Traumberuf Archäologe (Bild: rbb)
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- Traumberuf Archäologe

So gern würde man manchmal die Ausstellungsstücke anfassen. Im Museumsdorf Düppel machen Archäologie-Studenten Exponate fit für die Besucher, zum Beispiel eine schamanische Hirschgeweih-Maske.

Zurück in die Vergangenheit im Berliner Freilichtmuseum Düppel. Johannes Heussner und Stefan Solleder sind keine Mittelalterfans: sie studieren Archäologie und betreiben hier experimentelle Forschung.

Johannes Heussner, Archäologie-Student

"Ich bin gerade in der Rolle eines Bronzegießers von vor 2.000 bis 2.500 Jahren. Der hat zu dieser Zeit genauso dagesessen wie ich und gespannt darauf gewartet, dass sein Feuer auf Betriebstemperatur ist."

Stefan Solleder, Archäologie-Student

"Das macht es gerade spannend, sich mit völlig fremden vergangenen Welten auseinandersetzen und auf Grundlage von mehr oder weniger sporadischen Spuren zu rekonstruieren, wie die Menschen gelebt haben. Was für eine Gesellschaft war das? Was für eine Kultur?"

In diesem kleinen Ofen schmilzt Johannes Bronze. In eine Form gegossen wird daraus der Rohling für ein Schmuckstück. Der wird danach mit originalgetreuen Werkzeugen bearbeitet. Das Vorbild für den Bronzeschmuck wurde bei der großen Ausgrabung in Biesdorf gefunden.

Was hier am Rand von Marzahn bis 2014 ausgegraben wurde, wird die Forschung noch für Jahre beschäftigen. Ein Glücksfall für Studenten, wie Johannes.

Johannes Heussner, Archäologie-Student

"Es ist ein tolles Gefühl, aus diesem Fund, der auf den Laien unscheinbar wirkt, wieder ein hübsches Schmuckstück zu machen und zu sagen, das habe ich mit meinen eigenen Händen gemacht."

Geschenkt hat Johannes diese Ohrringe seiner Schwester, auch sie ist Archäologin. Und der Schmuck ist jetzt wie alt?

Johannes Heussner, Archäologie-Student

"Circa 2.500 bis 2.000 Jahre alt, genauer geht’s leider nicht."

Anne Sklebitz, Kuratorin "Berlins größte Grabung. Forschungsareal Biesdorf "

"Sie sind immer noch modisch großartig, ich finde sie sehr schön und trage sie sehr gerne."

Auch das gehört zum Studium der Archäologie – Geduld und Pinsel, ganz klassisch. Vorsichtig arbeiten Stefan Solleder und die anderen Studenten hier an einem Grabungsfund, legen Schicht um Schicht frei. Noch mehr Spaß hat Stefan allerdings der Nachbau dieser ungefähr zehntausend Jahre alten Geweihmaske gemacht. Einige Monate hat er daran mitgearbeitet.

Stefan Solleder, Archäologie-Student

"Es ist insofern ein Fund, der nicht nur Bedeutung für den Raum Berlin hat, sondern für den ganzen europäischen Raum. Von diesen Objekten gibt es nicht viele vergleichbare Funde. Was genau damit gemacht wurde, wissen wir nicht. Die eine Möglichkeit wäre, dass es bei der Jagd benutzt wurde, dass Jäger sich diese Maske aufgesetzt haben, um sich zu tarnen. Die zweite Möglichkeit ist, das es für rituelle Zwecke benutzt wurde."

Es ist vor allem die praktische Arbeit, die Stefan und Johannes an ihrem Studium so begeistert. Sie macht das Leben vor tausenden von Jahren greifbar.

Stefan Solleder, Archäologie-Student

"Mich fasziniert die Vergangenheit der Menschheit, um der Frage nachzugehen: Wo kommen wir her? Wer sind wir eigentlich?"

Johannes Heussner, Archäologie-Student

"Was gibt es da für Unterschiede zwischen uns? Vor allem aber, was seltener betrachtet wird: Was gibt es für Gemeinsamkeiten mit uns?"

Für die Beiden steht jedenfalls fest: Archäologe ist ihr Traumberuf.

Autorin: Bettina Lehnert

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