Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier wird nicht nur debattiert, hier wird auch zusammen nachgedacht. Über alles, was unser Miteinander betrifft. Bildung, Digitalisierung, Demokratie, Einsamkeit, Freiheit, Klima, Kultur, Städtebau, Visionen - die Themen liegen in der Luft, nicht erst, aber besonders deutlich seit der Corona-Pandemie. Jede Folge widmet sich einer Frage unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht jeweils mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch, aber nie abgehoben. Persönlich, aber nicht privat. Kritisch und konstruktiv. Hier soll es nicht knallen, sondern knistern. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

Mobiles Arbeiten in einem Coworking Space (Café) in Berlin © picture alliance/Robert Schlesinger
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Zurück ins Büro? - Schöne mobile Arbeitswelt

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Stefan Camenzind und Teresa Hertwig -- „Mein Chef will, dass wir jetzt wieder alle ins Büro kommen.“ – Seitdem die Home-Office Pflicht entfallen ist, hört man diesen Satz immer häufiger. Doch Studien zeigen, dass viele Menschen die gewonnene Flexibilität durch mobiles Arbeiten nicht aufgeben möchten. Komplett auf das Büro verzichten, möchten aber auch die wenigsten. Wie also müssen das Büro und die Arbeit der Zukunft aussehen? Müssen Büros neue Spielräume für kreatives Denken und Teamwork werden? Braucht hybrides Arbeiten klare Regeln, damit Führungskultur und Zusammenarbeit gelingen? -- Stefan Camenzind ist Architekt in Zürich. Dort hat sein Büro Evolution Design die Niederlassung des Tech-Konzerns Google entworfen, die 2008 eröffnet wurde – inklusive Rutschbahn, Iglu-Büros, Seilbahngondeln und Feuerwehrstangen. Er steht für mitarbeiter- und bedürfnisorientiertes Planen und sagt, das wichtigste Objekt im Büro sei die Selbstbestimmung. -- Teresa Hertwig ist Coach und Trainerin für hybrides und mobiles Arbeiten. Mit ihrer Beratungsagentur GetRemote unterstützt sie Unternehmen dabei, eine nachhaltige hybride Arbeitskultur zu etablieren. In ihrem jüngst erschienen Buch „Produktivität braucht kein Büro“ (Gabal Verlag) beschreibt sie, wie Unternehmen sich mit hybridem Arbeiten zukunftssicher aufstellen können. Dabei brauche es neben Vertrauen auch klare Regeln. -- Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kritik per Mail an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Schülerin Lúcia Conzane hört mit einem Pinard-Rohr die Herztöne eines Ungeborenen ab © dpa/Franziska Gabbert
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Wie bekommen wir unsere Kinder? - Hebammen am Limit

Die Debatte mit Natascha Freundel, Maren Eißmann und Kirsten Kappert-Gonther --- "Es ist grausam, triagieren zu müssen." Maren Eißmann --- Jeder Mensch wird geboren, jede Gebärende sollte dabei so gut wie möglich begleitet werden. Geburtshilfe ist ein uraltes Handwerk. Das Hebammenwesen soll in die UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Doch die Praxis der Geburtshilfe sieht in einigen deutschen Kliniken dramatisch aus. Oft müssen Hebammen im Kreißsaal drei Gebärende gleichzeitig betreuen. Zu häufig werden aus Geburten Operationen. Hebamme ist ein Traumberuf, der im deutschen Gesundheitswesen krank machen kann, so dass auch hier – wie überall in der Pflege - eklatanter Personalmangel herrscht. Die Berliner Hebamme Maren Eißmann hat sich mit einem Hilferuf an uns gewandt. Die Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther, derzeit amtierende Vorsitzende im Gesundheitsausschuss des Bundestags, erklärt: eine Kulturwandel ist notwendig und möglich. --- Mehr Infos zu den Gästen unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Wir freuen uns über Ihre Kritik und Anregungen: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Anna Netrebko tritt bei einem Konzert zu ihrem 50. Geburtstag im Staatlichen Kremlpalast auf © picture alliance/dpa/epa Tass/Vladimir Gerdo
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Kultur gegen Krieg - mit Boykott?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Kateryna Mishchenko und Sergej Newski --- Wiederholung vom 17.3.2022 --- "Wir brauchen eine Revision der deutschen Kulturpolitik." Kateryna Mishchenko --- Russland führt Krieg gegen die Ukraine, die Welt sortiert sich neu, auch in Kultur und Wissenschaft. Langjährige Beziehungen zu Russland in Kunst und Forschung werden abgeschnitten oder "auf Eis gelegt". In Russland stand die Kooperation unabhängiger Vereine oder Medien mit westlichen Organisationen schon vor dem Krieg auf dem Index. Die Ukraine reagiert auf den Krieg mit einem Boykott russischer Bücher und Haftstrafen für die Zusammenarbeit mit russischen Institutionen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeiten momentan nicht mehr mit russischen Universitäten und Museen zusammen. Konzerthäuser trennen sich von russischsprachigen Musiker:innen, und treffen manchmal auch diejenigen, die sich entschieden gegen den Krieg aussprechen. Wo und wie finden Kultur und Forschung gegen Putin zusammen? Die ukrainische Verlegerin und Essayistin Kateryna Mishchenko sagt, die Boykotte seien auch Aufforderungen, zu einem "Reality Check" bisheriger Beziehungen zu Russland. Der aus Moskau stammende Komponist Sergej Newski meint, alle russischen Intellektuellen seien gegen den Krieg. Es brauche neue Räume in Europa für geflohene Kulturschaffende und Putin-Gegner aus der Ukraine, Belarus und Russland. --- Mehr Infos zu den Gästen unter: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Schreiben Sie uns gern direkt an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Ostermarsch 2021 "Abrüsten statt Aufrüste" © dpa/Bernd Thissen
dpa/Bernd Thissen

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Liana Fix und Tilman Brück - Hat der Pazifismus ausgedient?

"Pazifismus darf kein Unterwerfungspazifismus werden." – Liana Fix, Körber Stiftung

"Wir kommen nicht mit sauberen Händen aus dieser Sache." – Mit dieser Feststellung erteilte Robert Habeck kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine dem radikalen Pazifismus eine Absage: Eine gewaltfreie Lösung ist ausgeschlossen, wer zuschaut, macht sich schuldig. Hat der Pazifismus also ausgedient? Und was will der Pazifismus genau? Womöglich lässt sich durch einen Ziel-Pazifismus Gewalt sogar legitimeren, wenn sie dazu dient, Frieden zu stiften. Vielleicht kann das Ideal eines "ewigen Friedens" nach Kant auch dafür sorgen, eine Spirale der Gewalt zu verhindern. Was kommt nach dem Krieg, wie erreichen wir Frieden und mit welchen Mitteln wollen wir ihn nachhaltig sichern?

"Auch mit unterlassener Hilfeleistung kann man sich schuldig machen. Das heißt, Pazifismus darf nicht auf die Kosten des Opfers gehen. Pazifismus soll sich natürlich auch gegen den Täter richten, aber er darf nicht zu einem Unterwerfungs-Pazifismus werden." Liana Fix, Körber Stiftung

"Pazifismus ist die Kunst, Frieden zu schaffen. Weder erfordert er per se den kompletten Verzicht auf Gewalt, noch bietet die Wissenschaft eindeutige Empfehlungen, wie Frieden geschaffen werden kann. Und für mich ist Pazifismus das Ziel, Regeln zu schaffen, die wirken, die effektiv sind, aber die auch sanktioniert werden können." Tilman Brück, International Security and Development Center

Wir freuen uns über Ihre Anregungen, Gedanken und Kritik per Mail an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Frau läuft auf dem Kurfürstendamm an schlafendem Obdachlosen vorbei © picture alliance/AP/Michael Sohn
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Was heißt hier wohnfähig? – Wege aus der Obdachlosigkeit

