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Fruchtfolgen – die Zukunft auf dem Acker - Aquakulturen

Wenn Andreas seine Fische nicht ordentlich füttert, kriegt er keine guten Tomaten. So ist das mit der Aquaponik, erklärt Aquakultur-Forscher Fabian Schäfer: Die Nitratausscheidungen der Fische düngen das Gemüse im Gewächshaus. Sind solche Symbiosen die Zukunft? Welche Rolle spielt dann eigentlich noch der klassische Karpfenteich?

Fischtomaten und Tomatenfische

Es gibt Fischtomaten und es gibt Tomatenfische. Aber weder schmecken die Fische nach Tomate noch die Tomaten nach Fisch. In einem Gewächshaus am Müggelsee wachsen beide Arten in einer künstlichen Symbiose miteinander auf. Noch sind solche Anlagen die Ausnahme.

Die Fische sind Tillapia, Buntbarsche, die in der Versuchsanlage in großen schwarzen Tanks schwimmen. Ihre Ammonium-Ausscheidungen laufen durch einen Biofilter, Bakterien zersetzen sie in Nitrite, dann in Nitrate. „Und dieses nitrathaltige Wasser leiten wir dann zu den Pflanzen herüber, die den Nährstoff für ihr Wachstum nutzen“, sagt der Fischbiologe Fabian Schäfer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin-Friedrichshagen. Das Ergebnis sind große Fleischtomaten mit festem Fruchtfleisch.

Teichwirtschaften sichern Biodiversität
Aquaponik nennt man diese besondere Art der Aquakultur, die in Deutschland bislang nur ein Nischendasein fristet. Die meisten Fische, die in Deutschland aus Aquakulturen kommen, wachsen in klassischen Teichwirtschaften auf. Die naturnahen offenen Aufzuchtanlagen sind für den Wissenschaftler Schäfer "Hotspots der Biodiversität", weil sich um die Teiche Ökosysteme gebildet haben, die natürlichen Gewässern ähneln.

Gut zu besichtigen ist das im Naturschutzgebiet "Booßener Teiche" bei Frankfurt (Oder), auf den ersten Blick eine Seenkette, die in einem idyllischen Bachtal liegt. Tatsächlich handelt es sich um künstliche Gewässer. Bis in die 1960er Jahre war dies eine einfache Ackerfläche. Dann übernahm die örtliche Fischereigenossenschaft das Areal und begann Teiche für die Karpfenzucht anzustauen. Jetzt leben hier wertvolle Amphibien, tummeln sich Fischotter, Eisvögel schwirren umher, ein Seeadlerpärchen lässt sich hin und wieder blicken.

Konflikte mit Naturschutz
Seit 2008 steht das Gelände unter Naturschutz. Zahlreiche Restriktionen machen dem Fischer Thomas Müller seither die Bewirtschaftung der von seinen Vorgängern erst geschaffenen Teichlandschaft schwer. Besonders die Forderung der Naturschutzbehörde, seine Teiche schon im zeitigen Frühjahr anzustauen, macht dem Teichwirt zu schaffen. Er soll damit den Rotbauchunken den nötigen Lebensraum verschaffen. Doch um die Zeit hat er noch keine Karpfenlarven zur Verfügung, die er einsetzen kann. Staut er zu früh, wachsen Wasserflöhe und andere Lebewesen zu schnell und würden den später eingesetzten Karpfen gefährlich werden. „Irgendwann ist das nicht mehr wirtschaftlich“. Mit der Konsequenz, dass er, wenn er seinen Betrieb aufgeben müsste, die Teiche überhaupt nicht mehr angestaut werden könnten.

Das Potenzial für offene Teichwirtschaften ist also zunehmend begrenzt. Im Gegensatz zu technisch aufwendigeren, geschlossenen Kreislaufsystemen. Sie wären nach Ansicht des Wissenschaftlers Fabian Schäfer überall dort sinnvoll, wo Abwärme anfällt, also kein besonders großer zusätzlicher Energieaufwand entsteht. Zum Beispiel in der Nähe von Kraftwerken oder Rechenzentren.

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