum, dass wir hier den Philharmonikern die Bühne bieten."

Und was für eine Bühne! Rund 450 Quadratmeter wird sie groß, damit fast 200 Musiker und Sänger Platz haben. Bis zu 30.000 Zuschauer werden erwartet. Damit auch die hinten noch was sehen, muss die Bühne hoch genug werden.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Ich bau Bühnen immer zwei Meter hoch."

Sven, Bühnenarbeiter

"Dann kriegst du zwei Meter."

Bühnenarbeiter

"Ungern."

Sven, Bühnenarbeiter

"Warum"

Bühnenarbeiter

"Weil wir dann Woodpads links und rechts auslegen müssen wie bescheuert."

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Na dann mach einen Meter…"

Bühnenarbeiter

"90"

Sven, Bühnenarbeiter

"Dein Gardemaß!"

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Ich bin 1,96 Meter. Gib mir noch 5 Zentimeter drauf und dann ist gut."

Sven, Bühnenarbeiter

"Ja, mach dit."

Worauf es ankommt bei Groß-Events in Berlin, weiß Marcus Mechelhoff genau. Er hat schon Obamas Rede an der Siegessäule vorbereitet und das 25. Mauerfall-Jubiläum. Am liebsten organisiert er klassische Konzerte.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Ich liebe es, dafür Veranstaltungen zu machen, weil das Publikum ist toll. Ist ja einfach so. Es ist schon ein Unterschied, ob ich hier ein WM-Spiel sehe oder mir die Berliner Philharmoniker anschaue."

Am nächsten Morgen sind die Bögen dran, die später das Dach der Bühne bilden. Jeder von ihnen kann zwei Tonnen tragen. Neugierig beobachten Passanten, was da entsteht. "Wird es Stühle geben bei dem Konzert?", will eine ältere Dame wissen.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Es gibt keine Stühle."

Passantin

"Darf man welche mitbringen?"

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Leider nicht. Aber eine Decke."

Passantin

"Runter komm ich, aber nicht wieder hoch."

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Da gibt’s genug, die Ihnen helfen."

Auf der Baustelle läuft währenddessen alles nach Plan. Aus Einzelteilen werden die zwanzig Meter breiten Bögen zusammengesteckt und dann aufgerichtet. Ausnahmsweise will gerade niemand etwas vom Produktionsleiter.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Ich bin gerade arbeitslos - das schockiert mich. Nein, aber ich sag immer: Wenn ich noch sehr viel hier zu tun habe, dann haben wir irgendwas falsch gemacht."

Bevor die Bauarbeiten beginnen konnten, haben Marcus Mechelhoff und sein Team monatelang Pläne gemacht.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Ausdenken kann man sich viel, möchten kann man auch viel - aber das dann zeitgenau hier auf den Platz zu bringen, das ist nicht ganz einfach. Samstagabend 20 Uhr muss es losgehen."

Den Zeitdruck nimmt der Produktionsleiter gelassen und freut sich auf das Konzert.

Marcus Mechelhoff, Produktionsleiter

"Wenn dann der erste Ton erklingt, ist das schon ein tolles Gefühl, dass man dazu beigetragen hat, dass das so funktionieren kann."

Autorin: Anne Kohlick

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