Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier wird nicht nur debattiert, hier wird auch zusammen nachgedacht. Über alles, was unser Miteinander betrifft. Bildung, Digitalisierung, Demokratie, Einsamkeit, Freiheit, Klima, Kultur, Städtebau, Visionen - die Themen liegen in der Luft, nicht erst, aber besonders deutlich seit der Corona-Pandemie. Jede Folge widmet sich einer Frage unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht jeweils mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch, aber nie abgehoben. Persönlich, aber nicht privat. Kritisch und konstruktiv. Hier soll es nicht knallen, sondern knistern. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

Nils Heisterhagen, Robin Alexander und Natascha Freundel © Thomas Ernst
Thomas Ernst

Demokratiecheck 4/5: Das Versprechen der Parteien

Die Debatte mit Natascha Freundel, Robin Alexander und Nils Heisterhagen

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen". Der viel zitierte Satz von Helmut Schmidt ist so witzig wie toxisch. Was machen Politiker, wenn sie keine Visionen haben? Hat Angela Merkel in 16 Jahren Kanzlerinnenschaft Pragmatismus zur politischen Norm gemacht? Welche großen Erzählungen vertreten die etablierten, demokratischen Parteien? Ist die SPD noch die Partei der Arbeiter:innen und wofür steht das C in CDU? Nils Heisterhagen, Publizist, Politologe und SPD-Mitglied, lobt die FDP. Robin Alexander, Bestseller-Autor und Vize-Chefredakteur Politik bei der Welt, lobt die SPD und erklärt, die CDU sei in Sachen Klimapolitik "intellektuell blank". Neue Visionen braucht das Land, auch nach der Wahl.

Robin Alexander: "Wir haben zu viele Dystopien und zu wenig Utopien." Robin Alexander: "Machtverfall. Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik: Ein Report", Siedler 2021

Nils Heisterhagen: "Verantwortung - Für einen neuen politischen Gemeinsinn in Zeiten des Wandels", Dietz 2020

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Jan Schneider, Carla Spangenberg und Olga Grjasnowa © Thomas Ernst
Thomas Ernst

Demokratiecheck 3/5: Einwanderungsland Deutschland

Die Debatte mit Carla Spangenberg, Olga Grjasnowa und Jan Schneider "Deutschland ist ein Einwanderungsland" – dieser Satz findet sich in einigen Wahlprogrammen und auch Angela Merkel geht er leicht über die Lippen. Doch was bedeutet dieser Satz? Haben Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der Politik eine Lobby? Wie bewerten wir Mehrsprachigkeit? Was heißt eigentlich "2015 darf sich nicht wiederholen"? Und was ist mit dem Begriff "Migrationshintergrund" – gehört er abgeschafft oder brauchen wir ihn, um Lebensrealitäten zu beschreiben? Die Schriftstellerin Olga Grjasnowa und der Migrationsforscher Jan Schneider von Sachverständigenrat für Integration und Migration mit Moderatorin Carla Spangenberg im Gedankenaustausch. Olga Grjasnowa: "Einwanderungsland klingt besser, als es in der Realität tatsächlich sich abspielt. Trifft wahrscheinlich auf sehr viele Länder dieser Welt zu. Natürlich auch auf Deutschland." Kritik, Anregungen, Gedanken direkt an: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Cerstin Gammelin und Valerie Schönian © Thomas Ernst
Thomas Ernst

Demokratiecheck 2/5: Entscheidung im Osten?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Cerstin Gammelin und Valerie Schönian 31 Jahre nach der Wiedervereinigung sind nur 1,7 Prozent aller Spitzenpositionen bundesweit mit Ostdeutschen besetzt. „Wir entscheiden nicht, wer Kanzler wird. Aber ob er Kanzler wird“, sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff. Cerstin Gammelin, Vize-Leiterin der Parlamentsredaktion der SZ, und Valerie Schönian von der Leipziger Redaktion der Zeit erzählen von ihrem Ostbewusstsein, von struktueller Ungleichheit und östlicher Emanzipation. Cerstin Gammelin: "Wer der Sieger ist, kann auch das Narrativ bestimmen.Wenn der Ostdeutsche sagt: 'Hört mal, es gibt hier strukturelle Benachteiligung, da muss man mal drüber reden', ist er der Jammerossi." 2'14 Ostfrau ## 3'10 Merkel ## 3'30 Deutsche Einheit ## 3'49 NSU ## 4'30 Kapitalismus ## 4'52 Ostbewusstsein ## 8'30 Verständniskompetenz ## 10'08 Sieger-Narrativ ## 10'43 Die ausm Osten ## 13'25 Merkel und die Ostdeutschen ## 18'30 Größter Wirtschaftseinbruch nach dem 2. WK? ## 21'00 Ostdiskurs ## 21'38 Westen veröstlicht? ## 24'20 Jammern? ## 26'00 80 Prozent keine AfD-Wähler ## 26'50 Wir wollen die D-Mark ## 28'50 Demokratie lernen ## 31'20 Reflexion im Osten ## 32'44 Corona ## 33'30 Verlierer-Image ## 34'20 Sprachlosigkeit ## 35'48 Emanzipation ## 37'15 Repräsentanz ## 39'15 Wahlkampfthema Osten? ## 40'48 Olaf Scholz und Takraf ## 43'00 AfD ## Zukunftszentrum für europäische Transformation und Deutsche Einheit ## 44'48 Der zweite Gedanke Valerie Schönian: "Ostbewusstsein", Piper 2020. Cerstin Gammelin: "Die Unterschätzten", Econ 2021. https://www.otto-brenner-stiftung.de/wissenschaftsportal/informationsseiten-zu-studien/30-jahre-mediale-spaltung/ Kritik, Anregungen, Gedanken direkt an: derzweitegedanke@rbbkultur.de
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Anna Peters, Natascha Freundel und Ria Schröder © Thomas Ernst
Thomas Ernst

Demokratiecheck 1/5: Jung, weiblich, politisch!

Die Debatte mit Natascha Freundel, Anna Peters und Ria Schröder Sie wollen mitreden, mitgestalten, politische Macht und Verantwortung übernehmen - und erleben immer wieder Hass und Hetze, weil sie jung und weiblich sind. Anna Peters, Bundessprecherin der Grünen Jugend, und Ria Schröder, Bundestagskandidatin der Hamburger FDP, sprechen über Frauenfeindlichkeit, über die Quote, über das Baerbock-Bashing und neue Allianzen unter Politikerinnen.

