Historisches Fotos: Ein Ehepaar sitzt in einem Strandkorb an der Ostsee der ehemaligen DDR (Bild: rbb)
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- Open Memory Box - Leben in der DDR

Wie lebten, reisten, feierten die Menschen in der DDR? Das digitale Archiv „Open Memory Box“ präsentiert 415 Stunden Schmalfilme, die zwischen 1947 und 1990 von 149 Familien gedreht worden sind. Alberto Herskovits und Laurence McFalls haben das Projekt initiiert.

Alltag in der DDR.

Über 400 Stunden Material haben Alberto Herskovits und Laurence McFalls zusammengestellt, vor sechs Jahren hatten sie einen Aufruf gestartet und Bürger der ehemaligen DDR gebeten, ihre privaten Super-8-Filme für ein Erinnerungsarchiv zur Verfügung zu stellen.  

Laurence McFalls, Initiator Open Memory Box

"Es ging eigentlich darum, die abgeflachten Erinnerungen wieder ein bisschen spitzer zu machen, ein bisschen mehr Kurven und Nuancen da reinzubringen, auch dadurch vielleicht die Erinnerungsdebatten wieder ein bisschen aufzuwühlen und erfrischen und vielleicht neue Verständnisse oder vielleicht neue Konflikte hervorzuholen."

Ihr Büro haben sie in der Karl-Marx-Allee. Alberto ist in Argentinien geborgen, Laurence in den USA, keiner von beiden hat in der DDR gelebt und doch fasziniert sie das Leben in diesem Land. Über 2.200 Filmrollen haben sie gesichtet.

Alberto Herskovits, Initiator Open Memory Box

"Ich bin in Berlin aufgewachsen, nicht so weit weg von der Mauer. Und die Mauer hat mich fasziniert, also dieses Bauwerk und die Frage, was dahinter ist, war spannend.

Die Filme als sie ankamen, das war für uns natürlich ein großer Augenblick, als wir zum ersten Mal wirklich also auch Kontakt mit den Bildern bekommen haben. Wir wussten gar nicht, sind die richtig belichtet, waren die überhaupt noch digitalisierbar, was sehen wir überhaupt?"

Das Material haben sie thematisch geordnet. Ein Zufallsgenerator arrangiert die Bilder in Kapiteln. Die heißen dann Fliegen, Zufall oder Grenze.

Ein Archiv, das jeden dazu einlädt, Dinge zu entdecken, den Alltag noch mal anders zu sehen.

Alberto Herskovits, Initiator Open Memory Box

"Das ist natürlich auch eine riesen Vertrauenssache, es sind sehr private Bilder und das muss man natürlich mit Respekt behandeln."

Viele von denen, die ihre Filme geschickt haben, haben Alberto Herskovits und Laurence McFalls kennengelernt.

Hans Stiller lebt allein in seiner Wohnung in Potsdam. Mit der Super-8-Kamera filmte der 73-jährige Witwer seine Kinder beim Aufwachsen, Feiern im Partykeller und seinen Arbeitsplatz an der Erdgastrasse in der UDSSR.

Hans Stiller, Zeitzeuge

"Ich hab so viele Überstunden geschrieben det gibt’s gar nicht. Aber ich hab's eben gemacht. Das war ich gewesen, das war mein P1000. Und das war Ostern 1984.

Das war hier hinter Bornstedt. Ja, da haben wir etliche Eier versteckt."

Alberto Herskovits, Initiator Open Memory Box

"Ostern hat man auch in der DDR mit Ostereiern gefeiert."

Hans Stiller, Zeitzeuge

"So isses, genauso isses."

Hans Stiller, Zeitzeuge

"Das ist dermaßen schön, dass man auch die kleinen Kinder sieht, wie die heranwachsen."

Alberto Herskovits, Initiator Open Memory Box

"Ich glaube, das Material, das im Westen gedreht wurde mit Super 8 wird vielleicht ein bisschen anders aussehen, weil die Qualität eine andere war, aber alle haben sich für Menschen interessiert, für das Heranwachsen der Kinder, also Augenblicke festzuhalten im Leben, das ist ein menschliches Bedürfnis."

Das Archiv ist voll von einzigartigen, intimen Momenten. Sie erzählen mehr über das Leben in der DDR als manches Geschichtsbuch. 

Autorin: Vera Drude

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