Präsident des Deutschen Chorverbands und Altbundespräsident Christian Wulff (Bild: imago images/Rainer Droese)
Bild: imago images/Rainer Droese

Mi 27.05.2020 - Wulff fordert Chöre zum Durchhalten auf

Die Chöre in Deutschland meistern die aktuelle Situation verantwortungsvoll - sagt der Präsident des Deutschen Chorverbandes, Christian Wulff. Er hoffe, dass sie bald wieder wie gewohnt proben und auftreten können.

Neueste Studien legten nahe, dass es beim Chorsingen kein spezifisch erhöhtes Ansteckungsrisiko für Corona gebe, sagte der Altbundespräsident dem Evangelischen Pressedienst. Der Deutsche Chorverband arbeite intensiv an einem grundlegenden Hygienekonzept für Chöre. Viele Chöre träfen sich seit Wochen online in verschiedensten Formaten. Das könne analoge Zusammenkünfte nicht ersetzen, aber vielleicht einiges auffangen.

Er glaube nicht an ein Chorsterben im großen Stil, sagte Wulff. Trotzdem sei die öffentliche Hand auf allen Ebenen gefordert, Kulturschaffenden kurzfristig und unbürokratisch Hilfe zu leisten. Auch Chormitglieder sieht Wulff in der Pflicht. Wer angesichts ausbleibender Proben und Auftritte mit einem Vereinsaustritt liebäugele, sollte sich klarmachen, dass dies der denkbar ungünstigste Zeitpunkt sei. Ein Austritt derzeit könnte einem Verein oder Verband unter Umständen den Todesstoß versetzen.

Dagegen warnt der Musik-Mediziner Eckart Altenmüller Chöre davor, angesichts der Corona-Pandemie zu schnell wieder mit dem gemeinsamen Singen zu beginnen. Das sei sehr gefährlich, sagte er. Chorgesang habe unmittelbar mit dem Atmen zu tun. Deshalb bestehe ein hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Optimistisch geschätzt könne das Singen in großen Chören in geschlossenen Räumen vielleicht Mitte September wieder beginnen. Das wichtigste Ziel müsse jetzt sein, die Gesundheit der Sängerinnen und Sänger zu schützen.

Altenmüller leitet das Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.