Helga Paris fotografiert seit Jahren den Prenzlauer Berg (Bild: rbb)
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- Der Prenzlauer Berg seit 1968

Die Akademie der Künste zeigt am Pariser Platz Fotos von Helga Paris aus den Jahren zwischen 1968 und 2011. Sie wohnt noch immer in der Winsstraße. Das Leben im Bezirk hat sie über Jahrzehnte in liebevoll beobachtenden Schwarzweiß-Fotografien festgehalten.

Seit mehr als 50 Jahren lebt die Fotografin Helga Paris in der Winsstraße in Berlin im Prenzlauer Berg. Fast genauso lange dokumentiert sie ihre Nachbarschaft und die Bewohner schon in Schwarz-Weiß.

Helga Paris, Fotografin
"Früher haben die Mütter über den Hinterhof geschrien: Jacqueline, komm oben! Und heute erklären Männer ihren - so großen, dreijährigen Kindern: Hatten wir nicht ausgemacht, dass du das bitte unterlässt?"

Wie sich der Prenzlauer Berg verändert, beobachtet die 81-Jährige mit wachem Blick.

Helga Paris, Fotografin
"Das ist ein Nachbarschaftsladen, wo Schach gespielt wird und Kinder spielen. Hier hängen die beiden Plakate, die ich gestern von der Akademie gekriegt habe."

Dass in der Akademie der Künste bald ihre Fotos ausgestellt werden, hat sich hier schon rumgesprochen.

Wir machen uns mit Helga Paris auf den Weg zur Akademie am Brandenburger Tor. Dort wird bald ihr Lebenswerk gezeigt.

Ramona ist Helga Paris 1982 in der Kollwitzstraße begegnet. Die Fotografin bat das spielende Mädchen um ein Bild. So ist ein Porträt voller Ruhe und Anmut entstanden. In ihrem Archiv hat Helga Paris hunderttausende solcher Fotos gesammelt. Diesen Bilderschatz schenkt sie jetzt der Akademie der Künste. Im ersten Saal schaut Helga Paris den Besuchern aus zwölf Selbstporträts entgegen.

Helga Paris, Fotografin
"Man sieht mir immer an, ob es mir gut geht oder nicht. Und ich muss mich anstrengen, wenn ich das überspielen will - draußen. Aber wenn ich alleine war, dann… Es war ja auch nicht einfach, das Leben."

In den 80ern fotografiert sich die alleinerziehende Mutter im Spiegel: schonungslos ehrlich, so wie sie sich gerade fühlt.

Helga Paris, Fotografin
"Da ging’s mir außerordentlich gut. Das war in der Nacht vor meinem ersten Flug nach New York. Da war ich 50 und überglücklich."

Helga Paris hat eigentlich Modegestaltung studiert - Fotografieren hat sie sich selbst beigebracht. Welches Talent sie hat, zeigen Fotos ihrer Kinder aus den 60er Jahren.

Fotografin Helga Paris (Bild: rbb)
Fotografin Helga Paris in ihrer Ausstellung | Bild: rbb

Helga Paris, Fotografin
"Ein Filmregisseur, Peter Voigt, der sah das Foto bei mir und hat gesagt: Dit Foto, dit Bild is jut - mach mal Fotografie. Dann hab ich gesagt: Naja, dann mach ich jetzt Fotografie."

Ein Glücksfall. Denn Helga Paris dokumentiert den Alltag in der DDR so wie niemand sonst. Sie fängt die Stimmung in Eckkneipen ein, porträtiert Näherinnen voller Stolz. Offen und mit Vertrauen schauen die Menschen in ihre Kamera: Schriftstellerin Christa Wolf genauso wie der spätere Berghain-Türsteher Sven Marquardt.

Helga Paris, Fotografin
"Als ich zum ersten Mal die Punker sah – da hab ich mich gefürchtet. Dann hatten meine Tochter und mein Sohn auch schnell rote und grüne Haare und sie kamen auch zu uns nach Hause. Da habe ich gemerkt, was für Seelchen das sind!"

Helga Paris erkennt das Zarte im vermeintlich Harten. Ihr Blick ist liebevoll.

Helga Paris, Fotografin
"Das hier ist 'Mein Alex'. Und zwar habe ich hier Blicke gesucht, die man nur identifizieren kann, wenn man den Alex wirklich gut kennt."

Mit dieser Hommage an Berlin beendet Helga Paris vor acht Jahren ihr Lebenswerk.

Helga Paris, Fotografin
"Irgendwann hatte ich nicht die Erregung mehr, diesen Wunsch: Ich möchte das machen. Und jetzt ist es ruhig in mir und gesättigt."

Autorin: Anne Kohlick

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