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Mi 11.09.2019 - Rapper kritisieren türkische Politik

Junge türkische Rapper rechnen mit der Erdoğan-Regierung ab. "Susamam" - "Ich kann nicht schweigen" - heißt ein Video, das millionenfach geklickt wurde. Auch Berliner Rapper sind beteiligt.

Darin geht es um Korruption, Umweltzerstörung und Zensur. Matthew (Matze) Kasper vom deutsch-türkischen Kulturmagazin renk sagte auf rbbKultur, die Kunstform "Rap" sei Untergrund. Deshalb sei sie von der Regierung schwer zu kontrollieren.

Kasper sprach von einer mutigen Aktion. Die Kritik der Rapper richte sich nicht nur gegen die Regierung, sondern auch an die Bevölkerung. Die Menschen feierten den Mut der Rapper. Das helfe ihnen, selbst wieder Mut zu fassen, ihre Stimme zu erheben.

Das ganze Projekt habe sich zu einem Sprachrohr für die Menschen im Land entwickelt, sagte auch der in Berlin geborene Rapper Fuat Ergin der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei nicht gewesen, die Regierung zu kritisieren, sondern vielmehr das Bewusstsein für Brennpunkte in der türkischen Gesellschaft und auf der Welt zu schärfen, so Ergin. Die Themen seien global. Die Menschen in der Türkei hätten lange geschwiegen.

Regierungsnahe Medien kritisierten das Video scharf. Die Zeitung "Yeni Safak" bezeichnete das Video der "sogenannten Künstler" als "Gemeinschaftsproduktion" der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Gülen-Bewegung, die beide als Terrororganisation eingestuft sind.