Filmausschnitt: Corinna Harfouch in "Lara"
Lara
Bild: Lara

- Film "Lara"

Mit „Oh Boy“ wurde er als vielversprechender Nachwuchsregisseur berühmt. Nach sieben Jahren Pause meldet sich Regisseur Jan-Ole Gerster mit einem neuen Film zurück, der schon jetzt von der Kritik gefeiert wird. Nicht zuletzt, weil die Hauptfigur "Lara" von Corinna Harfouch meisterhaft gespielt wird.

Jan-Ole Gerster mag es nicht besonders, von der Kamera beobachtet zu werden, also schnell ein Gegenschuss, ein Foto von uns… Er liebt es hinter der Kamera zu sein. Schon als Teenager wollte er Regisseur werden, sein Lebenstraum! Für seinen charmanten Debütfilm OH BOY wurde er gefeiert. Jetzt also, sieben Jahre danach, sein zweiter Film.

LARA. Ein Film über eine pensionierte Beamtin, die ihren Lebenstraum, Pianistin zu werden, nicht gelebt hat. 

Jan-Ole Gerster, Regisseur

"Dass sie das nicht ausgelebt hat, was sie so sehr liebt, hat mit Zweifeln zu tun, mit Ängsten und Ansprüchen, die vielleicht auch nicht immer erfüllbar sind. Und hat ihren Traum auf ihr Kind übertragen und ihr Sohn muss alles erreichen, was sie nicht erreicht hat. Und das ist der Nährboden für das schwierige Mutter-Sohn-Verhältnis."

Corinna Harfouch spielt diese gescheiterte Frau grandios: so wie Lara diesen Klavierschüler trietzt - unerbittlich und gemein – so hat sie früher auch ihren Sohn behandelt.

Jan-Ole Gerster, Regisseur

"Es gibt diesen alten Wertebegriff, nach dem Lara sicherlich auch lebt, dass wenn es nicht wehtut, dann kann´s auch nicht gut sein und man muss sich quälen und immer wieder herausfordern und überwinden und besser werden, sonst bleibt man im Mittelmaß oder versinkt im Mittelmaß."

Laras Sohn Viktor ist trotz allem Pianist geworden. Just an ihrem 60. Geburtstag hat er sein wichtigstes Konzert. Lara kauft sämtliche Restkarten auf – es soll ausverkauft sein. Sie will immer nur das Beste für ihren Sohn – doch der hat den Kontakt längst abgebrochen.

Niemand genügt ihren Ansprüchen, schon gar nicht Viktor. Dennoch sucht er immer wieder ihre Anerkennung, auch als Komponist. 

Es tut schon fast weh, Tom Schilling als Viktor zuzusehen. Er und Regisseur Jan-Ole Gerster sind Freunde. Ein Erfolgsduo: "Oh Boy" ist ihr Film. Kult in Schwarzweiß. Tom Schilling hat alles zum Funkeln gebracht. Trotz seiner schauspielerischen Erfolge kennt auch er Versagensängste, wie sie Viktor belasten.

Tom Schilling, Schauspieler

"Man muss durch diese Gefühle durch, wo man denkt: Das ist total schrecklich, was ich mache – ich habe es nicht und ich kriege es auch nicht. Man befreit sich irgendwann davon, und dann surft man auf der Welle."

Es ist eine kleine Rolle, aber seine persönlichste, meint Tom Schilling. Er hat sogar Klavierunterricht genommen, monatelang die Revolutions-Étude von Chopin geübt. Ein legendäres Stück, das selbst Profis herausfordert.

Tom Schilling, Schauspieler

"Für Viktor hat das Stück eine wahnsinnige Wut und vielleicht sogar einen Widerstand, weil die Mutter immer gesagt hat: Chopin ist das Größte. Wenn er Gitarre spielen würde, würde der daraus Death Metal oder Punk machen und sagen: Fuck you! Ok ich spiel dir deinen Chopin!!"

Jan-Ole Gerster, Regisseur

"Es gibt eine Sache, die vielleicht noch grausamer ist, als Scheitern und das ist, wenn man sich in der hinteren Hälfte seines Lebens fragen muss, warum man es nicht probiert hat."

Lara ist kein leichter Film, wie „Oh Boy“. Wie auch? Es ist ein Film übers Zweifeln und den Mut zum Scheitern.

Autorin: Petra Dorrmann

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