Fruchtfolgen | Zukunft der Tierhaltung © rbbKultur
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Fruchtfolgen – die Zukunft auf dem Acker - Zukunft der Tierhaltung

Fleisch aus industrieller Massentierhaltung kommt bei Andreas nicht auf den Grill – da macht er aus seiner Voreingenommenheit zu diesem Thema keinen Hehl. Aber welche Art von Tierhaltung hat 2050 noch eine Zukunft? Wie weit müssen Tierhaltung und Fleischkonsum bis dahin zurückgefahren werden, um sowohl dem Tierwohl als auch dem Klima gerecht zu werden?

Billigfleisch aus engen Ställen passt nicht zu den Forderungen nach mehr Klimaschutz und Tierwohl. Dennoch werden auch 2050 noch Rinder, Schweine oder Gänse aufgezogen. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie forschen daran, wie die künftige Balance zwischen Landschaft und Tierhaltung aussehen kann.

Warum das Grünland Rinder braucht

"An den moorigen Flussufern werden Wasserbüffel stehen, auf den Deichen die Schafe. Ich kann mir auch vorstellen, dass Schweine und Hühner in Obstplantagen herumlaufen werden."

Professor Klaus Wimmers leitet das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Rostock-Dummerstorf. Seine Vision einer Nutztierhaltung im Jahr 2050: Tiere beweiden Flächen, die sonst nicht für die Lebensmittelproduktion – etwa für den Getreideanbau - genutzt werden könnten und dienen zudem der Landschaftspflege.

Vor allem die Rinderhaltung ist in den letzten Jahren in den Ruf geraten, besonders klimaschädlich zu sein. Die Kühe stoßen während ihres Stoffwechsels Methan aus, ein Gas, das mehr als zwanzig Mal so klimaschädlich ist wie Kohlendoxid. Doch diese Tatsache sollte differenziert betrachtet werden, fordert der Wissenschaftler.

"Das Grünland können wir nur effektiv über den Einsatz von Wiederkäuern nutzen. Und da müssen wir sehen, wo ist die richtige Balance zwischen der Nutzung der uns zur Verfügung stehenden Flächen und dem Methanausstoß, den wir uns damit erlauben."

Tiere wollen beschäftigt werden

Im Idealfall stabilisiert die Rinderhaltung das Grünland auf oftmals mageren Böden. Durch die dadurch angeregte Wurzelbildung gelangt mehr Kohlenstoff in den Boden als ohne Weidehaltung. Das wirkt dem klimaschädlichen Methaneffekt entgegen.

Andererseits rechnet der Wissenschaftler damit, dass es auch noch in knapp 30 Jahren Ställe geben wird, die mit hochmoderner Sensorik ausgestattet sind und in dem sich Tiere wohlfühlen werden. Wimmers erwartet, dass diese Ställe in einer Symbiose mit der lebensmittelverarbeitenden Industrie existieren, so dass Lebensmittelreste und -abfälle aufbereitet und verwertet werden können. Fortschritte in der Digitalisierung und Automatisierung sorgen dafür, dass in den Ställen viel besser auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Tiers eingegangen wird. "Tiere mögen es, beschäftigt zu werden."

So trainieren Wissenschaftler seines Instituts Rinder mit Belohnungen, damit die Tiere ihren Harn nur in einer bestimmten Ecke des Stalls absetzen und dieser nicht mit Kot vermischt wird. Damit soll die Bildung von Ammoniak unterdrückt werden. Ammoniak trägt zur Nitratbelastung von Äckern und Gewässern bei, indem Bakterien die giftige Verbindung zu Stickoxyden zersetzen. Dabei entsteht unter anderem auch Lachgas (N2O), das noch deutlich klimaschädlicher als Methan ist.

Prof. Klaus Wimmers © nordlicht/FBNNutztierbiologe Klaus Wimmers

"Der Dung gehört auf die Felder"

Grundsätzlich aber meint Klaus Wimmers, dass der Dung der Tiere auf die Felder gehört und künstlicher Mineraldünger reduziert werden muss. Problematisch seien Gebiete mit intensiver Nutztierhaltung, wo zu viel Dung auf zu kleiner Fläche ausgebracht wird. "Das muss anders verteilt werden." Eine intelligentere Fütterung und angepasste Zucht könnten Schadstoffeinträge in die Umwelt reduzieren. Wimmers fordert ein Denken "weg von der Futtereffizienz – wieviel Kilo Futter führt zu wieviel Kilo Zuwachs – hin zu einer Nährstoffeffizienz".

Eine von vielen Teilen der Gesellschaft – zuletzt auch von der Kommission zur Zukunft der Landwirtschaft - geforderte Reduzierung des Fleischkonsums sei unvermeidlich mit Blick auf die globalen Umwelt- und Versorgungsprobleme. Hierzulande werde sich diese Reduzierung mit veränderten Essgewohnheiten ohnehin einstellen, meint Prof. Wimmers. Nach seiner Vorstellung wird der Anteil von Algen, Fisch und Insekten auf der Speisekarte steigen.

Fred Pilarski, rbb Regionalstudio Frankfurt (Oder)

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