Kulturschaffender Jochen Sandig im Radialsystem (Bild: rbb)
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- Radialsystemgründer Jochen Sandig

Jochen Sandig entwickelte nach der Wende das Tacheles, die Sophiensäle und später das Radialsystem. Er erinnert sich an den Aufbruch in der Berliner Kulturszene und an die Hürden, die das Radialsystem überwinden musste.

Jochen Sandig, Gründer "Radialsystem“
"Als ich zum ersten Mal vom Radialsystem gehört habe, hatte ich die Begehung mit dem Architekten. Die Lage hier an der Spree war für mich der Impuls zu sagen: Ja, ich habe Lust, diesen Ort als neuen Kulturraum für Berlin zu eröffnen."

Das war vor fast 15 Jahren. Zusammen mit dem Musikwissenschaftler Folkert Uhde gründet Jochen Sandig hier einen Ort für experimentelles Tanz- und Musiktheater.

Jochen Sandig, Gründer "Radialsystem“
"Das Radialsystem war ein vergessener Ort, als altes Pumpwerk. Als wir damals anfingen, haben viele gesagt, dass wir ein großes Wagnis eingehen. Der 9. September 2006 war das Eröffnungswochenende! Ich glaube, wir hatten 5.000 Besucher, was aus unserer Sicht gewaltig war. Wir wurden quasi überrumpelt vom Erfolg. Die größte Herausforderung war, das Niveau zu halten."

Das hat er geschafft. Er zeigt aufsehenerregende Produktionen. Auch die berühmte Kompanie der Tänzerin Sascha Waltz findet hier ihr zu Hause. Schon in den wilden 90ern mischt Jochen Sandig bei der Eröffnung des legendären Tacheles mit.

Jochen Sandig, Gründer "Radialsystem“
"Es fing an als ich nach Berlin kam. Die Mauer ist gefallen. Ich war vom ersten Tag an in diesem verrückten Projekt „Tacheles“ dabei, ein Ort in der Oranienburger Straße. Mein Traum war immer in künstlerischen Projekten involviert zu sein. Ich komme eher von der Musik und dachte ich studiere an der FU und mache Musik. Dann habe ich Sascha Waltz kennengelernt und wir haben die Kompanie gegründet."

Kurz darauf wird er dann Manager von Sascha Waltz, die er später auch heiratet. Mit ihr gemeinsam eröffnet Jochen Sandig als nächstes die Sophiensäle.

Jochen Sandig, Gründer "Radialsystem“
"Ich liebe Orte, die eine Geschichte haben. Das ist schon ein Raumpioniergefühl, der Erste zu sein,  der etwas Neues startet."

Auch im Radialsystem sucht der kreative Kulturmanager nach neuen Herausforderungen. Und wird zum Regisseur.

Jochen Sandig, Gründer "Radialsystem“
"Ich habe 2012 zum ersten Mal selbst inszeniert und mit dem Rundfunkchor Berlin und einigen Mitarbeiterinnen das Brahms Requiem szenisch umgesetzt. Das ist für mich meine Hommage an den Ort."

Heute freut sich Jochen Sandig auf seine nächste Aufgabe in seiner schwäbischen Heimat. Er leitet die Schlossfestspiele in Ludwigsburg. Für das Radialsystem ist jetzt Matthias Mohr verantwortlich.  

Matthias Mohr, künstlerischer Leiter
"Für das Radialsystem interessieren mich vor allem Formen, wo man gar nicht mehr sagen kann: Das ist Choreographie, das ist Musiktheater, das ist Bildende Kunst oder Installation, sondern eigentlich genau diese Zwischenbereiche."

Letztes Jahr erwarb das Land Berlin das Gebäude als Kulturstandort. Und es gab eine Struktur-Förderung des Senats. Jochen Sandig hat das Radialsystem in sichere Hände übergeben.

Jochen Sandig, Gründer "Radialsystem“
"Als Mitgründer Möchte ich in der Stiftung, die wir gegründet haben, weiter eine wichtige Rolle spielen und werde ich dem Haus immer verbunden sein."

Autorin: Margarete Kreuzer

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