Anna Peters: "Natürlich ist da erstmal eine Grundsolidarität, die man teilt, weil man genau weiß, durch was man selber durchgegangen ist."

2'00 Merkel ## 2'23 Quotenfrau ## 2'43 Generationengerechtigkeit ## 3'10 Fridays for Future ## 3'40 Gendern 10'27 Selbstwirksamkeit bei den JuLis ## 12'50 Unabhängigkeit der Grünen Jugend ## 14'30 Unpolitische Jugend? ## 18'30 Themen der Jugend ## 21'10 Druck durch Klimabewegung ## 23'14 Haben es junge Frauen schwerer in der Politik? ## 25'30 Solidarität ## 26'18 Neuer Politikstil ## 28'35 Contra Quote ## 31'22 Pro Quote ## 33'33 Frauenfeindlichkeit heute ## 36'40 Christian Lindner ## 39'20 Annalena Baerbock ## 44'00 Olaf Scholz ## 47'00 Nachwuchsförderung ## 49'23 Freiheit und Solidarität ## 51'52 Der zweite Gedanke

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Wahrheit - 4. Brandenburgische Gespräche

Die Debatte mit Natascha Freundel, Marcel Beyer und Marina Münkler Koproduktion von rbbKultur und Staatstheater Cottbus.

Im Video: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke

"Wahrheit" - ein Kampfbegriff im 21. Jahrhundert. Hat es mit Donald Rumsfelds Rede von den "unknown unknowns" begonnen? Mit "fake news", über die der ehemalige US-Präsident so gern spricht? Die Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler sagt, dass so genannte "Wahrheiten" heute oft moralisch aufgeladen sind, nicht selten als Heilsversprechen für ein gelungenes Leben - und wenn es nur darum geht, vegan zu leben. Der Schriftsteller Marcel Beyer versucht, sich fremdzuschreiben: das Ich im Text als ein Gegenüber auftreten zu lassen. Die Vielstimmigkeit der Literatur und natürlich der Humor sind gute Medizin gegen Wahrheitsfanatismus.

Marina Münkler: "Wenn man sich über die Fakten nicht mehr verständigen kann, dann tauscht man den Meinungsbegriff durch den Wahrheitsbegriff aus und macht ihn zum Kampfbegriff. Die Verwendung des Wahrheitsbegriffs neigt dazu, ihn zu einem Kampfbegriff zu machen. Wir haben gerade so eine Situation, in der wir das verstärkt beobachten können."

Marcel Beyer: "Nirgendwo gibt es so viel unauflösbare Widersprüche wie in vermeintlich klaren Verschwörungsnarrativen. Humor würde die völlig zum Zersplittern bringen, und damit würde dann auch gleich ein ganzes Weltbild in sich zusammenbrechen."

Kommentare, Themenvorschläge bitte an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Liebe heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Şeyda Kurt und Ulrich Peltzer

Liebe war schon immer ein aufgeladener Begriff. Aufgeladen mit sexistischer Gewalt, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Normierung, meint die Berliner Journalistin Şeyda Kurt in ihrem ersten Buch "Radikale Zärtlichkeit". Sie plädiert für eine Utopie der "Ethik eines neuen Miteinanders", die der Würde und Freiheit jedes Menschen dient. Vergesst die Liebe, lebt Gerechtigkeit auch im Intimen, sagt sie. Wie war das mit der ersten, großen Liebe? – fragt der Schriftsteller Ulrich Peltzer in seinem Roman "Das bist du". Blitzlichtartige Erinnerungsbilder zeigen ein Westberliner Studentenleben um 1980, als der Erzähler die Frau seines Lebens fand und verlor. Die Liebe des Lebens – ein Fall für den Sondermüll der Geschichte? Ein Streitgespräch über Liebe, Gewalt und Zärtlichkeit gestern und heute.

Şeyda Kurt: Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist. Harper Collins 2021, 256 S., 18 Euro

Ulrich Peltzer: Das bist du. Roman. S. Fischer 2021, 288 S., 22 Euro

Schreiben Sie Ihre Kommentare, Kritik oder Ideen zu "Der Zweite Gedanke" bitte direkt an Natascha Freundel unter derzweitegedanke@rbbkultur.de oder unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke

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Wroclaw – Hausfassade mit der deutschen Aufschrift Lebensmittelladen © Kamil Majchrzak
Kamil Majchrzak

Wir Flüchtlinge? - Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Die Debatte mit Natascha Freundel, Gundula Bavendamm und Kamil Majchrzak

Das Dokumentationszentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wurde nach über 20 Jahren heftiger Diskussionen eröffnet. Die zentrale Dauerausstellung stellt die Zwangsmigration von 12 bis 14 Millionen Deutschen aus Ost- und Südosteuropa in den Kontext des Zweiten Weltkriegs und in den Kontext weltweiter Migrationserfahrungen bis heute. Eine neue, wichtige Adresse auf der Karte der Gedächtnisorte in der deutschen Hauptstadt. Doch warum findet hier keine kritische Auseinandersetzung mit dem Revisionismus des "Bundes der Vertriebenen" statt? Geht die Ausstellung zu wenig auf die Diversität der Deutschen im 20. Jahrhundert und heute ein? Und soll das Haus ein Ort für Debatten zu aktuellen Flüchtlingsfragen werden?

"Der Begriff Vertreibung scheint immer noch reserviert zu sein für eine Geschichte von Deutschen für Deutsche über Deutschland." Kamil Majchrzak

"Es ist natürlich überhaupt nicht unsere Idee, diesen Vertreibungsbegriff in irgendeiner Weise zu reservieren, sondern wir schildern ja eine Menschheitsgeschichte der Flucht und Vertreibung. Und davon ist das, was mit den Deutschen passiert und was sie vorher anrichten, ein Teil." Gundula Bavendamm

Mehr Infos und Fotos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke Anregungen, Fragen, Kritik bitte an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Deutsches Theater Berlin © POP-EYE/Christian Behring
© POP-EYE/Christian Behring

Spiegel der Welt? - Macht im Theater

Die Debatte mit Natascha Freundel, Iris Laufenberg und Patrick Wildermann

„Es ist höchste Zeit, der Welt – gerade und erst recht in Zeiten einer Pandemie – den Spiegel vorzuhalten“, meint die künftige Intendantin des Deutschen Theaters Berlin, Iris Laufenberg, Doch wie kann das Theater der Welt den Spiegel vorhalten, wenn es mit strukturellen Fragen von Machtmissbrauch und mangelnder Teilhabe beschäftigt ist? Bühnen wie das Deutsche Theater seien "hochelitäre" Betriebe, sagt der Theaterkritiker Patrick Wildermann. Sie müssten viel mehr tun, um alle Teile der Gesellschaft anzusprechen. Daran arbeite sie schon lange, erklärt die Grazer Intendantin Laufenberg.

