Militariasammlung des Deutschen Historischen Museums im Depot Spandau (Bild: rbb)
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- Bis unters Dach bewaffnet

30.000 Gegenstände der Militariasammlung des Deutschen Historischen Museums lagern im Depot. rbbKultur geht stöbern zwischen tödlichen Kuriositäten.

Wo wir hier sind, ist geheim. Sven Lüken führt uns an seinen hoch gesicherten Arbeitsplatz – das Depot der Militariasammlung, denn hier lagern über 30.000 Waffen, Rüstungen und Fahnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Sven Lüken
"Das ist ein Nachbau eines französischen Infanteriegewehrs aus der Zeit Napoleons, also etwa aus der Zeit um 1800. Damals hatte man ausschließlich Vorderlader. Dann musste mit dem dicken Ende nach unten, muss das Gewehr geladen werden. Ein guter Schütze schafft das, was wir hier vorgeführt haben drei Mal in der Minute und da kann man gar nicht in Deckung gehen. Das heißt, man bleibt auf dem Schlachtfeld stehen und der Gegner tut das auch. Die haben sich sozusagen gegenüber stehend abgeschossen."

Natürlich geht es hier um Mord und Totschlag, aber auch um den technischen Fortschritt. Im 19. Jahrhundert gelingt Nicolaus von Dreyse die Entwicklung des ersten Hinterladers für die Preußische Armee. Die Prototypen zeigt uns Sven Lüken, genauso wie das serienreife Gewehr.

Sven Lüken
"Diese Gewehre gingen im 19. Jahrhundert schon schwer auf, oft haben die Soldaten dann Steine, Backsteine genommen am Wegesrand, um das hier aufzuschlagen. Ich mach das jetzt mal nicht, ist schließlich ein Museumsobjekt."

Bei manchen Waffen weiß Sven Lüken sogar, wem sie gehörten.

Sven Lüken
"Dieses hier beispielsweise ist ein Ehrensäbel des Preußischen Feldmarschall Blücher, das war ein Geschenk des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. an seinen Marshall Feldmarschall Blücher. Und dann ist hier auch noch ein Bild zu sehen, wie Blücher damals ausgesehen hat."

Ein Geschoss tiefer lagern die Schusswaffen, die heute noch funktionieren. Sven Lüken musste einen Waffenschein machen, um mit ihnen zu arbeiten.

Sven Lüken
"Das ist ein deutsches Scharfschützengewehr aus dem ersten Weltkrieg. Es gibt andere Waffen, wo man sagen kann, das sind reine Dekorationswaffen, aber hier ist das was ganz anderes. Das Gewehr ist zum Töten hergestellt worden. Und damit sind wir auch bei einem bestimmten Thema der Sammlung, das hier Gewalt auch gesammelt wird."

Sven Lükens Waffen sagen etwas über die Zeit aus, in der sie entwickelt wurden: Vom Vorderlader zum präzisen Tötungsautomaten.

Sven Lüken
"Das ist ein relativ modernes Gewehr ein Sturmgewehr 44. Wie der Name sagt ist es 1944 eingeführt worden und zwar bei der deutschen Wehrmacht. Es war das erste Sturmgewehr der Welt, sozusagen Mutter aller Sturmgewehre mit diesem Gewehr begann dann am Ende des Zweiten Weltkriegs eigentlich auch der moderne Krieg, wie wir ihn heute noch haben."

In einer weiteren Halle lagern Kanonen, ein alter DDR Panzer und dieses mysteriöse Gefährt.

Sven Lüken
"Das ist der Kutschwagen, die Protze, einer deutschen Feldküche aus der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg.

So eine Feldküche funktioniert so, dass meinetwegen morgens um sechs hier Feuer angemacht wird, einmal hier für das Kaffeefach, was hier, was sich hier befindet. Da wurde der Muckefuck hergestellt und dann hier dann nochmal für den großen Kessel in dem die Suppe gekocht wurde. Noch heute sieht man das insbesondere im Land Brandenburg aber auch woanders, wenn man über Land fährt, Hinweisschilder: Erbsensuppe aus der Gulaschkanone. Das ist etwas, was die Deutschen seitdem gerne essen."

Ohne Mampf, kein Kampf: so spiegelt sich eben die Geschichte der Waffen und des Krieges bis heute in unserem Leben.

Autorin: Vera Drude

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