Svetlana Schönfeld (Bild: rbb)
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- "Und der Zukunft zugewandt"

In einem sibirischen Gulag kommt die Berliner Schauspielerin Swetlana Schönfeld 1951 zur Welt. Regisseur Bernd Böhlich bewegt die Geschichte so, dass er einen Film über sie dreht: "Und der Zukunft zugewandt". rbb Kultur hat Swetlana Schönfeld in Berlin besucht.  

Dieser Tage wird Swetlana Schönfeld oft über ihr Leben befragt. Das war nicht immer so, lang gab es da ein großes Schweigen. In Sibirien wird sie geboren,  nachdem die Mutter – überzeugte Kommunistin – im berüchtigten Moskauer Hotel Lux verhaftet worden war.

Swetlana Schönfeld, Schauspielerin

"1932 wurde ihr der Prozess gemacht bei diesen ersten stalinistischen Säuberungen, wo sie in diesem Hotel abgeholt und in der Lublianka verurteilt worden ist. Erst zu fünf Jahren, dann zu zehn, eigentlich wegen nichts. Und eine junge Frau verbringt dann über 20 Jahre ihres Lebens in der Hölle, wo jeder Tag eigentlich nur ums Überleben geht."

An das Schicksal ihrer Mutter erinnert nun ein Spielfilm. Mit Alexandra Maria Lara in der Hauptrolle.

Auch die Frau im Film hat ein Kind. Der Vater wird - wie der von Swetlana Schönfeld – im Lager ermordet. Als sich endlich alte Weggefährten in der DDR für sie einsetzen, werden Mutter – und Tochter - freigelassen.

Swetlana Schönfeld, Schauspielerin

"1957 sind wir umgesiedelt, mit Militärmaschinen zurückgeflogen. Wir kamen in Pelzmänteln. Ich habe diesen Pelmantel gehasst. Ich wollte einen anderen Namen haben, wollte nicht Swetlana heißen. Dann konnten wir uns erst in einem Auffanglager etwas erholen, und dann hat meine Mutter Arbeit und eine Wohnung bekommen. Daran habe ich auch noch vage Erinnerungen."

Von diesem Neubeginn in der DDR handelt der Spielfilm auch. Gedreht wurde unter anderem in Eisenhüttenstadt. Das neue Leben macht Mutter und Tochter Hoffnung. Aber es hat einen Preis. Niemand darf etwas von der Lagerhaft in der Sowjetunion erfahren. Die Idee des Kommunismus, an die auch sie noch immer glaubt, soll nicht befleckt werden.

Das Schweigen wird für Mutter und Tochter zu einem neuen Gefängnis.

Swetlana Schönfeld, Schauspielerin

"Im nachhinein tut mir das auch sehr leid, dass ich mit meiner Mutter nie reden konnte. Ich wusste, dass es für sie ein schweres Schicksal war. Aber ich wusste nicht, dass sie dieses Scheißdokument unterschrieben, wo sie nicht reden durfte. Das hat mein Leben sehr sehr mitbestimmt."

Im Film spielt Swetlana Schönfeld die Mutter der Heimgekehrten. Dass die DDR von Anfang an auf solche Lügen gebaut war, ist für sie ein Grund, warum das Land gescheitert ist. Sie selbst hat in der DDR als Schauspielerin Karriere gemacht. Nach vielen Jahren am Maxim Gorki Theater ist sie bis heute im Tatort und in anderen Fernsehproduktionen zu sehen. Aber der neue Film ist ihr ein besonderes Anliegen.

Swetlana Schönfeld, Schauspielerin

"Ich finde ja, viel wichtiger, als das er einen berührt, ist, dass vielleicht noch einmal eine Aufarbeitung dieser ganzen Themen passiert. Ich will gar nicht von Wiedergutmachung sprechen, aber davon, dass noch einmal Widerhall findet, was diesen ganzen Opfern eigentlich passiert ist."

Ein bewegender Film, der eine völlig vergessene Geschichte erzählt. Und der für Swetlana Schönfeld auch etwas Befreiendes hat.  

Autor: Norbert Kron

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