Ein Streitgespräch über Brüche in der Machtstruktur, die Vorfälle an der Volksbühne, am Gorki und am Schauspielhaus Düsseldorf, über Gehälter und Gagen, Schutzräume für Schutzbedürftige, Diversität und Konfliktbereitschaft.

Quellen und weiterführende Links unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke Kommentare und Vorschläge für Debatten bitte an derzweitegedanke@rbbkultur.de

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Jugendliche steht in ihrem Zimmer am Fenster © Paul Zinken/dpa
Paul Zinken/dpa

Generation Lost? - Jugend in der Pandemie

Die Debatte mit Natascha Freundel, Melisa Başkara, Lino Menden und Severine Thomas

Sie wurden als Party People und Super Spreader bezeichnet. Oder auch als "Generation Corona", die "voll am Arsch" sei. Melisa und Lino haben den Corona-Stillstand in unterschiedlichen Verhältnissen in Berlin erlebt. Für beide ist wichtig geworden, auf die eigene Stimme zu hören. Melisa hat gelernt, auf Freunde zu verzichten und liebt jetzt Sonnenuntergänge. Lino spricht von der "Generation Spaziergang". Wie viele junge Menschen haben sie die durch ihr Verhalten zur Eindämmung des Virus beigeitragen. Andere sehen ihr Leben "dahinschwimmen", weiß die Jugendforscherin Severine Thomas. Sie fordert, dass die Beteiligung junger Menschen an allen demokratischen Prozessen viel stärker verankert werden.

Melisa Başkara: "Ich habe gelernt, mit mir und meinem Dasein klarzukommen. In der heutigen Gesellschaft läuft man ja oft der Gesellschaft hinterher."

Lino Menden: "Ein Freund von mir hat gesagt, dass wir die Spaziergänger-Generation sein werden, da man sonst in dieser Zeit nicht viel machen konnte."

Severine Thomas: "Wir brauchen eine starke Lobby für Kinder und Jugendliche, um gesellschaftliche Verpflichtungen zur Mitbestimmung einzulösen. Jetzt sind alle Akteure stärker gefragt, auch in ihren eigenen Arbeitskontexten, vielleicht bis in den Rundfunk hinein: wo hören wir eigentlich auf das, was junge Menschen denken?"

www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/das-leben-von-jungen-menschen-in-der-corona-pandemie-1

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Wohnraum für alle © Christoph Soeder/dpa
Christoph Soeder/dpa

Wohnen für alle - Enteignen in Berlin?

Wohnen ist ein Menschenrecht - und wird in Berlin zunehmend zum Luxusproblem. Wohl nirgendwo sonst in Deutschland unterscheiden sich die Preise von Bestandsmieten und Neuvermietungen so stark wie in Berlin, sagt der Stadtsoziologe Andrej Holm. Bezahlbare Wohnungen sind rar, vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen. Was bewirkt eine Initiative wie "Deutsche Wohnen & Co. enteignen"? Sie zwingt die Politik, sich ihrer Verantwortung für gerechte Wohnverhältnisse zu stellen, meint Andrej Holm. Sie verdrängt notwendiges Kapital aus einer Stadt, die ohnehin am Tropf des Bundes hängt, meint dagegen Nikolaus Bernau.

Die Debatte mit Natascha Freundel, Nikolaus Bernau und Andrej Holm

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Ein Mädchen hält von dem Hanadi-Turm, der durch israelische Luftangriffe beschädigt wurde und eingestürzt ist, Luftballons in die Höhe. © Mohammed Talatene/dpa
Mohammed Talatene/dpa

Krieg oder Föderation? - Zur Zukunft in Israel und Palästina (Deutsch-Englisch)

Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Michael Wolffsohn (Deutsch-englische Originalfassung, ohne Übersetzung)

Nach elf Tagen Raketenkrieg zwischen Israel und Hamas im Mai 2021 lohnt es sich, über neue Ideen des Miteinanders zwischen Juden und Arabern in Nahost nachzudenken. Der Philosoph Omri Boehm und der Historiker Michael Wolffsohn haben verschiedene Vorschläge für die Bildung einer jüdisch-arabischen Föderation. Die viel beschworene "Zweistaatenlösung" muss ad acta gelegt werden, darin sind sie sich einig. Eine Diskussion über die Ursachen der neuen Eskalation, über den Begriff "Apartheid" und über föderale Modelle für ein neues, friedliches Miteinander im Nahen Osten.

"Die Zweistaatenlösung ist keine Lösung, sondern ein Problem." Michael Wolffsohn

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Ein Mädchen hält von dem Hanadi-Turm, der durch israelische Luftangriffe beschädigt wurde und eingestürzt ist, Luftballons in die Höhe. © Mohammed Talatene/dpa
Mohammed Talatene/dpa

Krieg oder Föderation? - Zur Zukunft in Israel und Palästina

Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Michael Wolffsohn (Mit deutscher Übersetzung)

Nach elf Tagen Raketenkrieg zwischen Israel und Hamas im Mai 2021 lohnt es sich, über neue Ideen des Miteinanders zwischen Juden und Arabern in Nahost nachzudenken. Der Philosoph Omri Boehm und der Historiker Michael Wolffsohn haben verschiedene Vorschläge für die Bildung einer jüdisch-arabischen Föderation vorgelegt. Die viel beschworene "Zwei-Staaten-Lösung" muss ad acta gelegt werden, darin sind sie sich einig. Eine Diskussion über die Ursachen der neuen Eskalation, über den Begriff "Apartheid" und über föderale Modelle für ein neues, friedliches Miteinander im Nahen Osten.

"Die Zweistaatenlösung ist keine Lösung, sondern ein Problem." Michael Wolffsohn

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"Purple Ride" zum internationalen Frauentag © Wolfram Steinberg/dpa
Wolfram Steinberg/dpa

Geschlecht und Revolution - Frauenbewegung heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Christina von Braun und Eva von Redecker

Wo steht die Frauenbewegung heute, gerade in der Corona-Pandemie? Wird der Feminismus von den Debatten um Geschlechterdiversität überholt? Ein Gespräch zwischen Generationen, über Ost- und Westerfahrungen, über Sorge-Arbeit, geschlechtergerechte Sprache und die Frage, ob der Kapitalismus abgeschafft werden muss, damit die Forderungen des Feminismus realisiert werden können.

