Pfarrer Bernd Albani in der Gethsemanekirche (Bild: rbb)
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- Pfarrer Bernd Albani und Liedermacher Stephan Krawczyk

Viele Kirchen in Ost-Berlin wurden zum Schutzraum der DDR-Opposition. Liedermacher Stephan Krawczyk und Pfarrer Bernd Albani haben eine besondere Verbindung zur Gehtsemankirche und treffen sich hier wieder.

Die Kirche ist ein Zentrum des Protests gegen die DDR, als Pfarrer Bernd Albani im Oktober 1989 hier seinen Dienst antritt.

Bernd Albani, Pfarrer
"Es war ein Jahr, in dem klar war, dass irgendetwas passieren wird und muss in diesem Land. Diese Protestwelle hatte die Staatsmacht nicht so richtig vorausgesehen."

In der Gethsemanekirche treffen sich die Oppositionellen, organisieren Mahnwachen für politisch Inhaftierte. Die Unzufriedenheit wächst im Land und mit ihr die Zahl derer, die hierher kommen. Bernd Albani fürchtet damals, dass die die Situation außer Kontrolle gerät.

Die staatliche Gewalt nimmt zu: am 40. Jahrestag der DDR gehen Tausende auf die Straße und demonstrieren gegen die DDR-Führung. Vor der Gethsemanekirche prügelt die Polizei die Menge zusammen.

Am nächsten Tag brennen vor der Kirche Kerzen für Dutzende Verletzte und Inhaftierte.

Bernd Albani, Pfarrer
"Wir wurden dann n paar mal zur Abteilung Inneres vom Stadtbezirk bestellt und ermahnt solche Veranstaltungen nicht stattfingen zu lassen. Wir haben uns dass immer freundlich angehört aber auch gesagt, dass wir uns keine Vorschriften machen lassen."

In den Schutz der Kirche kommt jahrelang auch der Liedermacher Stephan Krawczyk. Er hat Auftrittsverbot und steht mit seiner Frau Freya Klier unter ständiger Beobachtung.

Stephan Krawczyk, Liedermacher
"Wir hatten insgesamt 82 Spitzel, die auf uns angesetzt waren. Bei Freya gegenüber, im Hinterhaus, hatten die sich extra eine Wohnung angemietet, um uns rund um die Uhr zu überwachen."

Mit seinen Liedern kritisiert er das System. Spielen kann er nur noch in Kirchen.

Stephan Krawczyk, Liedermacher
"Ich bin durch Offenheit in den Widerstand geraten. Ist schon ein schönes Gefühl, wenn man sich Dinge zu singen traut, die sich andere noch nicht mal zu sagen trauten und wenn Menschen zu einen Kommen, weil man gesellschaftliche Probleme gesprochen wird, da wusste ich das ich auf richtigen Weg bin."

Im Januar 1988 wird er verhaftet und aus dem Land gejagt.

Stephan Krawczyk, Liedermacher
"Früh um acht da kam ich von dort von Freya von der Wohnung hier. Da standen sie hier, zwei riesige Kerle und haben mich gefragt, ob ich Stephan Krawczyk sei. Na was sagst du denn da? Hab ich zugegeben und dann haben sie gesagt, dass ich verhaftet sei."

In der Gethsemanekirche wird damals auch gegen seine Inhaftierung protestiert.

Für Stephan Krawczyk und Bernd Albani ist es wichtig, an den Aufbruch in der DDR zu erinnern - gerade heute.

Bernd Albani, Pfarrer
"Nicht auf Ideologien abzufahren, was für uns wichtig war. das war ja zu DDR Zeiten, das wir sagen, wir lassen uns durch diese Ideologie nicht gefangen nehmen. Und das gleiche gilt heute."

Stephan Krawczyk, Liedermacher
"Ich finde schon, man sollte auch nach 30 Jahren  zu dieser Klarheit wieder durchringen. Wir haben ne Diktatur überwunden, wir sind jetzt in ner Demokratie. Die Kraft die wir zur Überweindung der Diktatur aufbringen aufbringen konnten, die sollten wir zur Belebung der Demokratie aufbringen."

Autorin: Theresa Majerowitsch

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