Die Debatte mit Carla Spangenberg, André Hoek und Katja Kipping -- „Ich habe mich in den U-Bahnhof gesetzt, mit einem Becher vor den Füßen – und da wurde ich plötzlich unsichtbar.“ – André Hoek, ehemaliger Obdachloser. -- Unsichtbar und immer da: Obdachlose gehören zum Berliner Stadtbild, erleben in ihrem Alltag immer wieder gesellschaftliche Ausgrenzung. Berlin hat sich ein großes Ziel gesteckt: Bis 2030 soll Obdachlosigkeit in Berlin beendet sein. Das Prinzip „Housing First“ soll als Möglichkeit dienen, die Menschen von der Straße zu holen: Sie bekommen zunächst eine Wohnung, egal ob sie drogen- oder alkoholabhängig sind, um von dort aus mit Unterstützung zurück ins Leben zu finden. Mit dem ehemaligen Obdachlosen André Hoek und Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping gehen wir den Fragen nach: Wie empfinden Obdachlose die gesellschaftliche Ausgrenzung? Wie funktioniert „Housing First“ und ist es realistisch, dass in Berlin bis 2030 niemand mehr auf der Straße lebt? -- André Hoek, geborener Berliner, war in den Jahren 2016/2017 obdachlos in Berlin. Vor seiner Obdachlosigkeit hatte er ein erfolgreiches und finanziell abgesichertes Leben als Webdesigner. Trennung, Krankheit und Depressionen führten ihn auf die Straße. In seinem Podcast „Unter freiem Himmel“ berichtet er vom Alltag auf der Straße, den Problemen in Notunterkünften und auch wie er es geschafft hat, von der Straße wegzukommen. Dafür wurde er 2021 mit dem Deutschen Podcast Preis ausgezeichnet in der Kategorie „Best Independent Podcast“. -- Katja Kipping (Die Linke), geboren 1978 in Dresden, ist seit 2021 die Berliner Sozialsenatorin. Von ihrer Vorgängerin Elke Breitenbach übernimmt sie das Vorhaben, Obdachlosigkeit in Berlin bis 2030 zu beenden. Vor ihrer Zeit in der Berliner Landespolitik war sie 16 Jahre lang Mitglied der Linksfraktion im Bundestag und deren sozialpolitische Sprecherin. Von 2012 bis 2021 war sie Parteivorsitzende der Partei Die Linke. -- Ihre Anregungen und Kritik gerne an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Tanya Nedashkivs'ka trauert um ihren Mann an der Stelle, an der er begraben wurde. © picture alliance/dpa/AP/ Rodrigo Abd
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Das Leiden anderer betrachten

Die Debatte mit Natascha Freundel, Mischa Gabowitsch und Inga Pylypchuk --- "Wie lebt man nach dem, was man da gesehen hat?" - Inga Pylypchuk --- Krieg bedeutet brutale Gewalt, Tod, Entmenschlichung. Das bezeugen die Kriegsbilder, die uns derzeit aus der Ukraine heimsuchen. Charkiw, Mariupol, Bucha – entsetzliche Fotos und Videos von dort landen auf unseren Bildschirmen. Was bedeutet es, das Leiden anderer zu betrachten? Darüber hat die Autorin und Regisseurin Susan Sontag vor zwanzig Jahren geschrieben: „Solche Bilder können nicht mehr sein als eine Aufforderung zur Aufmerksamkeit, zum Nachdenken, zum Lernen.“ Und: zum Handeln. „Es ist die Passivität, die abstumpft.“ Ein Austausch über die Wirkung der Kriegsbilder, über Mitgefühl und aktives Reagieren in der Zivilgesellschaft. --- Inga Pylypchuk, geboren 1986 in Kyjiw, ist Journalistin und Dokumentarfilmerin in Berlin. Sie hat Germanistik und Moderne Griechische Philologie in Kyjiw studiert. 2011 absolvierte sie einen Masterstudiengang in Vergleichender Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin und 2013 ein Volontariat an der Axel Springer Akademie für Journalismus. Seit 2020 studiert sie an der Berliner Filmschule „filmArche“ und arbeitet als Kommunikationsmanagerin der Kyjiwer Gespräche, einer unabhängigen Plattform für den deutsch-ukrainischen Dialog. --- Mischa Gabowitsch, geboren 1977 in Moskau, ist Zeithistoriker und Soziologe. Er studierte in Oxford und Paris und promovierte an der Pariser Ecole des hautes études en sciences sociales (Hochschule für Sozialwissenschaften, EHESS) über den russischen Nationalismus. Gabowitsch hat an der Princeton University unterrichtet und ist seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Einstein Forum in Potsdam. Er ist Autor von „Putin kaputt!? Russlands neue Protestkultur“ (Suhrkamp 2013) und „Protest in Putin’s Russia“ (Polity Press 2016) --- Mehr Infos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke
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Ukrainischer Soldat am Strand von Odessa mit Katze © picture alliance / ZUMA Press/ Ukrainian Military Defense
picture alliance / ZUMA Press/ Ukrainian Military Defense

