Wahlkabine USA

02.11.2020 | Kultur Digital - Was ein Wahlsinn

Heute moderiere ich für Euch meine erste Chart-Show: die Top 3 der Dump-Trump-Hitparade. Außerdem dabei: richtig gute Dokus und ein Burger-Kochkurs.

Five Thirtyeight

Wahlen ins Ungewisse

Wahlen in den USA waren schon immer ein wichtiges Ereignis. Denn wer im Weißen Haus sitzt, macht Weltpolitik.

Und dieses Jahr ist es noch ein wenig krasser.

Vielleicht entscheidet sich am Dienstag, ob die USA noch eine funktionierende Demokratie bleiben. Und ob es noch Hoffnung fürs Klima gibt. Und wie stabil die politische Weltordnung bleibt.

All das hängt davon ab, wer diese Wahlen gewinnt: Donald Trump von den Republikanern oder Joe Biden von den Demokraten.

Die Wahlen in den USA sind kompliziert. Hier gibt’s nochmal ein gutes Erklär-Video.

In diesem Jahr ist wegen Corona vieles anders.

Es gibt sehr viele Briefwähler*innen. Und die Briefwahlstimmen werden in den 52 Bundesstaaten teilweise unterschiedlich ausgezählt. Mehr zu den Briefwahlstimmen in diesem Video.

Und dann kommt auch noch die Zeitverschiebung dazu.

Bei den letzten Wahlen 2016 stand erst am Mittwochmorgen deutscher Zeit fest, wer die Wahlen gewonnen hatte. Gut möglich, dass es in diesem Jahr noch länger dauern könnte.

Der US-Statistiker Nate Silver hält es aber für wahrscheinlicher, dass man schon in der Wahlnacht wird sagen können, wer gewinnt: weil Joe Biden in den Umfragen gerade deutlich führt.

Aber die Wahlstatistiker*innen hatten 2016 einen Sieg von Hillary Clinton vorhergesagt.

Kann also sein, dass diese Nacht so lang wird, dass sie morgens noch nicht vorbei ist.

Wahlkabine USA

Für laaange Wahlnächte

Wer die Wahlen in den USA live mitverfolgen will, hat viele Möglichkeiten.

Im Ersten könnt Ihr die Wahlen mit dem Weltspiegel-Moderator Andreas Cichowicz und dem ARD-Wahlzahlenmeister Jörg Schönenborn verfolgen. Ab 22:50 Uhr im ARD-Livestream.

Einen etwas unterhaltsameren Live-Stream gibt’s bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Und ich glaube, das könnte Spaß machen.

Die Entertainerin Gayle Tufts wird vorbeischauen. Und es gibt einen Burger-Kochkurs.

Ab 23 Uhr: der Live-Stream der Bundeszentrale für politische Bildung.

Lieber keinen Live-Stream, weil viel zu aufregend?

Bei uns auf rbbKultur gibt's auch einiges zu den Wahlen in den USA.

Unser Moderator Jens Lehmann erzählt zum Beispiel, warum er die US-Fernsehserie "The West Wing" so sehr mag. Mag ich übrigens auch sehr.

Und Ihr solltet bei Arte vorbeischauen.

Die haben ihre Mediathek zu den US-Wahlen richtig vollgepackt mit guten Dokus.

Sehr zu empfehlen ist die aktuelle fünfteilige Doku „Aus der Traum? - Die Amerikaner im Wahljahr“. Die vermittelt einen eindringlichen Eindruck, warum die USA so zerrissen sind.

Mit dabei sind auch ein paar richtige Doku-Klassiker. Vom US-Dokumentarfilm-Meister Ken Burns. Zum Beispiel über das Alkoholverbot, die Prohibition in den 1920ern.

Oder die über den Amerikanischen Bürgerkrieg zwischen 1861 und 1865.

Diese Doku mag ich besonders. Weil sie gut erklärt, wie schwer sich die USA mit der Abschaffung der Sklaverei getan haben.

Ist gerade mal rund 150 Jahre her. Und der Rassismus aus dieser Zeit lebt immer noch.

US Wahlen Twitter

Wahl-Twitter-Tipps

Vieles wird im Rahmen des US-Wahlen auf Twitter abspielen. Nicht nur, weil Donald Trump den Nachrichtendienst so gerne nutzt.

In der US-amerikanischen Öffentlichkeit ist Twitter längst einer der wichtigsten Schauplätze für Politik.

Wem ihr auf jeden Fall folgen solltet, ist das Portal „Five Thirtyeight“. Vom bereits erwähnten US-Statistiker Nate Silver. Dort werdet Ihr die ganze Zeit mit aktuellen Daten versorgt.

Eine deutsche Korrespondentin in den USA, die auch immer viel und aktuell twittert, ist Ann Meiritz. Sie arbeitet zurzeit fürs Handelsblatt.

Auch sehr zu empfehlen: Die US-Journalistin Ana Marie Cox, die auch sehr persönliche Eindrücke vom Wahlgeschehen twittert.

Bei Ana Marie Cox merkt man, wie belastend für viele diese Wahlen sind. Weil es um so viel geht.

„Nur weil ich Angst habe, heißt das nicht, dass ich irrational bin.“

Und hier in Deutschland solltet Ihr unbedingt der Journalistin Annika Brockschmidt folgen.

Die kennt sich hervorragend aus. Und postet zu ihrer eigenen Beruhigung und die ihrer Follower*innen immer wieder hübsche Hundefotos.

Dump Trump Platz #1

Dump-Trump-Parade

Aber nicht nur auf Twitter passiert viel zu den Wahlen in den USA, auch in den anderen sozialen Netzwerken.

Auf TikTok zum Beispiel haben viele ihrer Wut über Donald Trump musikalisch Luft gemacht.

Deswegen für Euch: die Top 3 der Dump-Trump-Parade!

Platz #3: Ravers United!

In seiner Rede zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli 2020 griff Donald Trump die „radikale Linke“ in den USA scharf an. Gleichzeitig griff er damit indirekt auch die „Black Lives Matter“-Bewegung an.

Und irgendjemand hat aus dieser gruseligen Rede in einen Rave-Track gebaut: den Trump Dystopian Techno.

Vielleicht nichts für ein breiteres Publikum. Aber der Beat knallt schon gut.


Platz #2: der perfekte Refrain

Diesen wunderschönen Klassiker kennt Ihr bestimmt: Bruce Channels Ein-Hit-Wunder „Hey! Baby“ von 1961.

Der Refrain lieferte die Vorlage für diesen Protest-Song. Achtung, Ohrwurm-Gefahr!


Und jetzt: Platz #1!

Schon seit ein paar Monaten geht dieser 80er-Hit auf TikTok herum: „Your Love“ von der britischen Pop-Band „The Outfield“.

Diese queere TikTok-Userin schrieb den Song ein wenig um.

Und hier stimmt einfach alles: böses Songwriting, herausragende Bühnen-Performance. Und ich liebe, wie sie das Mikro am Ende rotieren lässt.