Eva von Redecker: "Ich verdanke mein Leben dem Feminismus und den vorhergegangenen Feministinnen."

Christina von Braun: "Geschlecht. Eine persönliche und eine politische Geschichte", Propyläen Verlag

Eva von Redecker: "Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen", S. Fischer

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Mädchen mit Maske guckt aus dem Fenster © imago images / Cavan Images
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Einsamkeit - Eine Aufgabe der Politik?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susanne Bücker und Wilhelm Schmid

Eine Pandemie geht um in Deutschland. Nicht nur eine Virus-Epidemie, manche warnen auch vor einer "Einsamkeitspandemie". Wissenschaftlich belegen lässt sich die Ausbreitung von Einsamkeit jedoch nicht. Und ist Einsamkeit per se negativ?

Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid widerspricht: Die produktive Seite der Einsamkeit dürfe nicht vergessen werden. Schmid wünscht sich sogar ein Ministerium für und nicht gegen Einsamkeit, um diese Errungenschaft der Moderne zu pflegen.

Susanne Bücker, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht die verschiedenen Gesichter der Einsamkeit und betont, wie wichtig es ist, über sie zu reden. Besonders Jugendliche können mit sozialer Isolation nur schwer umgehen. Armut verhindert häufig soziale Teilhabe.

Eine Aufgabe der Politik? Schmid und Bücker sind sich einig, wie wichtig Bewegung, Berührung und Beziehung sind. Aufgaben für alle. Wiederholung vom Dezember 2020.

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Museum der Moderne © Herzog & de Meuron
Herzog & de Meuron

Die Debatte mit Natascha Freundel, Nikolaus Bernau und Ascan Mergenthaler - Das Museum der Zukunft? - Kulturforum Berlin

Braucht Berlin jetzt ein neues, teures Museum für das 20. Jahrhundert? Seit Jahren wird darüber geklagt, dass große Teile der Nachkriegskunst der BRD und DDR im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im Depot liegen. Finanziert vom Bund, unterstützt von der Bundeskulturbeauftragten Monika Grütters, von der SPK und privaten Kunstsammlern, entsteht nun am Berliner Kulturforum das Projekt "Neue Nationalgalerie – Museum des 20. Jahrhunderts" vom Architekturbüro Herzog de Meuron. Kostenkalkulation bis zur Eröffnung 2026: 450 Millionen Euro.

Der ikonische Kunsttempel von Mies van der Rohe, mit dem der Neubau einmal verbunden sein soll, wurde gerade für 140 Millionen Euro bis ins letzte Detail saniert. Sind die Kosten für den Neubau gerechtfertigt? Konkurriert oder korrespondiert die geplante "Kulturscheune" mit den weltberühmten Bauwerken am Kulturforum? Ist die Ökobilanz des neuen Hauses Mindest- oder "Gold"-Standard?

Ascan Mergenthaler, der das Projekt "Neue Nationalgalerie – Museum des 20. Jahrhunderts" für Herzog de Meuron leitet, diskutiert mit Architekturkenner Nikolaus Bernau, der zu den vehementesten Kritikern des Neubaus gehört.

Ascan Mergenthaler: "Es ist einfach ein Haus und ein Haus kann eine Scheune sein, kann aber auch ein Tempel sein. Wichtig war für uns, dass wir etwas finden, was zwischen diesen zwei wirklich unglaublich starken Gebäuden Platz hat. Die Neue Nationalgalerie ist einfach ein wunderbares Gebäude. Und so ist es auch mit der Philharmonie. Wie können wir uns dazwischen platzieren? Und da kam eben diese Idee des Hauses. Das hat Bestand, oder sie ist eine archaische Form."

Nikolaus Bernau: "Zwischen ein 'Gebirge' wie die Philharmonie und einen flachen Tempel wie die Nationalgalerie ein Satteldachbau zu stellen und zu sagen: 'das ist eine archaische Hausform', das ist Architektenrhetorik. Das ist die simpelste Antwort, die man machen kann. Wenn rundherum alles nicht zusammenpasst, dann mache ich dazwischen ein Gebäude mit Satteldach. Das ist nicht archaisch. Um es ganz grob auszudrücken: Das ist ein Affront gegenüber den angrenzenden Gebäuden."

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Alle Menschen sind gleich aber manche sind reicher © Kira Hofmann/dpa
Kira Hofmann/dpa

Arbeit fürs Leben

Die Debatte mit Natascha Freundel, Julia Friedrichs und Rainer Hank

Wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer, wie es oft heißt? Die Reporterin Julia Friedrichs hat die Protagonisten ihres Buchs "Working Class" ein Jahr lang begleitet, bis in die Corona-Krise hinein. Sie erzählt von Menschen mit ganz unterschiedlichen Bildungs- und Lebenswegen, die hart arbeiten und doch kaum über die Runden kommen. Die untere Mittelschicht, so Friedrichs, könne kein Vermögen aufbauen. Doch "der Wunsch, dass Menschen aus ihrer Anstrengung heraus etwas erreichen, ist universell." Der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank dagegen sagt: "Deutschland ist ein relativ egalitäres Land." Es gehe uns im Moment so gut wie noch nie, wenn man die Corona-Pandemie einmal ausklammere. Er meint, dass die Loyalität zur eigenen Familie oder zur eigenen Herkunft Klassenunterschiede begründet.

Ein Streitgespräch über Vermögensungleichheit, die Leistungsgesellschaft, Bildungschancen und Umverteilung.

Bücher:
Julia Friedrichs: "Working Class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können" (Berlin Verlag)

Rainer Hank: "Die Loyalitätsfalle. Warum wir dem Ruf der Horde widerstehen müssen" (Penguin Verlag)

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Brandenburgische Gespräche: Gleichheit © Marlies Kross/Staatstheater Cottbus
Marlies Kross/Staatstheater Cottbus

Gleichheit - 3. Brandenburgische Gespräche

Die Debatte mit Natascha Freundel, Katja Lange-Müller und Terézia Mora

Eine Koproduktion von rbbKultur und Staatstheater Cottbus

Ist Gleichheit ein demokratisches Grundrecht oder eine totalitäre Bedrohung? Hat Literatur etwas mit Gleichheit zu tun? Und schafft eine gendergerechte Sprache mehr Gleichberechtigung? Darum ging es am 12. April 2021 bei den Brandenburgischen Gesprächen im Staatstheater Cottbus mit den Schriftstellerinnen Katja Lange-Müller und Terézia Mora. Gerechtigkeit für Individuen ist das Ideal der vielfach prämierten Autorinnen. Politisch korrekte Sprache ist in ihrer Literatur fehl am Platze.