Männlichkeit in der Krise - Männer im Krieg

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Tobias Haberl und Malcolm Ohanwe -- "Wer hat denn die Männer gekränkt? Das waren doch meist andere Männer und nicht die 'anstrengenden' Feministinnen." - Malcolm Ohanwe -- Traditionell geprägte Männer fühlen sich gekränkt und missverstanden, sind orientierungslos in einer sich wandelnden, zunehmend gleichberechtigten Welt – so eine These in Tobias Haberls Buch "Der gekränkte Mann". Vielleicht aber schadet die sogenannte "toxische Männlichkeit" dem Mann sogar mehr als seinem Umfeld. Oder gibt es gute Gründe, an vermeintlich männlichen Eigenschaften festzuhalten? Womöglich verwirft Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine das Bild des gefühlvollen, verletzlichen, selbstkritischen Mannes, das auf dem Vormarsch war. Weckt die Zeitenwende dieses Kriegs wieder Werte, die als überholt galten, wie Wehrhaftigkeit, Stärke oder Heldentum? -- Anregungen und Kritik gerne an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Carnegie Hall box office: Gergiev dirigiert nicht die Wiener Philharmoniker © picture alliance / NDZ/STAR MAX/IPx
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Kultur gegen Krieg - mit Boykott?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Kateryna Mishchenko und Sergej Newski --- "Wir brauchen eine Revision der deutschen Kulturpolitik." Kateryna Mishchenko --- Russland führt Krieg gegen die Ukraine, die Welt sortiert sich neu, auch in Kultur und Wissenschaft. Langjährige Beziehungen zu Russland in Kunst und Forschung werden abgeschnitten oder "auf Eis gelegt". In Russland stand die Kooperation unabhängiger Vereine oder Medien mit westlichen Organisationen schon vor dem Krieg auf dem Index. Die Ukraine reagiert auf den Krieg mit einem Boykott russischer Bücher und Haftstrafen für die Zusammenarbeit mit russischen Institutionen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeiten momentan nicht mehr mit russischen Universitäten und Museen zusammen. Konzerthäuser trennen sich von russischsprachigen Musiker:innen, und treffen manchmal auch diejenigen, die sich entschieden gegen den Krieg aussprechen. Wo und wie finden Kultur und Forschung gegen Putin zusammen? Die ukrainische Verlegerin und Essayistin Kateryna Mishchenko sagt, die Boykotte seien auch Aufforderungen, zu einem "Reality Check" bisheriger Beziehungen zu Russland. Der aus Moskau stammende Komponist Sergej Newski meint, alle russischen Intellektuellen seien gegen den Krieg. Es brauche neue Räume in Europa für geflohene Kulturschaffende und Putin-Gegner aus der Ukraine, Belarus und Russland. --- Mehr Infos zu den Gästen unter: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Schreiben Sie uns gern direkt an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Stand with Ukraine - Stop Putin now – steht uf einem Banner bei eine Protest in Krakow gegen die russische Invasion in die Ukraine © imago images/Filip Radwanski
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#StopPutinNOW - Aber wie?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Sabine Fischer und Jens Siegert --- "Ohne innere Veränderung in Russland geht es nicht." Jens Siegert --- Für Kriege gibt es selten gute Gründe. Russlands Krieg gegen die Ukraine ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Hintergründe bleiben unklar, die Folgen sind unübersehbar: unschuldige Menschen, auch Kinder, werden vertrieben, verletzt, ermordet. Ukrainische Städte werden beschossen, auch Wohnhäuser, Krankenhäuser, Kindergärten. Westliche Sanktionen isolieren Russland zunehmend, vor allem wirtschaftlich. Die Menschen in der Ukraine und in Russland sind zu Geiseln dieses Kriegs geworden. Internationale Proteste auf den Straßen und im Netz fordern: #StandWithUkraine, #StopRussia, #StopPutinNOW. - But how? Aber wie? Ein Gedankenaustausch mit den Politikwissenschaftlern Sabine Fischer (SWP) und Jens Siegert (Moskau) über Möglichkeiten und Grenzen militärischer Strategien, auch von westlicher Seite, über zivilen Ungehorsam und Widerstand in Russland und über den Vorschlag einer ukrainischen Exilregierung in Berlin. --- Sabine Fischer: "Für uns im sogenannten Westen hängt jetzt so unglaublich viel davon ab, wie lange die Ukraine, die Regierung, die Streitkräfte, die Gesellschaft, diesen Kampf durchhält. Wie weit Russland in der Lage sein wird, seine Ziele umzusetzen, die sich eben nicht nur auf die Ukraine richten, sondern letztendlich auf die europäische Sicherheitsordnung, auf die Weltordnung. Wir sind von dem Durchhaltevermögen der Ukraine abhängig, das mit Blut bezahlt wird, das kann man gar nicht genug betonen. Gleichzeitig kann sich die Nato nicht auf diese Flugverbotszone einlassen. Denn das bedeutet einfach einen direkten Kriegseintritt der Nato." --- Jens Siegert: "Putin ist derjenige, der letztendlich bestimmt: geht dieser Krieg weiter oder geht er nicht weiter? Das ist auch das Dilemma der Sanktionen. Die Sanktionen machen eigentlich nur Sinn, wenn sie auf Putin Druck ausüben, dass er sagt: dieser Krieg ist mir zu teuer geworden, zu teuer in in vielerlei Hinsicht. Ich meine damit nicht nur Geld, sondern auch tote Soldaten, die öffentliche Meinung. Das war auch schon 2014 so, das war schon im Donbass so, bei den damaligen Sanktionen. Letztendlich hat der Schlüssel, das zu beenden, immer bei Putin gelegen." --- Mehr Infos unter rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken zur Debatte gern direkt an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Ukraine-Krieg. Natali Sewriukowa steht neben ihrem Haus nach einem Raketenangriff © picture alliance/dpa/AP/Emilio Morenatti
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Putins Krieg gegen die Ukraine - Kommt ein neues Europa?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Juri Andruchowytsch und Werner Schulz --- "Sprechen wir über die Ukrainisierung Europas." Juri Andruchowytsch --- "Zusammen sind wir viele! Uns kann man nicht besiegen!" So schallte es im Winter 2004 über den Unabhängigkeitsplatz in Kyiw. Die Zeilen aus der inoffiziellen Hymne der Organgenen Revolution sind aktueller denn je – Kyiw, das Herz der Ukraine, kämpft wie das ganze Land ums Überleben und gegen Putins irrationalen, zynischen, verbrecherischen Angriffskrieg. Der Schriftsteller Juri Andruchowytsch erklärt aller Welt seit über 20 Jahren, dass die Ukraine zu Europa gehört und für die europäischen Werte kämpft. Der Politiker Werner Schulz (Die Grünen) warnt mindestens ebenso lang vor naiver Appeasement-Politik gegenüber Wladimir Putin. Wie beurteilen sie die gegenwärtige Situation in der Ukraine und die Kehrtwende der deutschen Regierung in Sachen Waffenlieferungen und Aufrüstung? Ein Gespräch über falsche und berechtigte Hoffnungen, über Korruption und ihr Ende in Europa, über die Bedeutung von EU und Nato für die Ukraine und über die Ahndung der Kriegsverbrechen von Putin und seinen Gefolgen. --- Mehr Infos unter: rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken, Kommentare und Kritik direkt an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Berlin: Ein Bild von Karl Marx als Streertart auf einer Mauer. © Wolfram Steinberg/dpa
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Marx heute – Was tun gegen Armut?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Mathias Greffrath und Ulrike Herrmann --- "Marx war kein Moralist." Ulrike Herrmann --- Ein Gespenst geht um in Europa. Es trägt den Namen Karl Marx und taucht auch nach dem Ende des Marxismus-Leninismus und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs immer wieder auf: Aktuell in einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum über „Marx und den Kapitalismus“. Die Wirtschaftsexpertin der TAZ, Ulrike Herrmann und der freie Autor Matthias Greffrath erklären, warum Marx bis heute einzigartig in seiner Analyse der Dynamik des Kapitalismus ist, wo er seiner Zeit weit voraus war und wo er völlig falsch lag. - Um die soziale Ungleichheit heute in Deutschland zu verstehen, muss man aber nicht Marx lesen, betont Ulrike Herrmann: Dafür sei eine Politik verantwortlich, die dem Irrglauben folgt, "wenn man arm ist, wird man reich; wenn ganz viele Menschen wenig Geld verdienen, dann werden alle reicher." - Für Mathias Greffrath bleibt die Herausforderung, "eine Gesellschaft so zu organisieren, dass sie nicht gegen die Naturgesetze verstößt und zugleich menschenwürdig ist; dass alle genug Raum haben, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln und nicht nur zehn Prozent und die anderen nicht. Das ist nach wie vor eine Zielbestimmung, die mit dem Kapitalismus nicht zu erreichen ist, die aber komischerweise von sehr vielen Menschen in der Welt geteilt wird." --- Lesetipps: Mathias Greffrath (Hrsg.): "Re: Das Kapital. Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert“ (Verlag Antje Kunstmann, 2017) - Ulrike Herrmann: "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie - und was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können" (Piper Verlag, 2018) --- Mehr Infos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Wir freuen uns über Ihre Kommentare unter: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Russland und die deutsche Ostpolitik - Deutsch-Russische Fassung

Die Debatte mit Natascha Freundel, Irina Prochorowa und Thomas Urban --- "Um Russland zu verstehen, muss man aufhören, es als exotisches Land zu betrachten, in dem die unglaublichsten Dinge geschehen." Irina Prochorowa -- Russlands massive Militäroperationen an der Grenze zur Ukraine haben die Welt in Aufruhr versetzt: Droht ein neuer Krieg mitten in Europa? Oder ist das nur heftiges Säbelrasseln, womöglich nicht nur von russischer Seite? Die Beziehungen zwischen Russland und "dem Westen" haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wir sprechen mit der Verlegerin Irina Prochorowa in Moskau und dem Journalisten und Autor Thomas Urban in Warschau darüber, wie die russische Bevölkerung auf Putins Aggression gegenüber der Ukraine blickt und wo die größten Fehler in der deutschen Ostpolitik liegen. Ist es möglich, eine neue gemeinsame Sprache des Humanismus zu finden? Das sei dringend nötig, sagt Irina Prochorowa, denn der Autoritarismus ist kein Problem allein von Russland. -- Mehr Infos zu den Gästen unter: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke ----- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken an: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Bundeskanzler Scholz und Präsident Putin in Moskau © Kay Nietfeld/dpa
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Russland und die deutsche Ostpolitik

Die Debatte mit Natascha Freundel, Irina Prochorowa und Thomas Urban --- "Um Russland zu verstehen, muss man aufhören, es als exotisches Land zu betrachten, in dem die unglaublichsten Dinge geschehen." Irina Prochorowa -- Russlands massive Militäroperationen an der Grenze zur Ukraine haben die Welt in Aufruhr versetzt: Droht ein neuer Krieg mitten in Europa? Oder ist das nur heftiges Säbelrasseln, womöglich nicht nur von russischer Seite? Die Beziehungen zwischen Russland und "dem Westen" haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Wir sprechen mit der Verlegerin Irina Prochorowa in Moskau und dem Journalisten und Autor Thomas Urban in Warschau darüber, wie die russische Bevölkerung auf Putins Aggression gegenüber der Ukraine blickt und wo die größten Fehler in der deutschen Ostpolitik liegen. Ist es möglich, eine neue gemeinsame Sprache des Humanismus zu finden? Das sei dringend nötig, sagt Irina Prochorowa, denn Autokratie ist kein Problem allein von Russland. -- Mehr Infos zu den Gästen unter: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke ----- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken an: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Die Künstler der Brücke im kolonialen Kontext im Brücke-Museum Berlin © Fabian Sommer/dpa 
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Kunst und Kolonialismus. Zum Beispiel "Brücke"

