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Di 03.12.2019 - Milan Kundera erhält tschechische Staatsbürgerschaft zurück

Seit seiner Ausweisung aus der damaligen CSSR lebt der Schriftsteller in Paris.

Grund für die offizielle Ausbürgerung 1979 war sein Roman "Das Buch vom Lachen und Vergessen". Kundera lebte da bereits mehrere Jahre im Pariser Exil. 1981 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Der Autor von Bestsellern wie "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", war im April 90 Jahre alt geworden. Die Idee, ihm die Staatsbürgerschaft zu verleihen, geht auf den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis zurück, der sich mit dem Schriftsteller vor einem Jahr in Paris getroffen hatte.

In einem seltenen Interview beklagte sich Kunderas Ehefrau Vera jüngst über das Leben in der Emigration. Sie sprach von der größten Dummheit, die ein Mensch in seinem Leben machen könne. "Ich komme mir wie ein Sklave auf einer Plantage vor, der nachts in seinen Träumen in sein Land zurückkehrt", sagte die frühere Fernsehansagerin dem tschechischen Literaturmagazin "Host". Kundera selbst gibt seit Jahren keine Interviews mehr. Er soll seinen Geburtsort Brünn (Brno) nach 1989 nur inkognito besucht haben. Als er 1995 den tschechischen Verdienstorden erhielt, nahm seine Frau ihn für ihn entgegen. Viele seiner Werke wie "Die Unwissenheit" aus dem Jahr 2000 sind bis heute nicht auf Tschechisch erschienen. Als Grund gilt, dass Kundera seit 1993 ausschließlich auf Französisch schreibt und die Übersetzung nicht aus der Hand geben möchte.