Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur

Debatte mit Natascha Freundel & Gästen - Der Zweite Gedanke

Hier wird nicht nur debattiert, hier wird auch zusammen nachgedacht. Über alles, was unser Miteinander betrifft. Bildung, Digitalisierung, Demokratie, Einsamkeit, Freiheit, Klima, Kultur, Städtebau, Visionen - die Themen liegen in der Luft, nicht erst, aber besonders deutlich seit der Corona-Pandemie. Jede Folge widmet sich einer Frage unserer Zeit. rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel spricht jeweils mit zwei Gästen, die wissen, wovon sie reden. Philosophisch, aber nie abgehoben. Persönlich, aber nicht privat. Kritisch und konstruktiv. Hier soll es nicht knallen, sondern knistern. Immer auf der Suche nach dem zweiten, neuen Gedanken.

Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen vor dem Brandenburger Tor © Kay Nietfeld/dpa 
Kay Nietfeld/dpa

"Wir sind das Volk!" - Wer ist "das Volk"?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Herfried Münkler und Roman Widder "Volk", "Bevölkerung" oder besser: "Bürgerinnen und Bürger"? Die Protestparole "Wir sind das Volk" fordert zur Begriffsklärung heraus. Der Germanist Roman Widder hat die Diskursgeschichte des "Pöbels" erforscht und plädiert für eine radikale Veränderung der repräsentativen Demokratie: Losen statt Wählen. Der Politologe Herfried Münkler glaubt nicht an die Vernunft des Volks ohne Erziehung zu politischer Urteilskraft.

Herfried Münkler: "Wie schaffen wir es, die Bevölkerung in die Lage zu versetzen, Volk sein zu können, also im bürgerschaftlichen Sinne Verantwortung zu übernehmen?"

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Impfzentrum im Velodrom © Christophe Gateau/dpa
Christophe Gateau/dpa

Endlich Impfung? - Der Wissenschaft vertrauen

Etwa jede:r Zweite ist bereit, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Das ist zu wenig, um die Pandemie zu überwinden. Dabei sind Zweifel über die neue Impfung gegen das neue Virus verständlich, sagen Natalie Grams und Martin Terhardt. Terhardt, Kinderarzt und Stiko-Mitglied, findet aufklärende Gespräche wichtiger denn je. Impfgegner verbreiten ihre Ansichten schneller, als die Wissenschaft es könnte, glaubt Homöopathie-Kritikerin Grams. Wie kann Vertrauen geschaffen werden, das nicht blind ist?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Natalie Grams und Martin Terhardt

Natalie Grams: "Die Argumente für das Impfen sind so gut, dass man niemanden dazu verpflichten muss, vernünftig zu sein."

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Mädchen mit Maske guckt aus dem Fenster © imago images / Cavan Images
imago images / Cavan Images

Einsamkeit - eine Aufgabe der Politik?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susanne Bücker und Wilhelm Schmid

Eine Pandemie geht um in Deutschland. Manche warnen vor einer "Einsamkeitspandemie" als Folge der Corona-Pandemie. Obwohl sich die Ausbreitung von Einsamkeit (noch) nicht belegen lässt. Doch ist Einsamkeit per se negativ? Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid sagt, die produktive Seite der Einsamkeit dürfe nicht vergessen werden. Er wünscht sich sogar ein Ministerium für und nicht gegen Einsamkeit. Susanne Bücker, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht die verschiedenen Gesichter der Einsamkeit. Besonders Jugendliche leiden unter sozialer Isolation, die oft mit Armut zusammenhängt. Eine Aufgabe der Politik? Wichtig sind Bewegung, Berührung und Beziehung. Aufgaben für alle.

Susanne Bücker: "Die allermeisten vergessen, dass Beziehungen und auch Berührungen hochrelevant sind, das wird einem ja auch nirgendwo so richtig explizit vermittelt."

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1 zu 1 Konzert an der Bwerlinewr East Side Gallery © 1:1 Concerts Berlin/Astis Krause
1:1 Concerts Berlin/Astis Krause

Kultur im Lockdown 2020 - Kreativ überleben?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Franziska Ritter und Christoph Backes

Wird der Lockdown zum Knockdown für die Kreativbranche? Neue Formate für ein neues Publikum müssen jetzt entwickelt und alte Strukturen reformiert werden, meinen Franziska Ritter und Christoph Backes. Ritter hat die 1:1Concerts als individuelle Musikerlebnisse auf Augenhöhe entwickelt. Die Aufmerksamkeit für die Kultur war vielleicht nie so groß wie heute, meint Backes vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Die staatliche Hand, aber auch jede:r Einzelne kann die Kultur- und Kreativwirtschaft fördern.