Die Debatte mit Natascha Freundel, Ibou Coulibaly Diop und Andreas Kilb --- "Kunst, wenn sie keine Hofkunst ist, kann immer ein Moment der Utopie enthalten." Andreas Kilb --- "Längst überfällig!", "Ich bin von diesem Tribunal entsetzt!", "Großartig kontextualisierende Ausstellung!", "Ideologisch verkorkst, kaum besser als die Nazis!", "Was ist die Freiheit der Kunst?" Die Einträge im Gästebuch zur Ausstellung "Whose Expression?" im Berliner Brücke-Museum zeigen, wie sehr diese Schau polarisiert. Erstmals werden die Expressionisten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff in den Kontext des deutschen Kolonialismus gestellt. Schon jetzt – anderthalb Monate nach ihrer Eröffnung – zählt die Ausstellung mehr als doppelt so viele Besucher wie die letzte Schau im Brücke-Museum vor der Corona-Pandemie. Waren die Mitglieder der "Brücke"-Gruppe, die das "Ursprüngliche", die „Einheit von Mensch und Natur“ suchten, kolonialistische Künstler, die sich das Fremde aneigneten, ohne sich für dessen Kultur und Würde zu interessieren? Müssen wir so weit gehen zu sagen: Ohne Kolonialismus kein Expressionismus? Wieso werden heute Werktitel umbenannt? Und finde Dekolonisierung nur in Museen statt? -- Andreas Kilb, Kulturredakteur der FAZ, betont die Freiheit und emanzipatorische Kraft der Kunst, gerade in den Werken der "Brücke". -- Ibou Coulibaly Diop, Literaturwissenschaftler und Dekolonisierungsexperte, wünscht sich neue Erzählungen, die verschiedene Perspektiven gleichwertig aufeinander beziehen: "Erzählungen, die unsere Gesellschaften so erzählen, wie sie sein sollten, und nicht nur wie sie sind". --- Mehr Infos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke --- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Land am Rand? Die Ukraine und Putins Machtpoker

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Andrii Portnov und Marieluise Beck Ein Land am Rand - so wird die Ukraine oft wahrgenommen. Doch sie liegt mitten in Europa und ist so groß wie Frankreich, Belgien und die Niederlande zusammen. Ihre staatliche Souveränität ist permanent bedroht. Für Russlands Präsident Putin gibt es keine ukrainische Nation. Mit der Krim-Annexion 2014 und dem Krieg im Donbass hat er seine geopolitischen Ansprüche unmissverständlich gezeigt. Nun droht eine neue Eskalation im Russland-Ukraine-Krieg. Wie blicken die Ukrainerinnen und Ukrainer selbst auf Russland und Europa? Ist die Ukraine nur ein Spielfeld in Putins Machtpoker? Was erwarten die Ukrainer vom Westen und besonders von Deutschland? "Wir sollten uns auch fragen, was die EU und Deutschland durch einen eventuellen Verlust der Ukraine verlieren könnten. Wir denken häufig zuerst daran, dass die Beziehungen zu Russland und Putin dann schlechter wären. Aber was würde es bedeuten, wenn tatsächlich die Ukraine als Land vollkommen zerstört wäre? Die Ukraine ist ein Labor für kulturelle und politische Vielfalt mitten in Europa." - Andrii Portnov, Professor für Entangled History of Ukraine an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/ Oder. "Die Ukraine ist in den letzten Jahren förmlich aufgeblüht. Die Menschen in der Ukraine verstehen, dass Putins Russland schwer ist, dass es langsam ist. Deswegen ist die Entschiedenheit der Ukrainer, sich nicht wieder unter das Dach Russlands zu begeben, in den letzten sieben Jahren sehr gewachsen. Dazu gehört auch eine klare Westorientierung." - Marieluise Beck, ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete und Gründerin des Zentrums für Liberale Moderne. Schreiben Sie uns Ihre Anregungen, Gedanken und Kritik an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Transparent: Keine Ruhe den NS-Tätern © Oliver Berg/dpa
Oliver Berg/dpa

Die "Wannsee-Konferenz" - 80 Jahre später (3/3): Die letzten NS-Prozesse

Die Debatte mit Natascha Freundel, Ronen Steinke und Thomas Walther -- "Die Mühlen der Justiz mahlten Jahrzehnte in die verkehrte Richtung oder unter Umständen gar nicht." Thomas Walther -- Noch können sie juristisch befragt und mit den Erinnerungen der Überlebenden und Opferfamilien konfrontiert werden: etwa die 96-jährige Irmgard F., die Sekretärin des Kommandanten im KZ Stutthof war und nun in Itzehoe vor Gericht steht, oder der 101-jährige Josef S., der Wachmann im KZ Sachsenhausen war und sich derzeit vor dem Landgericht Neuruppin verantworten muss. Wofür stehen diese absehbar letzten Verfahren gegen NS-Täter? Versucht die deutsche Justiz, jahrzehntelange Versäumnisse wettzumachen? Welche neuen Erkenntnisse gewinnen wir aus diesen Gerichtsprozessen, und müssen die ganz Alten nachsichtiger behandelt werden? -- Im zweiten Teil unserer Reihe sprechen die Juristen Thomas Walther und Ronen Steinke über die aktuellen Prozesse und die jahrelange, auch juristische Vertuschung und Verdrängung der nationalsozialistischen Massenmorde. Die wichtigsten Etappen der juristischen Aufarbeitung sind ebenso Thema wie das "Feigenblatt" (Thomas Walther) der "Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen" in Ludwigsburg. -- Ronen Steinke, 1983 in Bayern geboren, ist promovierter Jurist, Autor und Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“. Von ihm stammt die Biografie "Fritz Bauer, oder: Auschwitz vor Gericht" (Piper, 2013) über die Geschichte des jüdischen Generalstaatsanwalts, der in den 1960er-Jahren den großen Frankfurter Auschwitz-Prozess initiierte. 2020 erschien seine Streitschrift "Terror gegen Juden: Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt", in der Ronen Steinke auch sein eigenes Aufwachsen in der jüdischen Gemeinde hinter hohen Zäunen und Wachleuten thematisiert. -- Thomas Walther, Jahrgang1943, ist Rechtsanwalt. Er war Richter und Staatsanwalt in Bayern. 2006 wechselte er zur "Zentralen Stelle" in Ludwigsburg, wo er maßgeblich am Erfolg des Strafverfahrens gegen John Demjanjuk von 2009 bis 2011 in München beigetragen hat. Auch nach seiner Pensionierung setzt Walther seinen Einsatz auf der Suche nach später Gerechtigkeit für die Opfer und für die Bestrafung noch lebender NS-Täter fort: als Anwalt von Opferfamilien sowie mit Recherchen zu möglichen Zeugen der Mordaktionen in den Konzentrationslagern. In den Prozessen gegen die früheren SS-Männer Oskar Gröning am Landgericht Lüneburg 2015 und Reinhold Hanning 2016 in Detmold vertrat er jeweils mehr als 30 Nebenkläger. Derzeit vertritt er zahlreiche Nebenkläger in einem Verfahren gegen Imgard F., die Chefsekretärin des Lagerkommandanten des KZ Stutthof, und in einem weiteren Prozess gegen Josef S., einen Wachmann der SS im KZ Sachsenhausen bei Berlin. -- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken, Anregungen, Kritik direkt an: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Johannes Spohr © Susanne Hakuba
Susanne Hakuba

