Eine Krokodil-Statue steht als Leihgabe des Vatikans im Deutschen Historischen Museum in einer Humboldt-Ausstellung (Bild: rbb)
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- Zwei Humboldts, zwei Meinungen

Die Humboldt-Brüder waren nicht immer einer Meinung. Während Alexander Napoleon half, Kunst aus Berlin zu entwenden, versuchte Wilhelm verlorene Kulturgüter wieder zu beschaffen. Bénédicte Savoy ist Raubkunst-Expertin und kuratiert diese Ausstellung.

David Blankenstein, Kurator
"Das ist Alexander von Humboldt und das Wilhelm und oft werden sie allerdings auch verwechselt."

Die beiden Ausstellungsmacher David Blankenstein und Bénédicte Savoy nähern sich den beiden berühmten Brüdern. Letzte Vorbereitungen für die Ausstellung mit 350 Objekten, die erzählen sollen, wie es damals war. Alles beginnt mit der Kindheit am Tegeler See und mit den Fischen.

Bénédicte Savoy, Kuratorin
"Diese französische Beschriftung weist daraufhin, dass diese drei Gläser zwar Fische aus dem See in Tegel beinhalten, aber heute im Museum 'histoire de naturelle' in Paris aufbewahrt werden, weil Alexander von Humboldt die Gewohnheit hatte, alles was er sammelt, zu verteilen auf naturhistorische Sammlungen in Europa."

Tiere, Steine, Pflanzen - Alexander von Humboldt fängt früh an, zu sammeln. Den Naturwissenschaftler drängt es in die Welt – seine Exkursionen bis nach Südamerika sind berühmt.

Ausgestattet ist er mit allerlei Werkzeugen wie einem Frosch-Sezierer. Penibel notiert er alles, was er sieht. Daneben werden Kunstwerke gezeigt, wie dieses Krokodil, das noch nie außerhalb vom Vatikan ausgestellt war.

David Blankenstein, Kurator
"Wir haben auch danach gesucht, die Dinge zusammenzubringen, die man aus heutiger Perspektive nicht unbedingt zusammenbringen will, zum Beispiel Natur und Kultur miteinander in eine Beziehung zu setzen, wie wir es vielleicht auch ein bisschen vergessen haben zu tun."

Bénédicte Savoy, Kuratorin
"Wir wissen durch sein Tagebuch, dass Alexander von Humboldt in Rom war und ins Museum gegangen ist. Er hat sich unter anderem ein Krokodil angeschaut und zwar nicht als Kunstwerk der Antike sondern als Krokodil. Er fängt an die Zähne zu zählen, er guckt, hat es eine Zunge. Und dann kommt man in der Vorbereitung einer solchen Ausstellung auf die Idee, lass mal gucken, vielleicht gibt es das Krokodil noch."

Sein Bruder Wilhelm dagegen liebt die Sprache, zum Beispiel Hebräisch. In Hebräisch verfasst er auch einen Liebesbrief. Der ist allerdings nicht für seine Frau bestimmt. Die beiden Humboldtbrüder sind auch politisch Strippenzieher: Die Geschichte von der Quadriga am Brandenburger Tor. Napoleon ließ sie nach Paris bringen. Alexander half ihm dabei.

Bénédicte Savoy, Kuratorin
"Das ist ein Sinnbild oder ein Objekt was uns an die Geschichte des napoleonischen Kunstraubs erinnert an dem die beiden Brüder in unterschiedlichen Funktionen beteiligt waren. Alexander von Humboldt als Helfer der Franzosen und Wilhelm von Humboldt 1815  als Restitutionskommissar als einer unter den vielen, die dafür gesorgt haben, dass die Kunstwerke zurückgehen."

Die Rückgabe von geraubten Kulturgegenständen egal ob damals oder heute - für Bénédicte Savoy ist das ein großes Thema.

Bénédicte Savoy, Kuratorin
"Für mich persönlich ist wichtig was damals gedacht worden ist über den Wert des Kulturerbes, über die Tatsache, ob ein Museum nur an einem Ort sein soll, wie Paris oder eben viele Museen in ganz Europa verstreut sein sollen. Dass eine möglichst große Zahl von Menschen den Zugang zu ihrem Kulturerbe haben und nicht dass eine Nation alles versammelt."

Bénédicte Savoy führt uns dann noch zu einem Gemälde, dass viel von Berliner Kulturpolitik erzählt.

Für die Entwicklung Berlins des 19. Jahrhunderts sind die zurückgeholten Kunststücke ein Glück.

Bénédicte Savoy, Kuratorin
"Es wäre wichtig, daran zu erinnern, dass die Rückkehr der Kunststücke der Anfang der Museumsgründung ist."

David Blankenstein, Kurator
"Von der königlichen Bibliothek, der von Wilhelm von Humboldt gegründeten Universität, dem Museum und anderen. Es gibt allerdings auch die individuelle Bildung, der Mensch der sich selber zum höheren bilden soll, aus eigener Kraft."

Nach so viel Wissenschaft noch etwas ganz alltägliches: Flakons verströmen die Gerüche von damals.

David Blankenstein, Kurator
"Wissenschaft ist nicht immer lustig.“

Autorin: Theresa Majerowitsch

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