Kulturnachrichten; © rbbKultur

Mo 12.08.2019 - Gesellschaftskritische Filme dominieren Wettbewerb in Locarno

Im Hauptwettbewerb um den Goldenen Leoparden sticht zur Halbzeit der deutsche Spielfilm "Das freiwillige Jahr" heraus.

Der Film ist ein Vater-Tochter-Drama, in dem die Regisseure Ulrich Köhler und Henner Winckler den Werteverlust in der bürgerlichen Gesellschaft hintergründig spiegeln. Stärkster Konkurrent ist momentan ein Spielfilm, der mit finanzieller Beteiligung aus Deutschland realisiert wurde: der brasilianisch-französisch-deutsche Spielfilm "A Febre" ("Fieber") von Regisseurin Maya Da-Rin aus Brasilien. Auch ihr Porträt eines indigenen Arbeiters zwischen Anpassung und Aufbegehren offeriert scharfe Gesellschaftskritik nicht plump, sondern formal fesselnd und emotional packend.

Beeindruckt hat daneben "Yokogao" ("Ein Mädchen wird vermisst") von Regisseur Koji Fukada aus Japan. Stilistisch überaus artifiziell, dabei aber publikumswirksam, beleuchtet er mit der Geschichte einer in den sozialen Medien geächteten Frau die Schattenseiten der modernen Kommunikation. Auch dies ist ein Anwärter auf den Goldenen Leoparden.

Die drei Favoriten zeichnet aus, dass sie politisches Engagement und eine künstlerisch interessante Form wirkungsvoll vereinen. Damit genügen sie dem Anspruch der neuen Festivalchefin Lili Hinstin: Sie setzt auf ein Kino, das dem Bedürfnis vieler Zuschauer nach Spannung entspricht, dabei aber den gestalterischen Anspruch nicht vernachlässigt.

Insgesamt bewerben sich 17 Filme aus aller Welt um den Leoparden. Wer ausgezeichnet wird, geben die fünf Juroren am Abend des 17. August bekannt.