Térezia Mora: "Es gibt ein schönes ungarisches Gedicht, im dem es heißt: bleibe immer überzählig."

Katja Lange-Müller: "Die einzige Gerechtigkeit, die in der Literatur wirklich eine Rolle spielen kann, ist die epische Gerechtigkeit."

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Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger; © Jens Passoth
Jens Passoth

Visionen - Eine Gefahr für die Freiheit?

Die Debatte mit Luisa Neubauer und Wolfram Eilenberger, moderiert von Svenja Flaßpöhler und Natascha Freundel

Koproduktion von rbbKultur und Philosophie Magazin Nachzulesen im Philosophie Magazin 1/2021

Sind die Visionen der Klimabewegung eine Gefahr für die individuelle Freiheit? Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger diskutieren über fundamentale Veränderungen im Namen der Wissenschaft, über Ähnlichkeiten zwischen der Klimakrise und der Corona-Pandemie, über die Gefahren von Ökodiktatur oder gar Ökoterrorismus und darüber, wie sich die Ziele von Fridays-for-Future demokratisch umsetzen lassen.

Luisa Neubauer: "Die große Bedrohung für die Freiheit geht bei der Klimakrise ganz klar vom Nichthandeln aus."

Wiederholung vom 19.11.2020

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Das Cafe und der Recordstore "Gordon" mit israelischer Küche © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB
Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Wie weltoffen ist Deutschland für jüdisches Leben?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Adriana Altaras und Leon Kahane

"1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" - unter diesem Motto steht das bundesweite deutsch-jüdische Festjahr 2021. Die Vielfalt jüdischen Lebens soll sichtbarer und der Blick in die Zukunft geweitet werden. Doch wie offen ist Deutschland heute für jüdisches Leben? In einer Zeit, in der Corona-Leugner sich wahlweise mit Juden in der Schoah vergleichen oder sich von einer jüdischen Weltverschwörung bedroht sehen. Und in der einige der wichtigsten Kulturinstitutionen hierzulande die Initiative "GG 5.3 Weltoffenheit" gestartet haben, um die Meinungsfreiheit - besonders für israelkritische Meinungen - zu verteidigen.

Darüber diskutieren die Theaterregisseurin und Autorin Adriana Altaras und der Künstler Leon Kahane mit skeptischem Optimismus.

Leon Kahane: "Juden können sich eine bestimmte Form von Pessimismus nicht leisten. Zumindest keine, die in die Regression führt, sondern nur eine, die in die Aufklärung führt."

Adriana Altaras: "Antisemitismus als Chance für Weltoffenheit! Ich drehe das um und sage: Jetzt haben wir ein Gegenüber. Wir könnten jetzt mal diskutieren."

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Brandenburgische Gespräche im Staatstheater Cottbus am 15.03.2021 © rbb
rbb

Macht und Freiheit - 2. Brandenburgische Gespräche

Die Debatte mit Natascha Freundel, Jan-Werner Müller und Karl Schlögel

Eine Koproduktion von rbbKultur und Staatstheater Cottbus

Auf die Frage, was Freiheit für sie sei, sagte die Jazz-Sängerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone: "keine Angst zu haben". Der in Princeton lehrende Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller plädiert für einen neuen Liberalismus, der dafür sorgt, dass Menschen ohne Angst und Gewalt leben können. Davon ist die Machtpolitik in Russland und Belarus weit entfernt, betont der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel. In den USA hat der Trumpismus gezeigt, dass demokratische Strukturen geziehlt ausgehebelt werden können, meint Jan-Werner Müller. Und worauf stützen sich Macht und Freiheit in Deutschland, wenn nicht nur die Covid-Pandemie unabsehbare Veränderungen mit sich bringt? Ein Abend im Staatstheater Cottbus im Rahmen der Brandenburgischen Gespräche.

Karl Schlögel: "Wer es fertigbrächte zu beschreiben, was Macht in Russland ist, der sollte irgendwie einen ganz besonderen, tollen Großen Preis bekommen."

Jan-Werner Müller: "Das Problem fängt damit an, dass Leute, die eigentlich Konfliktpartner sein sollen, sich gegenseitig die Legitimität absprechen. Das ist die Entwicklung, die wir in den USA gesehen haben."

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Buchstabenwürfel zeigen die Worte Cancel Culture © imago images / U. J. Alexander
imago images / U. J. Alexander

Grenzen des Sagbaren - Wer sind die Feinde der Öffentlichkeit?

Die Debatte mit Paula-Irene Villa Braslavsky und Bernd Stegemann, moderiert von Svenja Flaßpöhler und Natascha Freundel

Eine Koproduktion von rbbKultur und Philosophie Magazin. Nachzulesen im Philosophie Magazin Nr. 03/2021

„Die Öffentlichkeit und ihre Feinde“, so heißt das neue Buch von Bernd Stegemann. Für den Philosophen und Dramaturgen ist insbesondere die Identitätspolitik für die Begrenzung des Sagbaren verantwortlich, mit der Folge, dass Personen, die diese Grenze überschreiten, gecancelt, also boykottiert würden.

Paula-Irene Villa Braslavsky widerspricht energisch. Die Identitätspolitik habe Stimmen erst hörbar und im öffentlichen Raum präsent gemacht, so die Soziologin, die aus München zugeschaltet ist. Bernd Stegemann: "Wenn ich darauf fokussiere, wer spricht und nicht, was gesagt wird, bin ich in der Gefahr, dass wesentliche Dinge, die für die Öffentlichkeit wichtig sind, nicht mehr gehört werden können, weil zuvor die Sprecherposition abgewertet wurde."

Paula-Irene Villa Braslavsky: "Diese Idee, bislang hatten wir einen gemeinsamen öffentlichen Raum, und nun kommen einige, die das in Frage stellen, ist ja eine falsche Wahrnehmung desssen, wie Öffentlichkeit und politischer Raum bislang funktionierten."

