Am 14.12. öffnen Berliner*innen ihre Wohnzimmer und Küchen für "Beethoven bei uns"-Konzerte. (Bild: rbb)
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- Beethoven Sing Along

Beethovens 250. Geburtstag steht bevor! Am 14.12. öffnen Berliner*innen ihre Wohnzimmer und Küchen für Konzerte. Das Ganze nennt sich "Beethoven bei uns". Kollege Steffen Prell ist auch dabei.

Einmal am Tag begegnen wir uns auf Augenhöhe – Ludwig van Beethoven und ich. Beim Rasieren neben der Spaßpostkarte. Gleich danach wird’s schon kompliziert. Während unsereiner sich einfach n Kaffee macht, soll der Großmeister der Klassik auf penibel abgezählte 60 Bohnen pro Tasse bestanden haben. Und am Klavier bringt Ludwig van Beethoven einen als Hobbymusiker häufig genug sowieso eher zur Verzweiflung als zur Erfüllung.

Besuchen wir Leute, die’s richtig können. Am kommenden Wochenende öffnen sich überall in Deutschland Wohnzimmer zum Auftakt des Beethovenjahres. "Beethoven bei uns". In einer Schöneberger Klavierwerkstatt treffen wir Andreas Kern, Pianist und Projektleiter von "Beethoven bei uns". Auch er spielt natürlich mit – 70 Pianisten spielen hier, ein Stockwerk höher, Beethovens 32te und letzte Sonate.

Ein ganzes Wochenende lang opus 111.

Andreas Kern, Kurator "Beethoven bei uns"
"Mein Bild von Beethoven ist: er war ein Perfektionist. Er hat ganz klar wirklich um jede Note gekämpft, an jeder Note gefeilt. Er hat nicht den Anfang von der fünften Symphonie runtergeschrieben, so wie Mozart vielleicht. Es ist ihm auch nicht so leicht dann gefallen. Aber er hat gearbeitet und gemeißelt bis das dann sozusagen genau richtig ist.

Was für mich spannend ist, ist, dass jetzt Leute ihre Wohnungen oder Häuser öffnen. Das gibt so dann ein Gefühl von offener Gesellschaft. Nicht dieses 'meins, meins, mein Gartenzwerg' und alles verriegeln, sondern wir können das teilen mit Gleichgesinnten."

Es gibt Konzerte vom Bunker bis zum Loft – und es wird nicht nur musiziert. In der Weinbar Rutz in Berlin-Mitte hat Sternekoch Marco Müller zu Ehren des Komponisten sein Acht-Gang-Menü erweitert um - den neunten Gang.

Marco Müller, Koch "Weinbar Rutz"
"Es ist relativ bekannt, dass Beethoven gerne Fisch aß. Wir haben aber nicht den Fisch genommen sondern die Haut ausgebacken, dass wir den Crunch von diesem Fisch haben. Wir haben Hechteier genommen, die wir mit eingearbeitet haben und Forelleneier."

Ob am Herd in der Sterneküche oder wie einst in der Schreibstube des Genies – komponiert wird hier wie dort.

Marco Müller, Koch "Weinbar Rutz"
"So wie er Klangwelten geschaffen hat versuchen wir, Aromenwelten zu schaffen - und ne Bildsprache zu finden."

Eine Wohnung im Seitenflügel in Kudammnähe wird am kommenden Wochenende zum Konzertsaal. Die Opernregisseurin Sandra Leupold lädt ein –der Pianist und Dirigent Tammin Julian Lee spielt unter anderem ein Spätwerk Beethovens – die Bagatellen.

Tammin Julian Lee, Pianist und Dirigent
"Diese späten Bagatellen sind sicher mit das Intimste, Verinnerlichteste und Persönlichste, was Beethoven geschrieben hat."

Ihre Freunde hat Sandra Leupold bislang nicht eigens eingeladen. An diesem Abend soll ihre Wohnung Menschen offen stehen, die sie noch nicht kennt. Mehr Beethoven geht eigentlich gar nicht.

Sandra Leupold, Opernregisseurin
"So’eine Geste des Verbrüderns und des Menschen aller Schichten unterschiedslos Ansprechens, all so eine Dinge können ja in einem Hauskonzert 'bedient werden' und das hat mich vom ersten Moment an total überzeugt als Idee."

Bei meinem eigenen Hauskonzert gibt’s übrigens nur langsame Sätze – für Hobbypianisten. Beethoven ist schließlich für alle da.

Autor: Steffen Prell

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