Johannes Nichelmann (Bild: rbb)
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- Buch "Nachwendekinder"

Autor Johannes Nichelmann ist gerade noch so in der DDR geboren. In seinem Buch "Nachwendekinder" beschreibt er sein Lebensgefühl und das von Altersgenossen, die im Schatten eines Landes aufgewachsen sind, dass sie nie kennengelernt haben. Für was steht die DDR für sie? Wie prägt sie das Land ihrer Eltern?

Johannes Nichelmann sagt von sich selbst, dass er Ossi sei. Dabei ist er erst 1989 geboren wie auch viele seiner Freunde. Sie leben mit einem Erbe, wuchtig, wie die Thälmannstatue. Sie sind Nachwendekinder und spüren trotzdem die DDR ist auch ein Teil von Ihnen – ob sie wollen oder nicht.

Johannes Nichelmann, Autor

Bei mir ist es, ich bin mit zwölf Jahren nach Bayern gezogen, weil meine Mutter da angefangen hat zu arbeiten. Bis dahin habe ich mich nie mit diesem Thema beschäftigt. Ich war ja auch erst zwölf Jahr alt. Aber auf einmal stand ich in dieser bayrischen Gemeinde für alles was den Osten anging. Auf einmal haben sie mich gefragt ob das wirklich schwarz weiß war, ob man rennen durfte oder nicht oder doch erschossen wurde, warum ich nicht ostisch spreche waren Fragen. Fragen die ich mir nie gestellt habe. Da hat dieses Ost-ding auf einmal Fahrt bekommen.“

Julia Jendroßek, Schauspielerin

Es scheint mir manchmal so als hätte man schon eine Erinnerung, die man selbst nicht erleben konnte, die aber so gefühlt in einem drin steckt, durch Gespräche mit Eltern, mit Freunden, das soziale Umfeld so.“

Johannes Nichelmanns' Generation hat weder die Mauer erlebt , noch kennt er es irgendwie eingesperrt zu sein. Dennoch hat er das Gefühl anders zu sein.

Also begibt er sich  auf die Suche nach seiner eigenen DDR. Wenn man die Bilder des Mauerfalls an der Bornholmer Brücke häufig genug sieht, glaubt man irgendwann selbst dabei gewesen zu sein. Dabei ist es eigentlich die Geschichte seiner Eltern.

Johannes Nichelmann, Autor

Dieses  Ostdeutsche hat ja gar nicht die Bewandtnis, dass man in diesen –in meiner Generation- in  diesen alten Schemata verhaftet ist: das sind die Ossis, das die Wessis, die sind doof die sind toll, sondern es ist einfach ..es gibt so ne Art von sozialem Kid in ostdeutschen Familien. Man identifiziert sich automatisch mit seinen Eltern und Großeltern und die sind nun mal Ostdeutsche, wie in meinem Fall, und dann ist man Teil der ganzen Geschichte.“

Nichelmanns Begegnung mit der DDR Geschichte beginnt schon mit zwölf als Reporter der Kindersendung Logo. Mit der Politikerin und Bürgerrechtlerin Regine Hildebrandt redet er über die Mauer.

Damals wohnt Johannes Nichelmann in Berlin-Niederschönhausen mit seinen Eltern und seinem Bruder. Heute wie damals eine grüne ruhige Wohngegend. Dass sein Vater ungern über die Vergangenheit spricht, lernt er früh.

Johannes Nichelmann, Autor  

Seine Eltern erzählen wenig und in geschönten Erinnerungen. Das macht ihn neugierig

Johannes Nichelmann hat die DDR nicht mal als Schulstoff gehabt. Wie viele in seiner Generation setzt er sich seine DDR zusammen aus Gegenständen und Klischees  obwohl es ihm lieber wäre, seine Eltern würden offen erzählen wie es war.

Johannes Nichelmann, Autor

Darüber hat Johannes Nichelmann nun ein Buch geschrieben.

Er beschreibt das Lebensgefühl von Nachwendekindern und hat dafür auch die Eltern zu offenen Erzählen bewegt.

Autorin: Theresa Majerowitsch  

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