stellt Nachbildung einer 11.000 Jahre alte Geweihmaske vor. (Bild: rbb)
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- Die ersten Berliner

Wie alt ist Berlin? rbb Kultur lässt sich vom Berliner Landesarchäologen Matthias Wemhoff erzählen, wie das Leben der "ersten Berliner" ausgesehen hat. Marzahn ist das älteste Siedlungsgebiet in der Region, vor circa 10.000 Jahren kamen die ersten Menschen hierher.

Der erste Berliner wurde am Flüsschen Wuhle in Berlin-Biesdorf gesichtet. Hier wo heute neue Häuser aus dem Boden sprießen, haben schon vor 11.000 Jahren Menschen gesiedelt. Die Beweise dafür kann man jetzt in einer Ausstellung im Neuen Museum sehen.

Der Steinzeitmensch kam aus dem Süden. Vielleicht hat er so ausgesehen.

Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe

"Das kann schon so sein, dass einer in dieser Gestalt durch Berliner Boden gestreift ist und tatsächlich relativ kurz nach dem das Eis hier alles frei gegeben hat, so in der Mittelsteinzeit, da scheint jemand hier gewesen zu sein, der so schamanische Gebräuche geführt hat. Darauf verweist ein ganz spektakulärer Fund aus der Nähe von Biesdorf."

Eine 11.000 Jahre alte Geweihmaske. Vergleichbare Funde sind weltweit nur von sehr wenigen Orten bekannt. Die Enden sind besonders bearbeitet wahrscheinlich für kultische Zwecke.

Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe

"Man kann sich das wirklich so vorstellen, dass diese Geweihmaske in einer Pelzmütze saß und dann tatsächlich so etwa getragen wurde."

Ein Fund, der nicht nur den obersten Berliner Archäologen schmückt sondern auch die Berliner Siedlungsgeschichte.

Bevor in Biesdorf die neuen Häuser gebaut wurden, haben Archäologen 20 Jahre lang jeden Zentimeter umgegraben.  Gefunden haben sie Hinweise, dass hier über Jahrtausende Menschen gelebt haben.

Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe

"Das ist das Besondere, was wir auch schon an diesen Zufallsfunden sehen. Das sind jetzt keine systematischen Grabungen, das wir von der Steinzeit bis in die Römische Kaiserzeit hier an dieser Stelle Funde haben. Hier haben wir nun wirklich alles, aus der Steinzeit, hier einen großen Bronzezeitlichen Hort auch in der Bronzezeit waren die Menschen hier. Und dann kommen hier noch zwei wunderbare wirklich außerordentliche Funde, das Besonderste ist diese Goldmünze aus dem Jahr 215. Das ist auch in dem Bereich gefunden worden. Das waren wahrscheinlich Germanen, die als Söldner im römischen Reich unterwegs gewesen sind und dazu ihren Sold bekommen haben und dann als Schmuckstück getragen haben, denn über dem Kopf des Kaisers sieht man ein kleines Loch. Also man kann sich wirklich gut vorstellen, dass die um den Hals getragen worden ist."

In jeder Vitrine des Neuen Museums ein Stück Regionalgeschichte – ein Käsetopf, aus dem 1. Jahrhundert vor Christus oder eine Spindel  im ersten Jahrhundert nach Christus.

Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe

"Wir haben hier oben – und das ist eines der schönsten Stücke der Ausstellung, diese Kugelfibel, das ist nichts anderes als eine Sicherheitsnadel."

Auch über hundert Brunnenanlagen wurden gefunden aus allen Epochen. Wie dieser aus Eichenbohlen. Ab dem 4. Jahrhundert zieht der Urberliner plötzlich weiter. Es ist die Zeit der Völkerwanderung.

Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe

"So um 600 machen sich alle auf den Weg in den Süden also Migration vom Feinsten, da ist hier überhaupt keiner mehr. Dann passiert gar nichts. Dann haben wir auch Wald überall, es ist zugewachsen wieder und dann kommen die Slawen aus dem Osten wieder in diese Region auch in den Bereich von Biesdorf. Da haben wir aber nur ganz wenige Gehöfte und dann kommt als nächste Welle die Einwanderung der Deutschen nach der Inbesitznahme der Mark Brandenburg in der Mitte des 12. Jahrhundert Und das ist dann erst die Zeit in der die Städte gegründet werden."

Die Arbeit von Archäologen ist mühevoll und kleinteilig. In jeder Scherbe suchen sie ein Stück  Berliner Geschichte.

Matthias Wemhoff, Berliner Landesarchäologe

"Wir müssen das was im Boden ist verstehen als ein Bodenarchiv das wir lesen müssen bevor es zerstört wird und das ist unsere große Aufgabe und das ist auch eine Verpflichtung der nächsten Generation gegenüber."

Wann genau die Steinzeitmenschen hier sesshaft wurden, das müssen die Archäologen noch genau herausfinden. Dann erst kann die Geschichte vom ersten Berliner an der Wuhle zu Ende erzählt werden.

Autorin: Theresa Majerowitsch

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