Moskau: Kirill Serebrennikow (vorne), russischer Film- und Theaterregisseur, der aufgrund des Coronavirus einen Mundschutz trägt, sitzt zu Beginn einer Gerichtsverhandlung in einem Gerichtssaal. Ein russisches Gericht hat den Starregisseur Serebrennikow in einem umstrittenen Verfahren wegen Veruntreuung von Fördergeldern schuldig gesprochen. Foto: Uncredited/AP/dpa
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Fr 26.06.2020 - Schuldspruch für russischen Starregisseur Serebrennikow

Der 50-Jährige wurde wegen Veruntreuung von Fördergeldern verurteilt, wie das Bezirksgericht in Moskau entschied.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Theaterleiter vor, staatliche Fördergelder in Höhe von umgerechnet 1,6 Millionen Euro veruntreut zu haben. Sie forderte sechs Jahre Lagerhaft und eine Geldstrafe von umgerechnet 10.000 Euro. Serebrennikow hat den Vorwurf stets zurückgewiesen. Ein Gutachten im Auftrag des Gerichts hat ihn und seine Mitarbeitenden entlastet. Das Verfahren gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland.

Bis zu 400 Schauspieler*innen, Sänger*innen und Kulturschaffende waren vor dem Gerichtsgebäude in Moskau erschienen und hatten Serebrennikow mit Beifall empfangen. Viele trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Free Kirill!", wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete. In Videos beklagten sie ein ungerechtes Justizsystem. Die Schauspielerin Tschulpan Chamatowa ("Good Bye, Lenin!") sagte etwa unter Tränen: "Wir müssen etwas tun ... für unsere Zukunft, Kinder, für unser Land."

2012 hatte Serebrennikow die Leitung des kleinen, staatlich geförderten Gogol-Zentrums in Moskau übernommen und es zu einem der angesagtesten Theater der Stadt gemacht. Mit seiner direkten Sprache und Nacktszenen auf der Bühne sowie der modernen Umsetzung alter Klassiker, hatte er scharfe Kritik aus konservativen Kreise ausgelöst. Serebrennikow hat auch in Deutschland inszeniert, zuletzt am Deutschen Theater in Berlin.