Filmausschnitt "Bitte nach Mitte" (Bild: Moving Angel Filmproduction)
Moving Angel Filmproduction
Bild: Moving Angel Filmproduction

- Film "Bitte nach Mitte"

Der Film "Bitte nach Mitte" ist eine Liebeserklärung von Anne Osterloh an ihre ehemalige Schauspielschule Ernst Busch. Sie zeigt, dass hier nicht nur gute Schauspieler, sondern auch Menschen mit Haltung ausgebildet werden.

Die alten Gebäude der Schauspielschule Ernst Busch sind heute ein maroder Bau, früher waren sie ein Ort der kreativen Freiheit in der DDR.

Thomas Ostermeier
"Die Idee war, dass die Schauspielstudenten mit der Realität der Arbeiterklasse jeden Morgen in Schöneweide aufstehen und arbeiten."

Nina Hoss
"Na, wenn ich zurück denke, bevor ich an die Schule kam, war sie für mich ein absoluter Sehnsuchtsort."

Lars Eidinger
"Ich hatte totale Angst vor der Schauspielschule, weil ich dachte das hat was mit Esoterik zu tun, aber das Gegenteil ist an der Ernst Busch der Fall."

Vor einem Jahr zog die Schule nach Berlin-Mitte. Anne Osterloh hat selbst an der Ernst Busch studiert und kurz vor der Wende ihren Abschluss gemacht. Für ihren Film "Bitte nach Mitte" trifft sie Absolventen der Ernst Busch, die erzählen, wie sich ihre Schule seit DDR-Zeiten verändert hat.

Anne Osterloh
"Vor Leander Haußmann, das weiß ich noch, hatte ich ein bisschen Respekt, weil ich nicht wusste, wie er sein würde. Im Sinne von, macht der überhaupt mit, hat der Lust oder so?"

Er hat Lust und erinnert sich lebhaft an seine wilden Jahre als Student.

Leander Haußmann
"Wir rannten irgendwie zehn Runden umeinander rum, auf dieser leeren Bühne. Dann sagte ich irgendwann, weil mir wirklich auch nichts mehr einfiel: 'Ach Uwe, das ist doch scheiße alles', mitten im Intendantenvorsprechen, wo Leute entscheiden sollen, ob sie uns nehmen. Die Pointe dieser Sache ist, sie haben uns dann auch nicht genommen."

Mitte der 90er Jahre kämpft die Schule um ihre Zukunft. Die Ernst Busch soll mit der Schauspielschule der UdK zusammengelegt werden. Der Jahrgang mit den Absolventen Nina Hoss, Lars Eidinger und Mark Waschke wehrt sich.

Nina Hoss
"Als wir im ersten Jahr waren und die Schule ums Überleben kämpfte, war das gleich so ein Moment. Wie kann man dem mit Kunst begegnen? Wie können wir auf uns aufmerksam machen? Indem man eben 24 Stunden lang Theater macht und dazu die Ehemaligen einlädt. All das, das waren Erlebnisse, die vergisst du nicht."

Sie können ihre Schule erhalten und so auch die einzigartige und umfassende Ausbildung. Doch 2012 gehen die Studierenden wieder auf die Straße. Diesmal geht es um Geld. Ein Neubau wird dringend gebraucht. Die jungen Schauspieler besetzen das Baugrundstück in Berlin-Mitte und machen hier ihren Unterricht.

Anne Osterloh
"Mich bewegt das jedes Mal, wenn ich das sehe. Das macht was mit mir. Da kriege ich jedes Mal Gänsehaut, weil da so eine junge, dynamische Energie ist, von Menschen, die für was einstehen, was sie selber gar nicht mehr betrifft. Sie haben gekämpft für etwas, das ihnen selber gar nicht mehr zu Gute kommt, sondern den nachfolgenden Studierenden."

Die Bitte wird gehört: Im Mai 2012 genehmigt der Berliner Senat drei Millionen für ein neues Haus. Dort studieren erstmals alle Abteilungen von Regie bis Schauspiel zusammen.

Devid Striesow
"Wenn ich diese Räume haben kann, diese Atmosphäre, dann ist es für mich das non plus ultra."

Der Film "Bitte nach Mitte" ist eine Liebeserklärung von Anne Osterloh an ihre Schule. Sie will zeigen, dass hier nicht nur gute Schauspieler ausgebildet werden, sondern auch Menschen mit Haltung.

Anne Osterloh
"Die Quintessenz vom Film ist dieser Kampf, weil alle Generationen, die aus dieser Schule rauskommen irgendwie widerspenstige Menschen sind. Sie sind Kämpfende, sie sind interessierte politische, stark an der Gesellschaft teilnehmende Menschen."

Lars Eidinger
"Wisst ihr eigentlich, ich bin der beste Faller."

Anne Osterloh
"Oh, ja, das wollen wir mal sehen."

Autorin: Vera Drude

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