Dokumentarfilmer Uli Schueppel (Bild: rbb)
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- Fillmemacher Uli M Schueppel

Uli M Schueppel machte in den späten 80er Jahren experimentelle Radioprogramme beim alternativen West-Berliner Radiokollektiv "Radio 100". Am 24. Oktober 1989 vermeldete er zum Spaß, dass die Mauer gefallen sei.

Uli M Schueppel nimmt uns mit auf eine Zeitreise, in die Brotfabrik im Prenzlauer Berg. Den Mauerfall hat er in West-Berlin erlebt. Damals arbeitet der Filmemacher nebenher beim alternativen "Radio 100".

Immer Dienstagnachts sendet Uli Schueppel aus dem Studio in der Potsdamer Straße. Am 17. Oktober 1989 unterbricht er das Programm mit einer Eilmeldung über das schwere Erdbeben in San Francisco. Seine Hörer halten das für einen schlechten Scherz, viele rufen an. Also erfindet er in der Woche darauf etwas, was er für wirklich unglaublich hält.  

In der Sendung klang das so: "Wir müssen hier kurz mal unterbrechen im Nebenraum laufen die Ticker rund. Ich muss euch unbedingt die brandheißeste DPA Meldung durchgeben: Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen in Ost-Berlin verlautet wurde, hat die SED-Führung in geheimer Sitzung die völlige Öffnung der innerdeutschen Grenze in beide Richtungen beschlossen."

Uli M Schueppel, Filmemacher
"Die Stimme ist zitteriger als jetzt hier, die ist wackelig. Das war schon ein riskantes Ding, weil wir nicht wussten, wie die Zuhörer reagieren. Das war kein Jungensstreich, sondern wir hatten das als fiktionale Show vorgeplant, aber trotzdem dadurch, dass das diesen Lifecharakter hatte und eben auch sofort die Telefone heiß liefen und Menschen anriefen."

Und sie riefen an:
"Ich wollte nur wissen, ob das eine Ente war oder eine echte Meldung?"
"Ich finde es ja mal echt scharf, ob ihr meint, ob mehr rüberkommen oder mehr rübergehen?"
"Was würdest du machen, dableiben oder rübergehen?"
"Ja, ich überlege mir, ob ich drüben eine Kneipe aufmache."

Uli M Schueppel, Filmemacher
"Wie jemand sofort auf die Idee, ach ja, nur wir wissen im Westen, was gute Kneipenkultur ist."

"Also jetzt im Nachhinein, wenn man sie hört, denkt man, das war ja sehr visionär in einer gewissen Weise, aber das war ja natürlich so letztlich nicht geplant."

In der Nacht des echten Mauerfalls kommt Uli Schueppel todmüde um vier Uhr morgens aus dem Schnitt. Als ihm die vielen Trabbis entgegen kommen, kann er das erstmal überhaupt nicht fassen. Die Öffnung der Mauer ist für ihn unvorstellbar. Danach geht alles ganz schnell. Kurz vor Weihnachten begleitet er die ‚Einstürzenden Neubauten‘, mit denen er befreundet, ist zu ihrem ersten Konzert in Ostberlin. Eine lange Reise von Kreuzberg zum VEB Elektrokohle in Lichtenberg. Die Band hat viele Fans in Ost Berlin. Zwei Welten, die sich zum ersten Mal begegnen.

Der berühmte Dramatiker Heiner Müller hat die Neubauten eingeladen.  

Es bleibt eine unsichere Annäherung.

Uli M Schueppel, Filmemacher
"Obwohl wir die gleiche Sprache sprachen gab es da noch nicht so ein sich Verstehen, könnte man ja eigentlich sagen bis heute, eigentlich sagen."

Seine Mauerfall-Schnapsidee hat Uli Schueppel damals schnell vergessen. Erst Heute, sagt er, begreift er, wie visionär sie tatsächlich war.

 

Autorin: Bettina Lehnert

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