Alexander Scheer und Andreas Dresen bei Dreharbeiten zum Film "Gundermann" (Quelle: Peter Hartwig/Pandora Film)
Peter Hartwig/Pandora Film
Bild: Peter Hartwig/Pandora Film

- Die Mauer im Kino

Für Filmemacher bieten DDR, Mauerfall und Wende, Geschichten ohne Ende - Wie wurde die DDR und der Mauerfall im Kino der letzten 30 Jahre dargestellt?

"Ballon" erzählt von der spektakulären Flucht zweier befreundeter Familien mit einem Heißluftballon. Zum Mauerfalljubiläum bringt Regisseur Michael Bully Herbig seinen DDR-Film wieder in die Kinos. Für die Geschichte hat der bayerische Filmemacher lange mit den echten Ballon-Flüchtlingen gesprochen.

Michael Bully Herbig, Filmemacher
"Der Peter Strelzic der hat einen Satz gesagt, der ist mir nie aus dem Kopf gegangen: Wir sind nicht in den Westen gegangen, weil es da die bessere Margerine gab, der wollte schlichtweg sagen was er denkt. Der wollte sich hinstellen dürfen und wollte da hin gehen wo er hingehen will, der wollte das sagen, was er sagen will. Und das war ihm so viel wert, dass er diese Flucht auf sich genommen hat."

Ballon spielt vor der Wende. Den Mauerfall und all das was folgte bekommt Michael Bully Herbig nur aus der Ferne mit. Er ist 1989 beim Wehrdienst in einer Kaserne in München.

Michael Bully Herbig, Filmemacher
"Plötzlich kam dann die Nachricht da strömen die Leute von Ost-Berlin nach West-Berlin und keiner weiß, was jetzt passiert. Fahren da jetzt die Panzer auf. Und unsere Reaktion in München in der Kaserne war: jetzt erstmal die Kaserne mit Sandsäcken schützen."

Von dem Moment, über den Michael Bully Herbig damals in den Nachrichten hört, erzählt der Film Bornholmer Straße.

Charly Hübner spielt Oberstleutnant Harald Schäfer, der sich in der Nacht vor 30 Jahren dazu entscheidet, seine Grenze zu öffnen. Die Brücke an der Bornholmer Straße wird zum ersten Ort an dem DDR-Bürger die Grenze überqueren können.

Der Historiker Hanno Hochmuth hat sich viel mit DDR-Geschichte im Film beschäftigt. Er selbst ist in Prenzlauer Berg aufgewachsen, war 12 Jahre alt als die Mauer fiel.

Wendefilme, sagt er, sind immer geprägt von ihre Enstehungszeit.

Hanno Hochmuth, Zentrum für zeithistorische Forschung
"Populäre Filme, große Spielfilme sind ja eigentlich nie ein Zeugnis für die Zeit, die dann dargestellt ist, sondern sie sind ein Dokument der Produktionszeit."

2003 erscheint mit "Good Bye, Lenin" der wohl berühmteste Film über die Zeit nach der DDR – fast 6 Millionen Zuschauer sehen ihn im Kino.

Daniel Brühl spielt Alex. Weil seine SED-treue Mutter den Mauerfall im Koma verpasst hat, lässt er die DDR auf ein paar Quadratmetern wieder auferstehen.

Hanno Hochmuth, Zentrum für zeithistorische Forschung
"Good Bye, Lenin ist meines Erachtens sowohl ein Produkt der Ostalgie-Welle, als auch ein sehr sehr kluger Kommentar darüber."

Der Zeitgeist der Ostalgie fokusierte sich in dieser Zeit auf die positiven Erinnerungen an die DDR. Dem Film gelingt es mit vielen kleinen Details, sowohl die Mutter, als auch die Zuschauer in die DDR-Vergangenheit mitzunehmen.

Hanno Hochmuth, Zentrum für zeithistorische Forschung
"Die Filmindustrie hat erkannt, wenn wir solche DDR Thematiken bringen und die anders darstellen – nicht so düster, melodramatisch, Stasi-zentriert, sondern stärker auf Popkultur, auf Musik, auf ulkige Klamotten, dann können wir damit Zuschauer in die Kinos locken."

Andreas Dresens Biopic über den DDR-Musiker Gerhard Gundermann ist einer der jüngsten und wohl differenziertesten Wendefilme.

Nach dem Mauerfall stellt Gundermann fest, dass er im Bespitzelungssystem der DDR sowohl Täter, als auch Opfer war.

+++ Ich wusste gar nicht, dass man zwei Akten haben kann. Brummt.

Hanno Hochmuth, Zentrum für zeithistorische Forschung
"In vielen Filmen über die DDR kam es zu reinen schwarz-weiß Malereien, hier die Opfer, da die Täter, aber so einfach ist es im Leben nicht und ich finde, ein Film wie Gundermann zeigt, dass es da viele Nuancen gegeben hat."

Für Filmemacher bieten DDR, Mauerfall und Wende, Geschichten ohne Ende - und das sicher auch noch für die kommenden 30 Jahre.

Autorin: Anna Tschöpe

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