Bernd Stegemann: "Die Öffentlichkeit und ihre Feinde", Klett-Cotta 2021, 384 S., 22 Euro

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Europacity – Baustelle Quartier Heidestrasse © Britta Pedersen/dpa
Britta Pedersen/dpa

Berlin baut neu - aber öde?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Nikolaus Bernau und Jens Bisky

Die Stadt der Zukunft entsteht jetzt. Wir blicken auf zwei neue Stadtquartiere in Berlin, die als "urban" beworben werden, aber das Gegenteil von lebendiger Stadtkultur sind: die "Europacity" nördlich des Hauptbahnhofs und das "Entertainmentviertel" an der East-Side-Gallery. Hier sieht man, was passiert, wenn die Stadt ihre Bauprojekte dem Kommerz überlässt. Eine Stadt, die Brandenburg immer mehr "an die Wand drückt". Das meint Nikolaus Bernau zum geplanten Ausbau des Schienennetzes ins Berliner Umland. Jens Bisky wünscht sich eine Fusion der Länder Berlin und Brandenburg. Aber die wichtigste Frage der Zukunft lautet: wie gelingt ökologische Stadtentwicklung?

Jens Bisky: "Die Stadt drückt sich darum, Erwartungen an Bauherren und an Investoren zu formulieren."

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"Purple Ride" zum internationalen Frauentag © Wolfram Steinberg/dpa
Wolfram Steinberg/dpa

Geschlecht und Revolution - Frauenbewegung heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Christina von Braun und Eva von Redecker Wo steht die Frauenbewegung heute, gerade in der Corona-Pandemie? Wird der Feminismus von den Debatten um Geschlechterdiversität überholt? Ein Gespräch zwischen Generationen, über Ost- und Westerfahrungen, über Sorge-Arbeit, geschlechtergerechte Sprache und die Frage, ob der Kapitalismus abgeschafft werden muss, damit nicht zuletzt die Forderungen des Feminismus realisiert werden können.

Eva von Redecker: "Wie wir leben, gerade isoliert in einem Pandemiegeschehen, da ist der Bedarf nach so etwas wie Einwurzelung in sinnvoll geteilten Leben größer denn je. Und da lohnt es sich, weiter zu kämpfen."

Christina von Braun: „Geschlecht. Eine persönliche und eine politische Geschichte“, Propyläen Verlag, 368 S. (erscheint 1.3.2021) Eva von Redecker: „Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen“, S. Fischer 2021, 320 S.

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Kameraleute und Fotografen machen Aufnahmen von einem Schild mit der Aufschrift "Angeklagte Zschäpe" © Peter Kneffel/dpa
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Vom NSU zur Neuen Rechten - Die Ausweitung der rechtsradikalen Kampfzone

Die Debatte mit Natascha Freundel, Annette Ramelsberger und Olaf Sundermeyer Am 19. und 20. Februar senden alle Kulturwellen der ARD das zwölfstündige Dokumentarhörspiel "Saal 101", das auf den Mitschriften der ARD-Reporter beim NSU-Prozess basiert. Annette Ramelsberger, Gerichtsreporterin der Süddeutschen Zeitung, hat den Prozess, der 2018 nach fünf Jahren abgeschlossen wurde, an fast jedem Verhandlungstag beobachtet und für die SZ mitprotokolliert. Olaf Sundermeyer, ARD-Investigativreporter und Extremismusexperte beim rbb, kennt die rechtsradikalen Netzwerke in Deutschland und ihre Verbindungen zur AfD.

Mit Natascha Freundel diskutieren sie über noch immer offene Fragen: Weshalb wurde die Verantwortung von Verfassungsschutz und Polizei im NSU-Prozess nicht aufgeklärt? Wie weit gehen die rechtsradikalen Netzwerke heute? Was unterscheidet die Neonazis des "NSU" von den Neuen Rechten? Müssen demokratische Journalisten die Ausweitung der rechtsradikalen Kampfzone vehementer kritisieren?

Annette Rameslberger: "Diese rechtsradikalen Extremisten fühlen sich nicht mehr allein, sie fühlen sich getragen von einer nationalistischen Bewegung, der sie sich zugehörig fühlen. Fast wie der militärische Arm dieser Bewegung. Und das macht sie umso radikaler."

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#Blacklivesmatter Demonstration in Paris © pa / ZUMAPRESS / Jan Schmidt-Whitley
pa / ZUMAPRESS / Jan Schmidt-Whitley

Utopie in Farbe - Brücken zwischen Schwarz, Weiß etc.

Die Debatte mit Natascha Freundel, Sarah Fartuun Heinze und Mahret Ifeoma Kupka

Die Bildende Künstlerin Sarah Fartuun Heinze und die Kuratorin Mahret Ifeoma Kupka haben keine Lust mehr, über Rassismus oder das N-Wort zu reden. Viel wichtiger ist ihnen, über eine Zukunft nachzudenken, "in der alle gleichberechtigt und gleichwertig miteinander verschieden sind", wie Mahret Kupka sagt. Ein Trialog zwischen Berlin, Cottbus und Frankfurt/Main über Utopien der Vielfalt und darüber, ob wir dafür eine neue Sprache brauchen.

Mahret Ifeoma Kupka: "Was bedeutet das: eine rassismusfreie, besser noch diskriminierungsfreie Gesellschaft?"

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Igor Levit und Robert Habeck © Anke Schüttler
Anke Schüttler

Machtkultur. Von hier an anders?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Robert Habeck und Igor Levit Der Grünen-Politiker und der politische Pianist: zwei "Seelenverwandte", sagt Robert Habeck. Doch wie ein neues Miteinander in Zeiten zunehmender Polarisierung gestaltet werden kann, beantworten sie unterschiedlich. Robert Habeck beschreibt eine Machtkultur, zu der die "Anerkennung Andersdenkender" gehört. Igor Levit ist die Rede von einer neuen, linksliberalen, weltoffenen Mitte suspekt. Sie übersieht, meint er, wie rassistisch die real existierende Mitte sei.

Robert Habeck: "In den Möglichkeiten, die ich habe, will ich dafür sorgen, dass mit Lebensfreude Wandel geschieht. Obama hat immer gesagt: 'Yes we can'. Ich würde sagen, das Motto ist: 'We can, if we want'."

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Der Wert der Pflege © Sebastian Gollnow/dpa
Sebastian Gollnow/dpa

Der Wert der Pflege - reichen Reformen?

In der Krankenhauspflege herrscht Ausnahmezustand - nicht erst seit Corona. Personalmangel und Unterbezahlung resultieren aus falscher Profitorientierung an den Krankenhäusern, meint der Soziologe Stefan Sell. Die Krankenpflegerin Gabi Heise fordert ein Umdenken der Pflegerinnen und Pfleger: nur gemeinsam kann etwas geändert werden. Unglaublich, dass Pflegekräfte in diesem reichen Land um mehr Lohn und Anerkennung kämpfen müssen.

