Holocaustüberlebender Jakob Richter (Bild: rbb)
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- Ein Film über den Holocaustüberlebenden Jakob Richter

Es ist das Grauen nach dem Grauen. Im brandenburgischen Dorf Jamlitz wurden Jakob Richter, sein Vater und sein Onkel aus Auschwitz kommend erneut verhaftet. Wie lebt Richter weiter, der dutzende Verwandte in der Shoa verloren hat?

Jakob Richter ist zurück in Lieberose. Der Ort, an dem er als Jugendlicher seinen Vater und Onkel verlor. 1944 wurde er hierher ins Konzentrationslager verschleppt, nachdem er Auschwitz überlebt hatte. Später überstand er den Todesmarsch und drei weitere Lager.

Ein früherer Dokumentarfilm zeigt, wie Jakob Richter 2016 zum ersten Mal nach Lieberose zurückkehrte und die Lager-Gedenkstätte besuchte. In dem alten Bahnhof, wo er einst mit dem Zug ankam, ist heute ein Heim für Jugendliche. Hier wohnte Florian Balser, ein ehemaliger Straßenjunge. Er lernte Jakob Richter kennen und war auf Anhieb beeindruckt.

Florian Balser, Zeitzeuge
"Am Anfang war es seine fröhliche Art. Wie fröhlich oder wie scheinbar fröhlich er die Dinge kommuniziert hat, seine Geschichte erzählt hat, und dass ihn das in seinem späteren Leben scheinbar nicht sehr beeinträchtigt hat."

Wie kann das Leben nach dem Überleben des Holocaust gelingen? Florian Balser und Gedenkstättenleiter Andreas Weigelt besuchen Jakob Richter 2019 mit einem Filmteam in Chicago, wo er seine Heimat gefunden hat. Nach der Befreiung ging er erst nach Palästina und kam dann hierher zum Studieren.

Er fand seine Frau Sandy, mit der er zwei Kinder bekam. Wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann. Jakob Richter hatte fast seine gesamte Familie in Auschwitz verloren und hat sich trotzdem später nie entmutigen lassen.

Jakob Richter, Holocaustüberlebender
"Vielmals gibt es Malheure oder nicht so gute Ereignisse. Dann kann man frustriert sein oder kämpfen."

Mittlerweile hat Sohn Michael die Firma übernommen. Dass Jakob Richter den Holocaust überlebt hat, wissen nur seine engsten Familienmitglieder. Sonst sprach er mit niemandem darüber. Auch nicht mit seinen Angestellten.

Jakob Richter, Holocaustüberlebender
"Ich habe darüber nicht viel philosophiert. Es war eine Tatsache. Ich habe jeden Tag weitergemacht. Einige haben es immer mitgebracht, diesen Trauerkampf und für mich war das keine Lösung. Und ich habe immer gesucht sich anzupassen zu neue Welt."

Jetzt, am Ende seines Lebens, öffnet sich Jakob Richter seiner Vergangenheit immer mehr. Mit dem Team aus Lieberose besucht er sogar zum ersten Mal das Holocaust Museum von Chicago.

Florian Balser, der selber ein schweres Schicksal hatte, ist an der Reise sehr gewachsen.

Florian Balser, Zeitzeuge
"Ich war vorher jemand, der sich sehr an seiner eigenen Geschichte zerrieben hat und immer stark daran zu kämpfen hatte, was ich so erlebt habe. Und seit der Begegnung mit Jakob ist das aber nicht mehr so, dass der Fokus auf den negativen Aspekten dieser Zeit liegt, sondern auf den positiven Aspekten. Also inwiefern mich das bereichert hat für mein Leben und mir Fähigkeiten vermittelt hat, die andere auf anderen Wegen lernen müssen."

Zurück in Lieberose. Im Dorfgemeinschaftshaus besuchen Jakob Richter und sein Sohn die Premiere, des in Chicago entstandenen Films. Ab wann dieser offiziell zu sehen sein wird, ist noch unklar. Das Publikum jedenfalls ist hingerissen von Jakob Richter, der sein Leben gelebt und sein Lachen nie verloren hat.

Autorin: Lilli Klinger

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