Filmausschnitt "Schönheit & Vergänglichkeit" (Bild: Real Fiction)
Real Fiction
Bild: Real Fiction

- Film "Schönheit und Vergänglichkeit"

Ein Film über drei Freunde aus der Ostberliner Subkultur der 80er Jahre: der Fotograf Sven Marquardt, und die beiden damaligen Fotomodelle Dominique "Dome" Hollenstein und Robert Paris. Alle drei waren schillernde Figuren der Punkszene.

Annekatrin Hendel hat fast immer Sturmschritt drauf. Ein Leben zwischen Großprojekten: Dokumentarfilme  über Leute aus Ostdeutschland und die Brüche in ihren Biographien. Gerade kommt sie aus Ahrenshoop zurück nach Berlin ins Büro. In einer Woche ist Kinostart für ihr neuestes Projekt. Letzte Vorbereitungen für die Premiere ihres Films "Schönheit & Vergänglichkeit".

Sven Marquardt, den die meisten nur als legendären Türsteher des ebenso legendären Berghain kennen, beim Fotoshooting mit Dominique Hollenstein. Dass dieser beinharte Typ mal zu den besten Fotografen der späten DDR gehört, wissen schon weniger Leute. Model und Fotograf treffen sich für dieses Shooting zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder. Marquardt gab seinem Projekt den Namen "Schönheit & Vergänglichkeit". Und Annekatrin Hendel hat danach ihren Film benannt. Auch sie gehörte vor dem Mauerfall zu jenen Aussätzigen in Ostberlin, die sich ein unangepasstes Leben mit Mode, Fotografie, Klamottennähen und Shows ertrotzten.

Annekatrin Hendel, Regisseurin
"Wir haben ja Anfang der 80er Jahre alle Mode gemacht. Wir haben gelebt von Klamottennähen und viel Geld verdienen und haben das Geld dann... nicht gewusst mit dem Geld, wohin und haben dann versucht, uns eben solche Shows auszudenken und haben das auch gemacht und haben das eben manchmal auch zusammen gemacht und daher kannte ich die alle."

Aufbruch zum ehemaligen Stadtbad Oderberger Straße, wo die Premierenparty steigen soll. Der Weg führt an einen der wenigen Orte im braven Prenzlauer Berg, wo heute noch Leben herrscht: Ecke Schönhauser. In dieser Gegend hier entstanden viele der Fotos, die der Film zeigt und deren Geschichten er erzählt.

Mitten in die Dreharbeiten zu diesem Film stolperte auf einmal noch ein Dritter vom damaligen Freundes- und Künstlerkreis: Robert Paris. Ebenfalls Model und Fotograf. Heute lebt der Sohn der Fotografin Helga Paris in Indien. Gelegentlich kommt er nach Berlin – dann gibt’s ein Wiedersehen.

Robert Paris, Fotograf
"Wir treffen uns ab und an mal, eben ein Mal im Jahr ungefähr und unterhalten uns dann auch stundenlang über unsere Situation, auch sehr nah nach wie vor. Von der persönlichen Situation her, aber vom inhaltlichen eben doch ein bisschen anders."

Der Film von Annekatrin Hendel ist keine nostalgische Rückschau: Es geht ihr darum rauszukriegen, wie jemand zu dem wurde, der er heute ist. Und dafür muss man natürlich zurückschauen.

Annekatrin Hendel, Regisseurin
"Mit ist es eben wichtig zu erzählen, dass die Leute auch früher schon ein extrem selbstbestimmtes Leben geführt haben. Das finde ich auch für Leute heute wichtig, denn Angepasstheit, die gibt es heute ganz extrem. Und im Grunde soll der Film für Leute heute und auch für junge Leute, eigentlich ein Beispiel sein, dass man sich nicht so anpassen muss."

Robert fotografiert heute nicht mehr, er ist glücklich in Indien. Dominique ist eine erfolgreiche Schmuckdesignerin. Und Sven inzwischen ein international gebuchter Starfotograf.

Dieser Film erzählt von Zusammenbruch und Neuanfang – und davon, wie man beides überlebt.

Annekatrin Hendel, Regisseurin
"Nicht nur die Wege dieser drei Leute haben sich nach dem Fall der Mauer extrem auseinander bewegt, sondern die Wege von der ganzen Truppe sage ich mal. Alle mussten wirklich noch mal komplett neu anfangen und das ist schon ein tiefer Einschnitt gewesen für uns alle."

Autor: Ulf Kalkreuth

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