Die "Wannsee-Konferenz" - 80 Jahre später (2/3): Der Täter in meiner Familie

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Alexandra Senfft und Johannes Spohr -- "Schweigen ist nicht immer Gold, sondern Gift und kann mitunter auch einer Komplizenschaft gleichkommen“ – Alexandra Senfft. -- 80 Jahre ist es her, dass Funktionäre der nationalsozialistischen Regierung und Verwaltung in einer Villa am Wannsee zusammenkamen, um die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ zu besprechen. Zum Jahrestag der "Wannsee-Konferenz" schauen wir in einer dreiteiligen Reihe darauf, wie es heute um die Erinnerung und Aufarbeitung der Shoa und der Verbrechen der deutschen Vernichtungskriegs steht. -- Im zweiten Teil dieser Reihe geht es um die Aufarbeitung von NS-Täterschaft in der Familiengeschichte. Häufig wird die Schuld von Vorfahren verschwiegen oder umgedeutet. Meist dauert es bis zur Enkelgeneration, dass Schuld aufgearbeitet wird. Haben NS-Nachfahren die Pflicht, die Schuld in ihrer Familie aufzuarbeiten? Und wie können sie dabei vermeiden, sich selbst als Opfer der Geschichte darzustellen? -- Alexandra Senfft, geboren 1961 in Hamburg, ist Autorin und Publizistin. Ihr Großvater Hanns Ludin war Hitlers Gesandter in der Slowakei und dort an der Judenverfolgung beteiligt. 1947 wurde er als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und in Bratislava hingerichtet. In ihrem Roman „Schweigen tut weh“ (Ullstein, 2008) beschreibt Alexandra Senfft ihre Auseinandersetzung mit der unverarbeiteten Vergangenheit ihrer Familie. Senfft ist 2. Vorsitzende des Arbeitskreises für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH -- Johannes Spohr, geboren 1982 in Lübeck, ist Historiker und freier Journalist. Er ist der Enkel des Wehrmachtsoffiziers Rudolf Spohr, über dessen Vergangenheit er seit Jahren recherchiert. Er betreibt den Archivrecherchedienst „present past“ in Berlin, der auf Recherchen zum Nationalsozialismus in Familie und Gesellschaft spezialisiert ist. -- Schreiben Sie uns Ihre Anregungen und Kritik an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Haus der Wannseekonferenz © Annette Riedl/dpa
Annette Riedl/dpa

Die "Wannsee-Konferenz" - 80 Jahre später (1/3): Erinnerungskultur in Deutschland und Russland heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Irina Scherbakowa und Michael Wildt -- Am 20. Januar 1942 kamen fünfzehn hochrangige Funktionäre der nationalsozialistischen Regierung und Verwaltung in einer Villa am Wannsee zu einer morgendlichen Besprechung über die "Endlösung der Judenfrage" zusammen. Zumeist Staatssekretäre – aus dem Justiz- und Innenministerium, dem Auswärtigem Amt, aus Partei- und Reichskanzlei –, Vertreter der Besatzungsverwaltungen in Polen und dem Baltikum sowie SS-Funktionäre, erstellten unter der Leitung von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamts, einen Plan zur Koordinierung des Genozids an den Juden, der schon im Herbst 1939 begonnen hatte. Protokoll führte SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, Referent für "Judenangelegenheiten". -- Die Vernichtung der europäischen Juden nahm seit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 staatlich organisierte, systematische Form an. Nicht zufällig ist von einem "Vernichtungskrieg" der Wehrmacht im Osten die Rede: dem historisch beispiellosen Feldzug gegen den "jüdischen Bolschewismus" fielen rund 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer, vor allem auf dem Gebiet der Ukraine und Belarus, davon knapp die Hälfte Soldaten. -- Im ersten von drei Teilen unserer Reihe zum 80. Jahrestag der "Wannsee-Konferenz" beleuchten wir, wie unterschiedlich der Vernichtungskrieg heute in Deutschland und Russland erinnert wird. -- Warum bezieht sich die Erinnerungskultur an den deutsch-sowjetischen Krieg hierzulande vor allem auf Russland und blendet die Ukraine und Belarus aus? Welchen Platz nimmt die Aufklärung dieses Kriegs in der neuen, "multidirektionalen Erinnerung" in der "Zeit der Dekolonisierung" (Michael Rothberg) ein? Wo steht die Aufarbeitung und Aufklärung des "Großen Vaterländischen Kriegs" in Russland heute? Wie sind die staatlichen Repressionen gegen die Menschenrechtsorganisation "Memorial" und ihrer Erinnerungsarbeit zum stalinistischen Terror einzuschätzen? Und müssen wir die sowjetische Vergangenheit aufklären, um die gegenwärtige Politik im Russland-Ukraine-Konflikt zu verstehen? --- Irina Scherbakowa, geboren 1949 in Moskau, ist Historikerin, Übersetzerin und Germanistin. Sie ist Gründungsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Historische Aufklärung, Menschenrechte und Soziale Fürsorge „Memorial“, die seit 2016 in Russland auf der Liste der "ausländischen Agenten" steht. Bei Memorial Moskau leitet Scherbakowa die Jugend- und Bildungsprogramme. Die promovierte Germanistin hat unter anderem Franz Kafka, Heinrich Böll und Christa Wolf ins Deutsche übersetzt. Ende der 1970er Jahre begann sie, Interviews mit Opfern des Stalinismus zu führen, seit 1991 forscht sie in den Archiven des KGB. Bis 2006 lehrte sie Oral History und visuelle Anthropologie an der Russischen Staatlichen Universität für Humanwissenschaften Moskau. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Bücher zu Stalinismus und Erinnerungskultur. In ihrem Buch "Die Hände meines Vaters" (Droemer, 2019) beschreibt sie die jüdisch-kommunistische Geschichte ihrer Familie. 2010 erschien von ihr: "Zerrissene Erinnerung. Der Umgang mit Stalinismus und Zweitem Weltkrieg im heutigen Russland" (Wallstein). Mit Karl Schlögel hat sie ein Buch über den "Russland-Reflex" geschrieben (Edition Körber-Stiftung 2015). 2005 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. -- Michael Wildt, geboren 1954 in Essen, ist Professor für Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Schwerpunkte seiner Forschung sind die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust, Antisemitismus, Fotografiegeschichte sowie soziale und politische Ordnungen im 20. Jahrhundert. 2002 erschien seine Studie über das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamts: "Generation der Unbedingten" (Hamburger Edition). Wildt hat sich intensiv mit den Konzepten "Volk" und "Volksgemeinschaft" beschäftigt. Daraus ging u.a. 2019 das Buch "Die Ambivalenz des Volkes. Der Nationalsozialismus als Gesellschaftsgeschichte" (Suhrkamp) hervor. Am 26. Januar 2022 erscheint sein neues Buch: "Zerborstene Zeit. Deutsche Geschichte 1918-1945" (C. H. Beck). Michael Wildt ist Beiratsvorsitzender der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz --- Die "Wannsee-Konferenz" - 80 Jahre später (2/3): "Der Täter in meiner Familie" Die Debatte mit Carla Spangenberg, Alexandra Senfft und Johannes Spohr 20.1.2022 --- Die "Wannsee-Konferenz" - 80 Jahre später (3/3): "Die letzten NS-Verfahren" Die Debatte mit Natascha Freundel, Ronen Steinke und Thomas Walther 27.1.2022 --- Schreiben Sie uns Ihre Gedanken, Anregungen und Kritik an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Kuh vor Berlin © Carsten Kampf
Carsten Kampf

Stadt oder Land - Wo leben wir nachhaltig?

