Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der künftige Intendant der Berliner Volksbühne, René Pollesch, am 12.06.2019 auf einer Pressekonferenz (Quelle: dpa / Britta Pedersen)
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Mi 12.06.2019 - René Pollesch will sich vom Regietheater verabschieden

An der Volksbühne sollten zukünftig Autorenkollektive direkt mit den Schauspielern arbeiten und "kleine wendige Theatertruppen" bilden. Regisseure müsse man "weglassen", so der 56-Jährige designierte Volksbühnenintendant.

Pollesch betonte bei seiner Vorstellung am Mittwoch, er sei kein "trojanisches Pferd für die alte Volksbühne" unter Frank Castorf. Er wendet sich  gegen das Regietheater, das unter Frank Castorf die Volksbühne dominierte. Es solle nun eine funktionierende Arbeitspraxis im Vordergrund stehen, nicht die Orientierung am Zuschauer.

Pollesch zufolge werden unter anderem die Schauspieler Martin Wuttke, Sophie Rois, Kathi Angerer und das Theatermacherduo Ida Müller und Vegard Vinge an die Volksbühne zurückkehren. Auch mit den Besetzern der Volksbühne aus dem Jahr 2017 stehe er in Kontakt, erklärte Pollesch auf Nachfrage. Er selbst werde zwei Mal pro Spielzeit Stücke in dem Haus am Rosa-Luxemburg-Platz inszenieren.

In Zukunft werde auch der Prater wieder bespielt, kündigte der Kultursenator an. Er habe sich davon überzeugt, dass der künftige Etat "machbar" sein werde, so Lederer. Im kommenden Doppelhaushalt habe er eine Aufstockung der Mittel für die Volksbühne um 600.000 Euro beantragt. Unter dem Kurzzeit-Intendanten Chris Dercon hatte die Volksbühne auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

René Pollesch wird seinen Job als Intendant an der Volksbühne zur Spielzeit 2021/22 antreten. Sein Vertrag läuft zunächst bis 2026.

Der 1962 in Friedberg in Hessen geborene René Pollesch war bereits unter der Intendanz von Frank Castorf als Autor und Regisseur an der Volksbühne tätig. Von 2001 bis 2007 leitete er die kleine Spielstätte Prater der Volksbühne in Berlin-Prenzlauer Berg.

Pollesch inszeniert an vielen großen deutschsprachigen Bühnen, unter anderem am Staatstheater Stuttgart, am Thalia Theater Hamburg, an den Münchner Kammerspielen und am Schauspiel Frankfurt. 2002 wählte ihn das Fachmagazin "Theater heute" zum besten deutschsprachigen Dramatiker. Er bekam zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter 2001 und 2006 den Mülheimer Dramatikerpreis. Derzeit ist er in Berlin am Deutschen Theater mit den Stücken "Cry Baby" und "Black Maria" tätig.

Nach dem Vertragsende von Frank Castorf im Jahr 2017 hatte Chris Dercon die Intendanz übernommen, der Vertrag wurde jedoch schon vor Ablauf der ersten Spielzeit im April 2018 beendet. Seitdem ist Klaus Dörr Interimsintendant in dem Haus am Rosa-Luxemburg-Platz. Im Februar war sein Vertrag bis Ende der Spielzeit 2020/2021 verlängert worden. Danach wird er seine Aufgaben an der Volksbühne abgeben.

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