11.03.2019, Brandenburg, Potsdam: Vor der nachgebildeten Fassade der ehemaligen Garnisonkirche wachsen die ersten Ziegelmauern für den Kirchturm. Der Turm soll wie das 1968 auf Geheiß der DDR-Führung gesprengte Original mit rund 2,3 Millionen Ziegelsteinen bis zu knapp 90 Meter hochgemauert werden. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Bild: dpa/ Ralf Hirschberger

Mi 11.09.2019 - Garnisonkirche könnte Demokratiezentrum werden

Neben dem umstrittenen Potsdamer Garnisonkirchturm soll eine Jugendbegegnungsstätte für Bildung und Demokratie entstehen. Der Vorschlag kommt von Oberbürgermeister Mike Schubert.

Ein reines Kirchenschiff wäre damit unmöglich, auch der Abriss des Kunsthauses Rechenzentrum wäre damit besiegelt, wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichten.

Vorbild für das Zentrum könnte die Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar sein, so Schubert. Dort gehe es um die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen und „einer Reflexion über den historischen Ort“. Die Leitfrage der pädagogischen Arbeit sei: „Was stärkt und was gefährdet Demokratie?“ Laut Schubert könnte ein Lernort an der Garnisonkirche auch die Stadtgeschichte Potsdams zur NS-Zeit aufarbeiten.

Die Stadtverordneten sollen jetzt über den Vorschlag beraten.

Gestern hatten die Universität Kassel und die Martin-Niemöller-Stiftung eine eigene Informationsplattform angekündigt. Mit der Kunsthochschule Berlin-Weißensee soll ein Internet-Informationsportal und ein analoger Informationsort geschaffen werden, teilte der Architekturexperte Philipp Oswalt mit. Als Standort sei das Rechenzentrum an der Garnisonkirche angefragt. Man wolle die „problematischen Seiten“ der Kirchen- und Wiederaufbaugeschichte auf fundierterer Basis als bisher darstellen, hieß es.

Die Garnisonkirche wurde 1945 weitgehend zerbombt, die Ruine 1968 in der DDR abgerissen. Der Wiederaufbau ist umstritten. Kritiker argumentieren vor allem mit der Militärgeschichte und der Nutzung der Kirche für NS-Propaganda.