Die Debatte mit Natascha Freundel, Gabriele Heise und Stefan Sell

Stefan Sell: "Wir haben es in der Krankenhauspflege mit einer grandiosen Unterausstattung zu tun. Die kann man nur historisch verstehen: Anfang der 2000er Jahre wurde die Art und Weise, wie die Krankenhäuser in Deutschland finanziert werden, auf hoch effiziente Wirtschaftlichkeit umgestellt. Man hat Fallpauschalen eingeführt, und dieses System hat dann in den ersten zehn, fünfzehn Jahren dazu geführt, dass vor allem bei den Pflegekräften massiv gespart wurde. Jetzt stehen wir vor dem Scherbenhaufen."

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Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen vor dem Brandenburger Tor © Kay Nietfeld/dpa 
Kay Nietfeld/dpa

"Wir sind das Volk!" - Wer ist "das Volk"?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Herfried Münkler und Roman Widder "Volk", "Bevölkerung" oder besser: "Bürgerinnen und Bürger"? Die Protestparole "Wir sind das Volk" fordert zur Begriffsklärung heraus. Der Germanist Roman Widder hat die Diskursgeschichte des "Pöbels" erforscht und plädiert für eine radikale Veränderung der repräsentativen Demokratie: Losen statt Wählen. Der Politologe Herfried Münkler glaubt nicht an die Vernunft des Volks ohne Erziehung zu politischer Urteilskraft.

Herfried Münkler: "Wie schaffen wir es, die Bevölkerung in die Lage zu versetzen, Volk sein zu können, also im bürgerschaftlichen Sinne Verantwortung zu übernehmen?"

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Impfzentrum im Velodrom © Christophe Gateau/dpa
Christophe Gateau/dpa

Endlich Impfung? - Der Wissenschaft vertrauen

Etwa jede:r Zweite ist bereit, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Das ist zu wenig, um die Pandemie zu überwinden. Dabei sind Zweifel über die neue Impfung gegen das neue Virus verständlich, sagen Natalie Grams und Martin Terhardt. Terhardt, Kinderarzt und Stiko-Mitglied, findet aufklärende Gespräche wichtiger denn je. Impfgegner verbreiten ihre Ansichten schneller, als die Wissenschaft es könnte, glaubt Homöopathie-Kritikerin Grams. Wie kann Vertrauen geschaffen werden, das nicht blind ist?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Natalie Grams und Martin Terhardt

Natalie Grams: "Die Argumente für das Impfen sind so gut, dass man niemanden dazu verpflichten muss, vernünftig zu sein."

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Mädchen mit Maske guckt aus dem Fenster © imago images / Cavan Images
imago images / Cavan Images

Einsamkeit - eine Aufgabe der Politik?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susanne Bücker und Wilhelm Schmid

Eine Pandemie geht um in Deutschland. Manche warnen vor einer "Einsamkeitspandemie" als Folge der Corona-Pandemie. Obwohl sich die Ausbreitung von Einsamkeit (noch) nicht belegen lässt. Doch ist Einsamkeit per se negativ? Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid sagt, die produktive Seite der Einsamkeit dürfe nicht vergessen werden. Er wünscht sich sogar ein Ministerium für und nicht gegen Einsamkeit. Susanne Bücker, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht die verschiedenen Gesichter der Einsamkeit. Besonders Jugendliche leiden unter sozialer Isolation, die oft mit Armut zusammenhängt. Eine Aufgabe der Politik? Wichtig sind Bewegung, Berührung und Beziehung. Aufgaben für alle.

Susanne Bücker: "Die allermeisten vergessen, dass Beziehungen und auch Berührungen hochrelevant sind, das wird einem ja auch nirgendwo so richtig explizit vermittelt."

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1 zu 1 Konzert an der Bwerlinewr East Side Gallery © 1:1 Concerts Berlin/Astis Krause
1:1 Concerts Berlin/Astis Krause

Kultur im Lockdown 2020 - Kreativ überleben?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Franziska Ritter und Christoph Backes

Wird der Lockdown zum Knockdown für die Kreativbranche? Neue Formate für ein neues Publikum müssen jetzt entwickelt und alte Strukturen reformiert werden, meinen Franziska Ritter und Christoph Backes. Ritter hat die 1:1Concerts als individuelle Musikerlebnisse auf Augenhöhe entwickelt. Die Aufmerksamkeit für die Kultur war vielleicht nie so groß wie heute, meint Backes vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Die staatliche Hand, aber auch jede:r Einzelne kann die Kultur- und Kreativwirtschaft fördern.

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Schülerin mit Kopftuch nimmt am Unterricht teil © Bernd Thissen/dpa
Bernd Thissen/dpa

Kulturkampf im Klassenzimmer? - Islam im Schulalltag

Die Debatte mit Natascha Freundel, Astrid-Sabine Busse und Tobias Nolte

Die Enthauptung eines Lehrers in Frankreich, eine Schweigeminute in Berlin, Widerstand und Drohungen von Schülern: "Wer den Propheten beleidigt, der darf getötet werden." Astrid-Sabine Busse und Tobias Nolte arbeiten täglich mit Kindern aus muslimischen Familien. Busse, Schulleiterin der Grundschule in der Köllnischen Heide, erlebt erstarkenden politischen Islam und betont zugleich, dass solche Drohungen von Schülern Einzelfälle seien.

Nolte, Lehrer an der Neuköllner Rütli-Schule, möchte die Kinder und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen zunächst verstehen. Er warnt vor Stigmatisierungen dieser Kinder, die oft Ausgrenzung und Ungleichheit erfahren. Tobias Nolte: "Wichtig ist, Kinder und Jugendliche nicht an den Pranger zu stellen."

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Demonstrantinnen halten bei einem Protest historische weiß-rot-weiße Fahnen der Opposition in den Händen -/AP/dpa
-/AP/dpa

Belarus – Die Revolution der Anderen?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Felix Ackermann und Olga Shparaga

Kulturwandel in der „letzten Diktatur Europas“: Wohl noch nie wurde ein demokratischer Aufbruch so stark von Frauen organisiert; noch nie hat ein neues politisches Denken der horizontalen Vernetzung ein ganzes Land verändert. Eine der Vordenkerinnen ist die Philosophin Olga Shparaga, die heute im Exil in Vilnius lebt. Der Historiker Felix Ackermann, derzeit am Deutschen Historischen Institut in Warschau, fordert mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für die belarussische Revolution. Sie könnte für Machtstrukturen weltweit gefährlich werden.