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Ernst Paul Dörfler und Gernot Wagner -- Wiederholung vom 11.11. 2021 -- Wo ist nachhaltiges Leben möglich: in der Stadt oder auf dem Land? Was lange als Lifestyle-Entscheidung galt, ist nun eine Frage der Rettung von Natur und Überleben auf der Erde. Der Ökochemiker Ernst Paul Dörfler plädiert für einen Rückzug aufs Land. Klimaökonom Gernot Wagner hält dagegen: Nur ein effizientes urbanes Leben kann die Erde retten. In einem aber sind sich beide einig: Der absolute Klimakiller ist der Speckgürtel. -- Ernst Paul Dörfler: "Die Stadt ist der Öko-Parasit: Die wichtigsten Dinge für unser Leben – Luft, Wasser Nahrung – kommen aus den ländlichen Räumen. Die ländlichen Räume sind der Versorger und die Stadt ist der Verbraucher." -- Schreiben Sie uns gern Ihre Gedanken, Kritik und Anregungen an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Jahresrückblick Debatten - Der Zweite Gedanke live mit Hörer*innen

Was wird Ihnen aus dem Jahr 2021 am stärksten in Erinnerung bleiben? Was ist Ihr größter Wunsch für 2022? - Das wollten wir von Ihnen erfahren, in dieser Livesendung kurz vor dem Jahreswechsel. Eine Debatte mit Natascha Freundel, Redakteurin und Moderatorin von "Der zweite Gedanke".
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Livestream der Messe in Corona-Zeiten aus der Stiftskirche St. Moriz in Rottenburg © picture alliance/ Pressebildagentur ULMER
picture alliance/ Pressebildagentur ULMER

Mission possible? Kirche heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Theresa Brückner und Benedikt Zimmermann -- Alle Jahre wieder… gehen die Menschen hierzulande an Heiligabend in die Kirche. Wenn überhaupt. In diesem Jahr womöglich weniger denn je, nicht nur pandemiebedingt. Rund 400.000 Menschen treten Jahr für Jahr aus der – evangelischen oder katholischen – Kirchengemeinschaft aus. Prognosen deuten darauf hin, dass der Anteil der Christen in Deutschland bald unter 50 Prozent fällt. Grund zur Sorge? Wo bleibt die christliche Seelsorge als Kitt der Gesellschaft, wenn sich diese Gesellschaft in tiefem Misstrauen von der Kirche abwendet? Theresa Brückner, evangelische "Sinnfluencerin" und Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum, und der Katholik Benedikt Zimmermann, Pastoralreferent und Gott*suchender, glauben an eine Kirche mit Zukunft. -- Theresa Brückner: "Man wird nicht zur Christin oder zum Christ, wenn man in die Kirche geht. Man wird auch nicht zum Auto, wenn man in einer Garage steht. Sondern das hat ganz viel damit zu tun, wie man sich verhält." -- Wir freuen uns über Ihre Gedanken - schreiben Sie an derzweitegedanke@rbbkultur.de. Mehr Infos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke

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Junge Frau und ihre Mutter diskutieren © Christin Klose/dpa
Christin Klose/dpa

Weiterreden? Zum Umgang mit Verschwörungsmythen in Freundschaft und Familie

Die Debatte mit Natascha Freundel, Steffi Bahro und Ingrid Brodnig - „Wirkt auch, wenn man nicht daran glaubt. Die Booster Impfung gegen Covid 19“. Gutes Plakat, aber erreicht es auch diejenigen, die partout nicht daran glauben wollen? In dieser Folge geht es um ein Thema, das manche schon als das soziale Long Covid bezeichnen: Um die Brüche im Miteinander, auch zwischen Freunden und in der Familie. Wir sprechen über Verschwörungserzählungen und wie man dagegen Einspruch erheben kann, im engsten Kreis, ohne diesen Kreis zu sprengen. - Mit Ingrid Brodnig aus Wien, Expertin für Hass im Netz und Autorin mehrerer Bücher, zuletzt „Einspruch! Verschwörungsmythen und Fake News kontern, in der Familie, im Freundeskreis und online“ (Brandstätter). Und mit Steffi Bahro aus Potsdam, systemische Beraterin im Team von "Mitmensch - Beratung bei Konflikten im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen". - Schreiben Sie uns Ihre Gedanken gern an derzweitegedanke@rbbkultur.de. Mehr Infos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke
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Einsamkeit © dpa/Ute Grabowsky/photothek.net
dpa/Ute Grabowsky/photothek.net

Alleinsein, Einsamkeit und der Wert der Freundschaft

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Daniel Schreiber und Jo Schück Kurz vor Weihnachten, dem Fest der Liebe und Familie, und nach bald zwei Jahren Corona-Pandemie kann sie uns überrollen: Die Einsamkeit. Vor allem für Alleinstehende wird sie mitunter zu einer schweren Belastung. Doch bedeutet Allein-Sein auch Einsam-Sein? Wie können sich Alleinstehende in Selbstgenügsamkeit üben? Ist die starre Paarbeziehung nicht ohnehin überholt und wird abgelöst von Freundschaften, die mehr Freiheit lassen und trotzdem Halt bieten? Und was ist, wenn auch die Freundschaft einmal endet? Daniel Schreiber: "Ich glaube, dass es eine der großen Aufgaben für viele Menschen ist, sich von bestimmten Träumen zu verabschieden und vielleicht auch das Ideal der Liebe zu überdenken." Jo Schück: "Nackt im Hotel - Wie Freundschaft der Liebe den Rang abläuft" - dtv,2020 Daniel Schreiber: "Allein" - Hanser Berlin, 2021 Ihre Gedanken, Kritik und Anregungen gerne an: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Migranten stehen zwischen Zelten im Lager in der Sicherheitszone © Ulf Mauder/dpa
Ulf Mauder/dpa

Die Grenzen der Globalisierung

Die Debatte mit Natascha Freundel und Steffen Mau Vor über 30 Jahren wurde der Fall der Mauer bejubelt. Ein neues Zeitalter brach an – das Zeitalter der Grenzenlosigkeit, glaubten viele. Inzwischen wissen wir: Grenzen, Mauern, Zäune spielen weltweit eine entscheidende politische Rolle. Wer sie easy jettend überwindet, hat den richtigen Pass, genügend Geld, das kommunikative Know How. Außen vor bleiben jene Migranten, die vor Krieg, Armut, Gewalt fliehen. Um Einwanderung einzuschränken, nimmt die EU massive Menschenrechtsverletzungen nicht nur an den eigenen Außengrenzen in Kauf. Grenzregime sind „Sortiermaschinen der globalisierten Welt“, schreibt der Soziologe Steffen Mau in seinem neuen Buch. Ein Gespräch über den Nutzen und Nachteil der Grenzen des 21. Jahrhunderts. Die italienische Philosophin Donatella Di Cesare („Philosophie der Migration“), die gern mit Steffen Mau debattiert hätte, musste kurzfristig aus Krankheitsgründen absagen. Steffen Mau, geboren 1968 in Rostock, ist Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied im Sachverständigenrat für Migration. Sein jüngstes Buch heißt „Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert“ ( C. H. Beck/Edition Mercator 2021, 192 S., 14,95 Euro) Steffen Mau: "Wir tun wir alles, um unsere Verpflichtung zum internationalen Flüchtlingsrecht nicht einlösen zu müssen." Wir freuen uns über Ihre Gedanken, Anregungen und Kritik an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Jüdisches Leben heute - nie normal?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Adriana Altaras und Leon Kahane "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" - unter diesem Motto steht das bundesweite deutsch-jüdische Festjahr 2021. Die Vielfalt jüdischen Lebens soll sichtbarer und der Blick in die Zukunft geweitet werden. Doch wie offen ist Deutschland heute für jüdisches Leben? In einer Zeit, in der Corona-Leugner sich wahlweise mit Juden in der Schoah vergleichen oder sich von einer jüdischen Weltverschwörung bedroht sehen. Und in der sich einige der größten Kulturinstitutionen hierzulande in der Initiative "GG 5.3 Weltoffenheit" zusammengetan haben, um die Meinungsfreiheit zu verteidigen - besonders für israelkritische Meinungen. Die Theaterregisseurin und Autorin Adriana Altaras und der bildende Künstler Leon Kahane diskutieren über das schräge Motto des Festjahrs, über die Netflix-Serien "Unorthodox" und „Shtisel“, über Joseph Beuys, über Antisemitismus und Weltoffenheit. Adriana Altaras: „Es gibt keine Normalität nach dem Holocaust.“ (Wiederholung vom 25.3.2021)

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"Philosophie Live!" @ Philosophie Magazin
Philosophie Magazin

