Künstlerin Mae-Ling Lokko schafft Küchen aus Küchenabfällen. (Bild: rbb)
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- Küchenmöbel aus Küchenabfällen

Im Rahmen des Festivals "Housing the Human" zeigt die US-Künstlerin und Architektin Mae-Ling Lokko, wie man aus Küchenabfällen mit Hilfe von Pilzkulturen Bauteile für Küchenmöbel herstellt. Jeder soll das auch zu Hause machen können. 

Mae-Ling Lokko ist erst vorgestern aus New York gekommen und es gibt noch einiges vorzubereiten. An diesem Morgen ist sie im Restaurant Katerschmaus verabredet. Hier haben die Mitarbeiter Küchenabfälle für sie gesammelt, die Mae zur Herstellung ihrer Produkte braucht. Aber noch ist Zeit für eine kurze Pause mit Spreeblick. Und einen Plausch mit dem Souschef Robin.

Robin, Souschef im "Katerschmaus"
"Wie kommst du auf sowas?"

Mae-Ling Lokko, Künstlerin
"Ich mache Baumaterial aus Landwirtschaftsabfällen. Mittlerweile auch aus Essensabfällen, da es in den Städten so viel davon gibt."

Robin, Souschef im "Katerschmaus"
"Bist du zum ersten Mal in Berlin?"

Mae-Ling Lokko, Künstlerin
"Das Dritte Mal. Aber ich habe noch nicht wirklich viel gesehen, weil ich nur am Arbeiten bin."

Mae wird im Radialsystem zeigen, wie man in den eigenen vier Wänden Haushaltsobjekte aus organischen Abfällen herstellen kann.

Mae-Ling Lokko, Künstlerin
"Viel zu oft sehen die Menschen Abfall-Entsorgung als Bestrafung an, als etwas, das man nicht tun will, aber tun muss. Ich will erreichen, dass die Leute diesem Thema positiver begegnen."

Robin, Souschef im "Katerschmaus"
"Hier habe ich was für dich."

Mae-Ling Lokko, Künstlerin
"Ah, Perfekt, ok
. Ahh, und die Zwiebeln. Großartig. Also Zwiebel- und Zitronenschalen. Perfekt."

Mae Lings Wurzeln liegen in Ghana und den Philippinen. In den USA forscht die Architekturtechnologin an nachhaltigen Baumaterialien und Herstellungsmethoden, die möglichst wenig Energie verbrauchen.

Einige ihrer Schüsseln, Stühle und Regalelemente hat sie aus den Staaten mitgebracht. Sie entstehen mit Hilfe von Myzel – den fadenförmigen Zellen von Pilzen.

Mae-Ling Lokko, Künstlerin"
"Das hier wurde in einer Plastikbox aufgezogen. Jetzt ist es eine Seifenschale."

Die Pilzkulturen vermengt Mae mit geschreddertem Hanf. Jetzt brauchen die Zellen die Zitronenschalen, um wachsen zu können. Für die Verarbeitung reichen einfache Küchengeräte, ein elektrischer Mixer und ein Dampfgargerät.

Mae-Ling Lokko, Künstlerin
"Ein Einpersonenhaushalt wird nicht genügend Abfall produzieren, um Sachen damit produzieren zu können. Aber es gibt so viele Möglichkeiten, um an andere Abfall-Quellen zu gelangen. In Berlin zum Beispiel machen viele Urban-Farming, wie in den Prinzessinnengärten. Dort kommt ziemlich viel Abfall zusammen."

Bis das Material fertig ist, dauert es fünf Tage. So lange brauchen die Pilzkulturen, um vollständig zu wachsen. Der gesamte Prozess ist aufwendiger, Mae kann heute nur einen Teil davon zeigen.

Mae-Ling Lokko, Künstlerin
"Wir produzieren auf der Welt 350 Milliarden Tonnen Landwirtschaftsabfälle im Jahr. Und diese Zahl steigt kontinuierlich. Wenn wir Nahrung anbauen, landet davon meistens nur ein Drittel auf unseren Tellern. Und die anderen zwei Drittel, was passiert damit? Wie kann es sein, dass wir eine
erneuerbare Ressource in einem solchen Ausmaß verschwenden?"

Mae-Ling hofft, dass sie die Menschen überzeugen kann, ihre Abfälle als wertvoll zu betrachten und sie zu nutzen. Wenn ihr das gelingt, sagt sie, ist sie glücklich.  

Autorin: Lilli Klinger

Die Interviews wurden auf Englisch geführt.

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