Olga Shparaga: "Ich wünsche mir, dass wir neue Möglichkeiten, Kanäle, Vernetzungen finden, um gegen Lukaschenko und den Autoritarismus zu kämpfen."

Olga Shparaga: "Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus", Suhrkamp, Gepl. Erscheinen: 19.04.2021

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Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger; © Jens Passoth
Jens Passoth

Visionen - eine Gefahr für die Freiheit?

Die Debatte mit Luisa Neubauer und Wolfram Eilenberger, moderiert von Svenja Flaßpöhler und Natascha Freundel. Eine Koproduktion mit dem PhilosophieMagazin.

Sind die Visionen der Klimabewegung eine Gefahr für die individuelle Freiheit? Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger diskutieren über fundamentale Veränderungen im Namen der Wissenschaft, über Ähnlichkeiten zwischen der Klimakrise und der Corona-Pandemie, über die Gefahren von Ökodiktatur oder auch Ökoterrorismus und darüber, wie sich die Ziele von Fridays-for-Future demokratisch umsetzen lassen.

Luisa Neubauer: "Die große Bedrohung für die Freiheit geht bei der Klimakrise ganz klar vom Nichthandeln aus."

Luisa Neubauer (mit Alexander Repenning): "Vom Ende der Klimakrise", Tropen 2019
Wolfram Eilenberger: "Feuer der Freiheit“, Klett-Cotta 2020

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Sperrmauer mit Graffito von Banksy © Hartmut Pöstges/imageBroker/dpa
Hartmut Pöstges/imageBroker/dpa

Israel – Kritik und Utopie

Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Daniel Cohn-Bendit

In Deutschland müsse viel offener und viel kritischer über die israelische Politik diskutiert werden, meint der Philosoph Omri Boehm. Sein Buch "Israel – eine Utopie" ist zuerst auf Deutsch erschienen: Gegen das offizielle Narrativ des Zionismus und das Phantom der Zweistaatenlösung schlägt er einen multiethnischen Staat mit gleichen Rechten für alle Bürger vor.

Dany Cohn-Bendit, erfahren in Revolten und Realpolitik, ist skeptisch: „Es gibt so fantastische Leute in Israel, und trotzdem fragt man sich: warum ist die Mehrheit der Israelis so blind gegenüber dem Leid der Palästinenser.“

Cohn-Bendit, 75, hat einen Film über sein eigenes Judentum in Israel gedreht: „Wir sind alle deutsche Juden“. Er lief erfolgreich in Frankreich, im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde er noch nicht gezeigt.

Omri Boehm: "Um Antisemitismus zu überwinden, brauchen wir mehr Vernunft. Und Vernunft gibt es nur dort, wo Menschen offen debattieren, im öffentlichen Raum."

Omri Boehm: "Israel - eine Utopie", Propyläen Verlag 2020
Daniel Cohn-Bendit: "Wir sind alle deutsche Juden"; Dokumentarfilm, Regie: Niko Apel

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US-Wahl – Trump-Unterstützer Arturo Matos (l) und Biden-Unterstützer Victor Salcedo © David Santiago/Miami Herald/dpa
David Santiago/Miami Herald/dpa

Zerrissenes Amerika? - Nach den Präsidentschaftswahlen

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susan Neiman und Jürgen Neffe

Zwei Tage nach der US-Wahl Trump vs. Biden ist die Philosophin Susan Neiman erschüttert: Darüber, dass fast die Hälfte der Amerikaner für Trump gestimmt hat. Die Direktorin des Potsdamer Einsteinforums, die im US-Bundesstaat Georgia aufgewachsen ist, wirft den USA vor, sich nie mit der eigenen Geschichte von Kolonialismus und Rassismus auseinandergesetzt zu haben. Jürgen Neffe, preisgekrönter Autor von Biographien zu Einstein, Darwin und Marx, betrachtet Trump als personifizierte "Krankheit unserer Zeit", in der Wahrheit und Lüge austauschbar seien. Neiman schlägt einen überraschende Medizin gegen den Trump-Faschismus vor: „Von den Deutschen lernen“, konkret von der deutschen Vergangenheitsaufarbeitung.

Susan Neiman: "Der Ausgang der Wahlen von 2016 verdankt sich zu einem großen Teil dem Umstand, dass Amerika sich nicht seiner eigenen Geschichte gestellt hat."

Susan Neiman: "Von den Deutschen lernen", Hanser Berlin 2020
Jürgen Neffe: "Das Ding. Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl", Europa Verlag 2020

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Eingang der Schaubühne am Lehniner Platz © Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/ZB
Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/ZB

Systemrelevant? - Das Theater unserer Zeit

Die Debatte mit Natascha Freundel, Thomas Ostermeier und Annemie Vanackere

Die Intendantin des HAU, Annemie Vanackere, und der künstlerische Leiter der Schaubühne, Thomas Ostermeier, über die finanziellen und künstlerischen Folgen der Pandemie. Ihr zweiter Gedanke: Theater muss als Ort der Freiheit gefördert und noch mehr zu einem Raum der lokalen Beteiligung für verschiedenste Akteure werden.

Annemie Vanackere: "Das Theater ist eingebettet in die Gesellschaft und wir können nicht nur auf unserer Autonomie beharren."

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Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Zukunft Schule - Wieviel Digitalisierung braucht Schule heute?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Christian Füller und Caroline Treier

Auch die Schulen haben in der Corona-Pandemie einen "Digitalisierungsschub" bekommen. Doch wie viel Digitalisierung braucht gute Schule? Caroline Treier, Leiterin der Ev. Schule Berlin Zentrum, wünscht sich einen Kulturwandel in der Schulbildung, mit einem Leitbild Digitalisierung. Ohne digitale Ausbildung und Fortbildung für Lehrkräfte, Ressourcen für technische Ausstattung und Support ginge es nicht. Zugleich plädiert Treier für einen "Analogpakt" neben dem "Digitalpakt". Bildungsexperte Christian Füller benennt die "offene Flanke der Digitalisierung": mangelnden Datenschutz. Schulen müssten auch den selbstbestimmten Umgang mit Handys und sozialen Medien unterrichten. Überhaupt sei das Lehren und Lernen mit Tablets, auf Schulplattformen und in Chatrooms erst ab Klasse 5 sinnvoll.

Die gute Nachricht: Dafür gibt es bereits sehr gute Beispiele. Caroline Treier: "Schulen brauchen jetzt Ressourcen und Zeit für das Entwickeln kreativer Ideen, Autonomie und unterschiedlichste Unterstützungssysteme."

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