Was darf ich hoffen? Koproduktion mit dem Philosophie Magazin

Die Debatte mit Wolfram Eilenberger und Mithu Sanyal, moderiert von Dominik Erhard "Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?" – die wichtigsten Fragen in Immanuel Kants Philosophie der Aufklärung, aktuell wie eh und je. Vielleicht ist die Hoffnung gerade besonders gefragt: Was darf ich hoffen in Pandemie und Klimakrise? Wie hängen Hoffen und Handeln zusammen? Darüber debattiert Dominik Erhard, Redakteur des Philosophie Magazins, mit der Schriftstellerin Mithu Sanyal und dem Philosophen Wolfram Eilenberger. Zum zehnjährigen Jubiläum des Philosophie Magazins in Deutschland übernimmt "Der Zweite Gedanke" dieses Gespräch aus dem Berliner Ensemble vom 14. November 2021. Mithu Sanyal: "Uns fehlt das utopische Denken. Menschen sind eigentlich gute Menschen. Wir haben ja immer das Gefühl, wir müssen Menschen davon abhalten, Böses zu tun: sich die Masken vom Gesicht zu reißen, sich gegenseitig anzuspucken. Mit mehr Regeln. Als müssten wir Menschen davon abhalten, sich gegenseitig auf der Straße zu ermorden. Ich glaube, Menschen sind überhaupt nicht heiß darauf, sich gegenseitig die ganze Zeit zu ermorden." Wolfram Eilenberger: "Die '5 vor 12'-Adressierung ist in jeder Hinsicht unproduktiv. Ich zitiere da immer gerne die Bibel: Der Teufel hat wenig Zeit. Damit ist auch gemeint, dass Zeitenge in politischen Zusammenhängen eine Wurzel des Übels ist. Wenn Gesellschaften sich unter diesen Druck stellen - sei es ein messianischer Druck oder ein apokalyptischer Druck - dann passieren meistens sehr schlimme Dinge. Dann geht auch die Vernunft verloren."
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Kuh vor Berlin © Carsten Kampf
Carsten Kampf

Stadt oder Land - Wo leben wir nachhaltig?

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Ernst Paul Dörfler und Gernot Wagner Wo ist nachhaltiges Leben möglich: in der Stadt oder auf dem Land? Was lange als Lifestyle-Entscheidung galt, ist nun eine Frage der Rettung von Natur und Überleben auf der Erde. Der Ökochemiker Ernst Paul Dörfler plädiert für einen Rückzug aufs Land. Klimaökonom Gernot Wagner hält dagegen: Nur ein effizientes urbanes Leben kann die Erde retten. In einem aber sind sich beide einig: Der absolute Klimakiller ist der Speckgürtel. Ernst Paul Dörfler: "Die Stadt ist der Öko-Parasit: Die wichtigsten Dinge für unser Leben – Luft, Wasser Nahrung – kommen aus den ländlichen Räumen. Die ländlichen Räume sind der Versorger und die Stadt ist der Verbraucher." Schreiben Sie uns gerne Ihre Gedanken, Kritik, Anregungen an derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Garnisonkirche Potsdam © imago/ Eberhard Thonfeld
imago/ Eberhard Thonfeld

Garnisonkirche Potsdam - Lernort der Geschichte?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Paul Nolte und Philipp Oswalt Die gute alte Zeit erstrahlt in neuem Glanz: gerade im Osten Deutschlands wurden und werden Schlösser und Kirchen rekonstruiert - so auch die Garnisonkirche Potsdam. Die steht jedoch nicht für die gute alte Zeit, sondern ist eine "Ikone des Nationalprotestantismus, auch eine Ikone des Tags von Potsdam", sagt der Architekturhistoriker Philipp Oswalt. Am 'Tag von Potsdam' am 31. März 1933 reichten sich hier Adolf Hitler und Reichspräsident Hindenburg die Hand. Die Garnisonkirche Potsdam, so der Historiker Paul Nolte, steht für ein "widerborstiges, manchmal auch historisch schreckliches Preußen". Der Wiederaufbau sei eine Chance, die ambivalente Geschichte Preußens zu vermitteln. Zur Vergangenheit der preußisch-militärischen Kirche gehört aber auch ihre Sprengung 1968 und das Rechenzentrum, das 1971 als Gegenmodell errichtet wurde und heute ein Kreativzentrum ist. Muss die DDR-Moderne weichen, um der Erinnerung an Preußen Platz zu machen? Paul Nolte, Professor für Neuere und Zeigeschichte an der FU Berlin, ist seit 2018 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Garnisonkirche. Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie in Kassel, hat 2020 den "Kritischen Lernort Garnisonkirche" mit initiiert und weist auch in dieser Debatte auf die rechtsradikalen Ursprünge der Rekonstruktionspläne hin, die von der Stiftung Garnisonkirche dementiert werden. Mehr Infos unter: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke Wir freuen uns über Ihre Gedanken: derzweitegedanke@rbb-kultur.de
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Junge Frau mit Schutzmaske hinter Eisblumen © picture alliance/ SvenSimon/ Frank Hoermann
picture alliance/ SvenSimon/ Frank Hoermann

Zu sensibel? Über moderne Empfindlichkeit

Die Debatte mit Natascha Freundel, Svenja Flaßpöhler und Eva von Redecker „Erleben wir menschheitsgeschichtlich gerade den Beginn einer Phase, in der das sensible Selbst droht, sich früher oder später nur noch um die eigene Achse zu drehen?", fragt die Philosophin Svenja Flaßpöhler in ihrem aktuellen Buch: "Sensibel. Über moderne Empfindlichkeit und die Grenzen des Zumutbaren" (Klett-Cotta). Sie plädiert für ein dialektisches Zusammendenken von individueller Verletzlichkeit und Widerstandskraft, denn "für wirkliche Transformationen braucht man wirklich Mut". Wie groß die globalen Herausforderungen sind, betont die Philosophin Eva von Redecker. Im Klimawandel ginge es vor allem um "die Organisation in Kollektiven, die bestehende Herrschaftsverhältnisse umarbeiten können". Eine Debatte über Sensibilität versus Resilienz, über den Streitfall Jasmina Kuhnke auf der Frankfurter Buchmesse, über Empathie und Autonomie.

Mehr Infos und Kommentarfeld unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke Wir freuen uns über Ihre Gedanken, direkt an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Arbeit fürs Leben

Die Debatte mit Natascha Freundel, Julia Friedrichs und Rainer Hank Wiederholung vom 22.4.2021 Wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer, wie es oft heißt? Die Reporterin Julia Friedrichs hat die Protagonisten ihres Buchs "Working Class" ein Jahr lang begleitet, bis in die Corona-Krise hinein. Sie erzählt von Menschen mit ganz unterschiedlichen Bildungs- und Lebenswegen, die hart arbeiten und doch kaum über die Runden kommen. Die untere Mittelschicht, so Friedrichs, könne kein Vermögen aufbauen. Doch "der Wunsch, dass Menschen aus ihrer Anstrengung heraus etwas erreichen, ist universell." Der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank dagegen sagt: "Deutschland ist ein relativ egalitäres Land." Es gehe uns im Moment so gut wie noch nie, wenn man die Corona-Pandemie einmal ausklammere. Er meint, dass die Loyalität zur eigenen Familie oder zur eigenen Herkunft Klassenunterschiede begründet. Mehr Infos und Kommentarfeld unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke
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Utopie in Farbe - Brücken zwischen Schwarz, Weiß etc.

Die Debatte mit Natascha Freundel, Sarah Fartuun Heinze und Mahret Ifeoma Kupka

Die Bildende Künstlerin Sarah Fartuun Heinze und die Kuratorin Mahret Ifeoma Kupka haben keine Lust mehr, über Rassismus oder das N-Wort zu reden. Viel wichtiger ist ihnen, über eine Zukunft nachzudenken, "in der alle gleichberechtigt und gleichwertig miteinander verschieden sind", wie Mahret Kupka sagt. Ein Trialog zwischen Berlin, Cottbus und Frankfurt/Main über Utopien der Vielfalt und darüber, ob wir dafür eine neue Sprache brauchen.

Mahret Ifeoma Kupka: "Was bedeutet das: eine rassismusfreie, besser noch diskriminierungsfreie Gesellschaft?"

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Igor Levit und Robert Habeck © Anke Schüttler
Anke Schüttler

Machtkultur. Von hier an anders?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Robert Habeck und Igor Levit Der Grünen-Politiker und der politische Pianist: zwei "Seelenverwandte", sagt Robert Habeck. Doch wie ein neues Miteinander in Zeiten zunehmender Polarisierung gestaltet werden kann, beantworten sie unterschiedlich. Robert Habeck beschreibt eine Machtkultur, zu der die "Anerkennung Andersdenkender" gehört. Igor Levit ist die Rede von einer neuen, linksliberalen, weltoffenen Mitte suspekt. Sie übersieht, meint er, wie rassistisch die real existierende Mitte sei.

