Requisiten in der Märchenhütte am Mon Bijoux Park (Bild: rbb)
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- Wie geht's weiter mit der Märchenhütte?

Seit 13 Jahren werden in der Märchenhütte im Monbijoupark zu Weihnachten Märchenklassiker etwas anders aufgeführt. Das könnte sich jetzt ändern.

Auch wenn die Zukunft der Märchenhütten noch im Nebel liegt -  Simon Fleischhacker bleibt zuversichtlich. In diesem Winter wird er hier ein Wolf sein, ein mutiger Hensel und der Erzähler im Märchen vom Tannenbaum.

Seine Bühne ist eine von zwei Holzhütten, die im Monbijoupark auf einem Nazi-Bunker stehen. Die Entscheidung über deren weitere Duldung hat der Bezirk gerade vertagt - dabei sind die Hütten längst zu einem ganz wundersamen Wahrzeichen des winterlichen Berlins geworden.

Simon Fleischhacker, Schauspieler
"Sind halt wirklich so original Holzhütten. Und das merkst Du… das ist schon eine spannende Spielsituation. Du bist halt auch ganz nah an den Leuten dran und das ist auch eine andere Grundstimmung als beim klassischen Publikum."

2007 hatten die Macher des berühmten Hexenkessel-Theaters für ihre Winterspielzeit Holzhäuser in Polen gesucht - und gefunden.

Christian Schulz, Monbijou-Theater
"Diese Hütte haben wir in Teile zersägt - ich kann das mal zeigen - die haben wir wirklich mit der Kettensäge hier einmal runtergezogen, hier hinter dieser Verblendung ist es zu sehen. Und dann mit einem Gabelstapler, der von oben greift, in fünf Teilen abtransportiert, auf einen Tieflader und dann an die verschiedenen Orte gebracht."

Nach Stippvisiten in Frankfurt, Hanau und Wiesbaden kam auch dieses fliegende Haus nach Berlin-Mitte. Fliegend sollte es bleiben - als Status Quo einer vorläufigen Duldung - immerhin steht es in einem öffentlichen Park. Mit den Hütten mitten in Mitte hatten Schulz und die Theatermacher jedoch genau den Nerv der Großstädter getroffen: man konnte in eine andere Welt und Zeit reisen - mit nur einem Schritt.

Christian Schulz, Monbijou-Theater
"Wenn man die Wände hier ansieht, kann man nachvollziehen, dass das mal ein Wohnhaus war. Wenn ich da mal hinzeigen darf: hier links ist blau bemalt, das war ein Zimmer, das blau bemalt war, hier rechts ist nichts bemalt. Das war der Kuhstall, in dem die Viecher gehaust haben. Jetzt ist es ein Theater, da sehen wir es. Toll."

Julia Pohl spielt den eitlen Tannenbaum, der unbedingt groß rauskommen und ein leuchtender Star werden will - auch um den Preis, am Ende dabei verbrannt zu werden. Andersens düsteres Märchen klingt hier wie ein Gleichnis auf den Theaterbetrieb selbst. Denn ins Bein gehackt, hatten sich die Märchenhüttengründer selber.

Die Theatergründer sind eigentlich tief zerstritten. Doch um die Schließung zu verhindern, spielen nun alle wieder gemeinsam - immerhin geht es um eine der letzten freien Kulturinseln in Mitte.

Christian Schulz, Monbijou-Theater
"Jetzt muss man gucken, wie schafft man das, dass das stattfindet - und nicht, welche Gründe gibt’s, um es abzubauen. Was kaputt machen oder wegräumen kann man immer."

Für Christian Schulz geht es nicht nur ums eigene Überleben, sondern auch um das seiner rund 50 Mitarbeiter. Schon jetzt ist die erste Hütte bis Ende des Jahres nahezu ausverkauft.

Simon Fleischhacker, Schauspieler
"Die Karten sind verkauft, wir werden aufmachen, was das dann für Konsequenzen hat, ist in erster Linie nicht unsere Verantwortung."

Nebenan darf übrigens die Märchenscheune ihr Zelt aufbauen. Ganz offiziell und legal. Kann sein, dass das eine Bereicherung wird - kann aber auch sein, dass einer stirbt. Wie heißt es doch am Anfang eines jeden Märchens? Es war einmal.

Autor: Dennis Wagner

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