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Schülerin mit Kopftuch nimmt am Unterricht teil © Bernd Thissen/dpa
Bernd Thissen/dpa

Kulturkampf im Klassenzimmer? - Islam im Schulalltag

Die Debatte mit Natascha Freundel, Astrid-Sabine Busse und Tobias Nolte

Die Enthauptung eines Lehrers in Frankreich, eine Schweigeminute in Berlin, Widerstand und Drohungen von Schülern: "Wer den Propheten beleidigt, der darf getötet werden." Astrid-Sabine Busse und Tobias Nolte arbeiten täglich mit Kindern aus muslimischen Familien. Busse, Schulleiterin der Grundschule in der Köllnischen Heide, erlebt erstarkenden politischen Islam und betont zugleich, dass solche Drohungen von Schülern Einzelfälle seien.

Nolte, Lehrer an der Neuköllner Rütli-Schule, möchte die Kinder und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen zunächst verstehen. Er warnt vor Stigmatisierungen dieser Kinder, die oft Ausgrenzung und Ungleichheit erfahren. Tobias Nolte: "Wichtig ist, Kinder und Jugendliche nicht an den Pranger zu stellen."

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Demonstrantinnen halten bei einem Protest historische weiß-rot-weiße Fahnen der Opposition in den Händen -/AP/dpa
-/AP/dpa

Belarus – Die Revolution der Anderen?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Felix Ackermann und Olga Shparaga

Kulturwandel in der „letzten Diktatur Europas“: Wohl noch nie wurde ein demokratischer Aufbruch so stark von Frauen organisiert; noch nie hat ein neues politisches Denken der horizontalen Vernetzung ein ganzes Land verändert. Eine der Vordenkerinnen ist die Philosophin Olga Shparaga, die heute im Exil in Vilnius lebt. Der Historiker Felix Ackermann, derzeit am Deutschen Historischen Institut in Warschau, fordert mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für die belarussische Revolution. Sie könnte für Machtstrukturen weltweit gefährlich werden.

Olga Shparaga: "Ich wünsche mir, dass wir neue Möglichkeiten, Kanäle, Vernetzungen finden, um gegen Lukaschenko und den Autoritarismus zu kämpfen."

Olga Shparaga: "Die Revolution hat ein weibliches Gesicht. Der Fall Belarus", Suhrkamp, Gepl. Erscheinen: 19.04.2021

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Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger; © Jens Passoth
Jens Passoth

Visionen - eine Gefahr für die Freiheit?

Die Debatte mit Luisa Neubauer und Wolfram Eilenberger, moderiert von Svenja Flaßpöhler und Natascha Freundel. Eine Koproduktion mit dem PhilosophieMagazin.

Sind die Visionen der Klimabewegung eine Gefahr für die individuelle Freiheit? Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Philosoph Wolfram Eilenberger diskutieren über fundamentale Veränderungen im Namen der Wissenschaft, über Ähnlichkeiten zwischen der Klimakrise und der Corona-Pandemie, über die Gefahren von Ökodiktatur oder auch Ökoterrorismus und darüber, wie sich die Ziele von Fridays-for-Future demokratisch umsetzen lassen.

Luisa Neubauer: "Die große Bedrohung für die Freiheit geht bei der Klimakrise ganz klar vom Nichthandeln aus."

Luisa Neubauer (mit Alexander Repenning): "Vom Ende der Klimakrise", Tropen 2019
Wolfram Eilenberger: "Feuer der Freiheit“, Klett-Cotta 2020

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Sperrmauer mit Graffito von Banksy © Hartmut Pöstges/imageBroker/dpa
Hartmut Pöstges/imageBroker/dpa

Israel – Kritik und Utopie

Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Daniel Cohn-Bendit

In Deutschland müsse viel offener und viel kritischer über die israelische Politik diskutiert werden, meint der Philosoph Omri Boehm. Sein Buch "Israel – eine Utopie" ist zuerst auf Deutsch erschienen: Gegen das offizielle Narrativ des Zionismus und das Phantom der Zweistaatenlösung schlägt er einen multiethnischen Staat mit gleichen Rechten für alle Bürger vor.

