Bilder des Malers Norbert Bisky in seinem Atelier (Bild: rbb)
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- Die Bisky-Brüder

Journalist und Buchautor Jens Bisky schreibt über deutsche Geschichte, sein jüngerer Bruder, der Maler Norbert Bisky, setzt sich in seinen Bildern mit dem vereinigten Deutschland auseinander.

Zwei Brüder - Norbert und Jens Bisky. Der eine Maler, der andere Journalist und Schriftsteller. Geboren in der DDR. Der eine lebt 19 Jahre in diesem Land. Der andere 24.

Dann fällt die Mauer.

Norbert Bisky, Maler
"Alles was mir wichtig ist, was mir etwas bedeutet und was meine eigenen Entscheidungen im Leben betrifft, die sind alle danach gefallen."

Jens Bisky, Autor
"Ich würde sagen, ich bin ein 89er, was nur heißt, das hat mein Leben geprägt."

Berlin-Friedrichshain. Wir treffen die beiden Brüder im Atelier von Norbert Bisky, der gerade zwei Ausstellungen in Potsdam und Berlin vorbereitet.

Norbert Bisky, Maler
"Im Moment gibt es ein neues Interesse an der Frage, wie ticken eigentlich diese Ostdeutschen. Was sind das für komische Leute, was wählen die, was fühlen die und was wollen die? Und dann war mir klar, Alter, du bist jetzt bald 50, noch bist du klar im Kopf. Vielleicht solltest du noch mal deine Version der Geschichte erzählen."

Heldenposen und grelle Utopien einer totalitären Vergangenheit. Es ist die Welt, in der aufgewachsen ist. Grelle Bilder, die provozieren und irritieren.

Norbert Bisky, Maler
"Die Ikonen meiner Kindheit, mit denen ich auch groß geworden bin. Das waren immer die Vorbilder, die hießen Gabi oder so. Das waren die Mädchen, die alles richtig gut konnten, die konnten auch viel besser zeichnen als ich, die konnten toll Pferde zeichnen, waren die besten in der Schule, die Pionierbluse war immer sauber. Die dann mit Farbdreck zu bewerfen, macht ungeheuer Spaß und hilft mir ehrlich gesagt auch, so manchen Albtraum los zu werden."

Das hat er auch gemalt: das Cover für ein Buch seines Bruders: Eine grandiose Berlin-Biografie vom dreißigjährigen Krieg bis in die Gegenwart.

Jens Bisky, Autor
"In den letzten 30 Jahren interessiert mich zuerst die Erfahrungen der Revolution von 1989.  Dann finde ich genauso wichtig, dass in den neunziger Jahren sich diese Kultur der Klubs, der Zwischennutzung, des exzessiven, von Techno-Klängen begleiteten Nachtleben entwickelt hat. Und als das zu Ende ging, gab es die große Love Parade, da traf beides aufeinander, ein neues Lebensgefühl sich artikuliert hat. Man konnte Masse sein, ohne gefährlich zu sein. Das ist ja in der deutschen Geschichte auch eine neue Erfahrung."

Die Fortsetzung der friedlichen Revolution ist eine neue Jugend, schillernd und schrill. Anders und aufregend Sein genügt als politische Botschaft.

Doch nun erlebt die Berliner Republik die Spätfolgen der Wiedervereinigung: die Wiedergeburt des Ostdeutschen als Wutbürger, der sich abgehängt fühlt. Eine seiner beiden Ausstellungen gab Norbert Bisky den Titel "Rant".

Jens Bisky, Autor
"Dieses Ranting ist ja etwas, was viel mit unserer Gegenwart zu tun hat, nämlich dass jemand im Internet unglaublich ab schimpft. Am besten anonym und über die Anderen, die Verhältnisse, das Land, alles, was ihm nicht passt einfach schimpft."

Norbert Bisky, Maler
"Wenn man sich anschaut, was es in anderen Ländern an Krisen gegeben hat., dann ist Deutschland eine Insel der Stabilität. Und auf der anderen Seite und das beschäftigt, beunruhigt mich, ist trotz dieser Stabilität die Betriebstemperatur ungeheuer gestiegen."

"Und da bin ich relativ ratlos, dann versuche ich Geschichten zu erzählen, die ein bisschen die Perspektive verschieben."

"1989 begann eine neue Epoche" schreibt Jens Bisky.  Die Stadt wurd zur  "Werkstatt der Einheit".  Hier musste jeder sein Leben verändern. Seine Berlin-Biografie  ist auch die Geschichte einer andauernden Überforderung. Eine Stadt und Stadtgesellschaft als Modell für das Abenteuer Gegenwart.

Autor: Lutz Pehnert

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