Robert Habeck: "In den Möglichkeiten, die ich habe, will ich dafür sorgen, dass mit Lebensfreude Wandel geschieht. Obama hat immer gesagt: 'Yes we can'. Ich würde sagen, das Motto ist: 'We can, if we want'."

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Der Wert der Pflege - reichen Reformen?

In der Krankenhauspflege herrscht Ausnahmezustand - nicht erst seit Corona. Personalmangel und Unterbezahlung resultieren aus falscher Profitorientierung an den Krankenhäusern, meint der Soziologe Stefan Sell. Die Krankenpflegerin Gabi Heise fordert ein Umdenken der Pflegerinnen und Pfleger: nur gemeinsam kann etwas geändert werden. Unglaublich, dass Pflegekräfte in diesem reichen Land um mehr Lohn und Anerkennung kämpfen müssen.

Die Debatte mit Natascha Freundel, Gabriele Heise und Stefan Sell

Stefan Sell: "Wir haben es in der Krankenhauspflege mit einer grandiosen Unterausstattung zu tun. Die kann man nur historisch verstehen: Anfang der 2000er Jahre wurde die Art und Weise, wie die Krankenhäuser in Deutschland finanziert werden, auf hoch effiziente Wirtschaftlichkeit umgestellt. Man hat Fallpauschalen eingeführt, und dieses System hat dann in den ersten zehn, fünfzehn Jahren dazu geführt, dass vor allem bei den Pflegekräften massiv gespart wurde. Jetzt stehen wir vor dem Scherbenhaufen."

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

"Wir sind das Volk!" - Wer ist "das Volk"?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Herfried Münkler und Roman Widder "Volk", "Bevölkerung" oder besser: "Bürgerinnen und Bürger"? Die Protestparole "Wir sind das Volk" fordert zur Begriffsklärung heraus. Der Germanist Roman Widder hat die Diskursgeschichte des "Pöbels" erforscht und plädiert für eine radikale Veränderung der repräsentativen Demokratie: Losen statt Wählen. Der Politologe Herfried Münkler glaubt nicht an die Vernunft des Volks ohne Erziehung zu politischer Urteilskraft.

Herfried Münkler: "Wie schaffen wir es, die Bevölkerung in die Lage zu versetzen, Volk sein zu können, also im bürgerschaftlichen Sinne Verantwortung zu übernehmen?"

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Endlich Impfung? - Der Wissenschaft vertrauen

Etwa jede:r Zweite ist bereit, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Das ist zu wenig, um die Pandemie zu überwinden. Dabei sind Zweifel über die neue Impfung gegen das neue Virus verständlich, sagen Natalie Grams und Martin Terhardt. Terhardt, Kinderarzt und Stiko-Mitglied, findet aufklärende Gespräche wichtiger denn je. Impfgegner verbreiten ihre Ansichten schneller, als die Wissenschaft es könnte, glaubt Homöopathie-Kritikerin Grams. Wie kann Vertrauen geschaffen werden, das nicht blind ist?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Natalie Grams und Martin Terhardt

Natalie Grams: "Die Argumente für das Impfen sind so gut, dass man niemanden dazu verpflichten muss, vernünftig zu sein."

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Mädchen mit Maske guckt aus dem Fenster © imago images / Cavan Images
imago images / Cavan Images

Einsamkeit - eine Aufgabe der Politik?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susanne Bücker und Wilhelm Schmid

Eine Pandemie geht um in Deutschland. Manche warnen vor einer "Einsamkeitspandemie" als Folge der Corona-Pandemie. Obwohl sich die Ausbreitung von Einsamkeit (noch) nicht belegen lässt. Doch ist Einsamkeit per se negativ? Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid sagt, die produktive Seite der Einsamkeit dürfe nicht vergessen werden. Er wünscht sich sogar ein Ministerium für und nicht gegen Einsamkeit. Susanne Bücker, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht die verschiedenen Gesichter der Einsamkeit. Besonders Jugendliche leiden unter sozialer Isolation, die oft mit Armut zusammenhängt. Eine Aufgabe der Politik? Wichtig sind Bewegung, Berührung und Beziehung. Aufgaben für alle.

Susanne Bücker: "Die allermeisten vergessen, dass Beziehungen und auch Berührungen hochrelevant sind, das wird einem ja auch nirgendwo so richtig explizit vermittelt."

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1 zu 1 Konzert an der Bwerlinewr East Side Gallery © 1:1 Concerts Berlin/Astis Krause
1:1 Concerts Berlin/Astis Krause

Kultur im Lockdown 2020 - Kreativ überleben?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Franziska Ritter und Christoph Backes

Wird der Lockdown zum Knockdown für die Kreativbranche? Neue Formate für ein neues Publikum müssen jetzt entwickelt und alte Strukturen reformiert werden, meinen Franziska Ritter und Christoph Backes. Ritter hat die 1:1Concerts als individuelle Musikerlebnisse auf Augenhöhe entwickelt. Die Aufmerksamkeit für die Kultur war vielleicht nie so groß wie heute, meint Backes vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Die staatliche Hand, aber auch jede:r Einzelne kann die Kultur- und Kreativwirtschaft fördern.

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Kulturkampf im Klassenzimmer? - Islam im Schulalltag

Die Debatte mit Natascha Freundel, Astrid-Sabine Busse und Tobias Nolte

Die Enthauptung eines Lehrers in Frankreich, eine Schweigeminute in Berlin, Widerstand und Drohungen von Schülern: "Wer den Propheten beleidigt, der darf getötet werden." Astrid-Sabine Busse und Tobias Nolte arbeiten täglich mit Kindern aus muslimischen Familien. Busse, Schulleiterin der Grundschule in der Köllnischen Heide, erlebt erstarkenden politischen Islam und betont zugleich, dass solche Drohungen von Schülern Einzelfälle seien.

Nolte, Lehrer an der Neuköllner Rütli-Schule, möchte die Kinder und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen zunächst verstehen. Er warnt vor Stigmatisierungen dieser Kinder, die oft Ausgrenzung und Ungleichheit erfahren. Tobias Nolte: "Wichtig ist, Kinder und Jugendliche nicht an den Pranger zu stellen."

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Belarus – Die Revolution der Anderen?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Felix Ackermann und Olga Shparaga

Kulturwandel in der „letzten Diktatur Europas“: Wohl noch nie wurde ein demokratischer Aufbruch so stark von Frauen organisiert; noch nie hat ein neues politisches Denken der horizontalen Vernetzung ein ganzes Land verändert. Eine der Vordenkerinnen ist die Philosophin Olga Shparaga, die heute im Exil in Vilnius lebt. Der Historiker Felix Ackermann, derzeit am Deutschen Historischen Institut in Warschau, fordert mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für die belarussische Revolution. Sie könnte für Machtstrukturen weltweit gefährlich werden.

Olga Shparaga: "Ich wünsche mir, dass wir neue Möglichkeiten, Kanäle, Vernetzungen finden, um gegen Lukaschenko und den Autoritarismus zu kämpfen."

Olga Shparaga: "Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus", Suhrkamp, Gepl. Erscheinen: 19.04.2021

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Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger; © Jens Passoth
Jens Passoth

Visionen - eine Gefahr für die Freiheit?

Die Debatte mit Luisa Neubauer und Wolfram Eilenberger, moderiert von Svenja Flaßpöhler und Natascha Freundel. Eine Koproduktion mit dem PhilosophieMagazin.

Sind die Visionen der Klimabewegung eine Gefahr für die individuelle Freiheit? Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger diskutieren über fundamentale Veränderungen im Namen der Wissenschaft, über Ähnlichkeiten zwischen der Klimakrise und der Corona-Pandemie, über die Gefahren von Ökodiktatur oder auch Ökoterrorismus und darüber, wie sich die Ziele von Fridays-for-Future demokratisch umsetzen lassen.

Luisa Neubauer: "Die große Bedrohung für die Freiheit geht bei der Klimakrise ganz klar vom Nichthandeln aus."

Luisa Neubauer (mit Alexander Repenning): "Vom Ende der Klimakrise", Tropen 2019
Wolfram Eilenberger: "Feuer der Freiheit“, Klett-Cotta 2020

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