Vittorio Lampugnani interessiert sich für die Architektur von Alltäglichem im Stadtraum. (Bild: rbb)
rbb
Bild: rbb

- Buch "Bedeutsame Belanglosigkeit"

Orange Mülleimer und Gullideckel mit Bärenmotiv – kleine charakteristische Objekte prägen das Gesicht Berlins ebenso wie große Sehenswürdigkeiten. Vittorio Lampugnani hat dazu ein Buch veröffentlicht und nimmt uns mit auf einen Spaziergang.

Er ist wunderbar, mit ihm durch die Stadt zu streifen. Der Schweizer Architekt Vittorio Lampugnani interessiert sich weniger für spektakuläre Gebäude – sein Faible ist das Alltägliche am Wegesrand: Straßenschilder oder Mülleimer.

Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt
"Natürlich ist das Architektur. Mit dieser Aufschrift, mit diesem lustigen Orange ist das typisch für Berlin. Dieses Gebäude hingegen - Wenn ich nicht weiß, dass das die Berliner Oper ist, könnte es irgendein öffentliches Gebäude aus dieser Zeit sein."

Ob Gullideckel oder Parkgeländer: an solch "bedeutsamen Belanglosigkeiten" kann er ablesen, in welcher Stadt er sich befindet. Das beschreibt er anekdotenreich in seinem Buch.

Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt
"Es sind die Details, über die man auch schmunzeln kann, aber diese Details machen sehr viel der Qualität des Stadtraums aus. Sie legen den Standard fest. Wenn diese Details liebevoll und schön gemacht sind, fühlt man sich in der Stadt besser."

Das Berliner Trottoir mit seinen großen Gehwegplatten: Als es 1825 erstmals zur Bühne der Bürger wurde, war das eine Revolution.

Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt
"Es ist wirklich eine Berliner Erfindung, eine relativ späte Erfindung. Man muss sich die Straßen damals als Schlammstraßen und Drecklöcher vorstellen, weil die Pferde und Metzger Dreck machen. Es stinkt. Es is extrem unangenehm."

Das Design dieser Objekte ist in jeder Stadt anders und schafft genau dadurch ein unverwechselbares Gesicht. Viel kleiner, aber ebenso berlintypisch wie Gedächtniskirche und Fernsehturm: dieser Zeitungskiosk von 1905.

Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt
"Diese sehr extravagante Dachform ist dazu da, als Paradiesvogel in der relativ grauen Stadt aufzufallen. Das kam bei den Berlinern extrem gut an. Sie haben sich sehr gefreut und sie waren ein großer Erfolg."

Viele dieser Miniarchitekturen sind heute nur noch Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Doch die Ostlaterne mit Betonfuß und gelbem Licht verrät bis heute, dass es in Berlin zwei Stadtgeschichten in einer Stadt gibt.

Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt
"In Ostberlin war man ganz bewusst sparsamer mit solchen Objekten. Es geht sogar so weit, dass man immer noch den Ost- und den West-Teil Berlins unterscheiden kann, wenn man mit dem Flugzeug startet, weil die Lichtfarbigkeit eine andere ist."

Manche dieser Belanglosigkeiten allerdings werden weltberühmt – was bei ihrer Gestaltung niemand gedacht hätte.

Vittorio Magnago Lampugnani, Architekt
"Das Schöne an diesen Dingen ist, dass sie eben nicht Marketingmaßnahmen sind, sondern dass sie wirklich aus einer Kultur entstehen. Andere Städte operieren anders, legen auf andere Dinge wert. Die Architekturen sind anders, die Menschen sind anders, die Bürgersteige sind anders."

Vittorio Lampugnani schärft wundersam den Blick für Dinge, die man sonst beim Spazieren übergeht: ein unterhaltsamer Begleiter für Städtereisen.

Autor: Norbert Kron

weitere Themen der Sendung

"Die Schneekönigin" an der Deutschen Oper (Bild: rbb)
rbb

"Die Schneekönigin" an der Deutschen Oper

Die Deutsche Oper legt "Die Schneekönigin" für Kinder ab 8 Jahren neu auf. Hauptdarstellerin Hanna Plass und führt uns in die Maske und hinter die Kulissen der zauberhaften Produktion.  

"Der Nussknacker" am Staatsballett. (Bild: rbb)
rbb

"Der Nussknacker" am Staatsballett

Das Ballett "Der Nussknacker" ist ein Klassiker der Vorweihnachtszeit.  Warum dieses Stück noch heute so viele Menschen verzaubert, erklärt Berlins Nussknacker höchstpersönlich - der erste Solotänzer des Staatsballetts Dinu Tamazlacaru.

Am 14.12. öffnen Berliner*innen ihre Wohnzimmer und Küchen für "Beethoven bei uns"-Konzerte. (Bild: rbb)
rbb

Beethoven Sing Along

Beethovens 250. Geburtstag steht bevor! Am 14.12. öffnen Berliner*innen ihre Wohnzimmer und Küchen für Konzerte. Das Ganze nennt sich "Beethoven bei uns". Kollege Steffen Prell ist auch dabei.

Der Rundfunkchor singt in der JVA (Bild: rbb)
rbb

Der Rundfunkchor überrascht die JVA

Im letzten Jahr hat der Rundfunkchor Berlin mit Überraschungsauftritten für Gänsehautmomente gesorgt und in diesem Jahr geht es damit weiter. Sie überraschten unter anderem Mitarbeiter der JVA und der BVG.

"Der grüne Kakadu" am Theater der Universität der Künste (Bild: rbb)
rbb

Kulturtipps

+ Musikalischer Adventskalender der Deutschen Oper
+ Ausstellung "Tempora Morte" in der Galerie Robert Morat
+ "Der grüne Kakadu" am UNI.T - Theater der Universität der Künste