Ahmet Altan, 2015 © dpa
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Di 26.11.2019 - Ahmet Altan: "Literatur mächtiger als Tyrannei"

Dem türkischen Journalisten wurde gestern Abend in München der Geschwister Scholl Preis verliehen – während er in der Türkei im Gefängnis sitzt.

Aus dem Gefängnis heraus hat Ahmet Altan, 69, zum Kampf für die Wahrheit aufgerufen und sich gegen Nationalismus gewendet. "Wenn Nationalismus, Hass, Schlechtigkeit und Dummheit in angereichertem Maße zusammenfinden, entsteht eine toxische Mischung", heißt es in seiner Dankesrede zur Annahme des Geschwister-Scholl-Preises, die seine enge Vertraute Yasemin Congar am Montagabend in München verlas. "Gegen diese tödliche Krankheit wirken als Gegengift Mitleid, Güte und Klugheit, doch muss auch der hässlichen Fratze des Nationalismus die Maske der Heiligkeit abgerissen werden, hinter der dieser sich versteckt." Die Rede schließt mit der Feststellung, dass "Literatur mächtiger ist als die Tyrannei".

Ahmet Altan wurde in Abwesenheit für sein Buch "Ich werde die Welt nicht wiedersehen. Texte aus dem Gefängnis" ausgezeichnet.

Der Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan war im Februar 2018 wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt worden, inzwischen wurde die Strafe auf zehneinhalb Jahre reduziert. Ein türkisches Gericht hatte Altan Anfang November nach drei Jahren Untersuchungshaft unter Auflagen freigelassen. Wenige Tage später wurde er jedoch erneut verhaftet.