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Mi 14.08.2019 - Opernhäuser reagieren auf Sex-Vorwürfe gegen Domingo

Die Oper in Los Angeles hat Ermittlungen gegen Opernchef Plácido Domingo angekündigt. Man werde externen Rechtsbeistand hinzuziehen, um die Vorwürfe sexueller Übergriffe in Bezug auf Domingo zu untersuchen.

Das teilte eine Sprecherin in einer Stellungnahme mit, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Domingo leitet das Haus als Generaldirektor seit 2003. Das Philadelphia Orchestra, bei dem Domingo im September eigenen Angaben zufolge auftreten sollte, sagte den Konzertabend ab. Die Salzbuger Festspiele ließen verlauten, sie hielten an Domingo fest, der dort kommende Woche singen soll.

Neun Frauen werfen dem spanischen Opernsänger und Dirigenten sexuelle Belästigung vor. Der Nachrichtenagentur AP sagten sie, Domingo habe in den 1980er und 1990er Jahren versucht, sie in sexuelle Beziehungen zu zwingen, indem er ihnen Jobs angeboten habe. In einigen Fällen habe er die Frauen bestraft, wenn sie seine Annäherungen verweigerten.

Domingo wies die Vorwürfe zurück. Die Anschuldigungen nannte er zutiefst beunruhigend und - so wie sie dargestellt werden - unzutreffend. Er habe geglaubt, alle seine Interaktionen und Beziehungen seien immer willkommen und im gegenseitigen Einverständnis gewesen. Er erkenne jedoch an, dass sich heutige Regeln und Standards von denen der Vergangenheit unterschieden, so Domingo.

Plácido Domingo ist einer der größten Klassikstars der Gegenwart. Über Jahrzehnte war der Tenor an allen großen Opernhäusern der Welt zu Gast und bestritt nach eigenen Angaben mehr als 4.000 Aufführungen. Als Dirigent leitete er mehr als 500 Opernaufführungen und Konzerte.