Dany Cohn-Bendit, erfahren in Revolten und Realpolitik, ist skeptisch: „Es gibt so fantastische Leute in Israel, und trotzdem fragt man sich: warum ist die Mehrheit der Israelis so blind gegenüber dem Leid der Palästinenser.“

Cohn-Bendit, 75, hat einen Film über sein eigenes Judentum in Israel gedreht: „Wir sind alle deutsche Juden“. Er lief erfolgreich in Frankreich, im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen wurde er noch nicht gezeigt.

Omri Boehm: "Um Antisemitismus zu überwinden, brauchen wir mehr Vernunft. Und Vernunft gibt es nur dort, wo Menschen offen debattieren, im öffentlichen Raum."

Omri Boehm: "Israel - eine Utopie", Propyläen Verlag 2020
Daniel Cohn-Bendit: "Wir sind alle deutsche Juden"; Dokumentarfilm, Regie: Niko Apel

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US-Wahl – Trump-Unterstützer Arturo Matos (l) und Biden-Unterstützer Victor Salcedo © David Santiago/Miami Herald/dpa
David Santiago/Miami Herald/dpa

Zerrissenes Amerika? - Nach den Präsidentschaftswahlen

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susan Neiman und Jürgen Neffe

Zwei Tage nach der US-Wahl Trump vs. Biden ist die Philosophin Susan Neiman erschüttert: Darüber, dass fast die Hälfte der Amerikaner für Trump gestimmt hat. Die Direktorin des Potsdamer Einsteinforums, die im US-Bundesstaat Georgia aufgewachsen ist, wirft den USA vor, sich nie mit der eigenen Geschichte von Kolonialismus und Rassismus auseinandergesetzt zu haben. Jürgen Neffe, preisgekrönter Autor von Biographien zu Einstein, Darwin und Marx, betrachtet Trump als personifizierte "Krankheit unserer Zeit", in der Wahrheit und Lüge austauschbar seien. Neiman schlägt einen überraschende Medizin gegen den Trump-Faschismus vor: „Von den Deutschen lernen“, konkret von der deutschen Vergangenheitsaufarbeitung.

Susan Neiman: "Der Ausgang der Wahlen von 2016 verdankt sich zu einem großen Teil dem Umstand, dass Amerika sich nicht seiner eigenen Geschichte gestellt hat."

Susan Neiman: "Von den Deutschen lernen", Hanser Berlin 2020
Jürgen Neffe: "Das Ding. Der Tag, an dem ich Donald Trump bestahl", Europa Verlag 2020

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Eingang der Schaubühne am Lehniner Platz © Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/ZB
Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/ZB

Systemrelevant? - Das Theater unserer Zeit

Die Debatte mit Natascha Freundel, Thomas Ostermeier und Annemie Vanackere

Die Intendantin des HAU, Annemie Vanackere, und der künstlerische Leiter der Schaubühne, Thomas Ostermeier, über die finanziellen und künstlerischen Folgen der Pandemie. Ihr zweiter Gedanke: Theater muss als Ort der Freiheit gefördert und noch mehr zu einem Raum der lokalen Beteiligung für verschiedenste Akteure werden.

Annemie Vanackere: "Das Theater ist eingebettet in die Gesellschaft und wir können nicht nur auf unserer Autonomie beharren."

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Digitales Lernen in der Grundschule © Armin Weigel/dpa
Armin Weigel/dpa

Zukunft Schule - Wieviel Digitalisierung braucht Schule heute?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Christian Füller und Caroline Treier

Auch die Schulen haben in der Corona-Pandemie einen "Digitalisierungsschub" bekommen. Doch wie viel Digitalisierung braucht gute Schule? Caroline Treier, Leiterin der Ev. Schule Berlin Zentrum, wünscht sich einen Kulturwandel in der Schulbildung, mit einem Leitbild Digitalisierung. Ohne digitale Ausbildung und Fortbildung für Lehrkräfte, Ressourcen für technische Ausstattung und Support ginge es nicht. Zugleich plädiert Treier für einen "Analogpakt" neben dem "Digitalpakt". Bildungsexperte Christian Füller benennt die "offene Flanke der Digitalisierung": mangelnden Datenschutz. Schulen müssten auch den selbstbestimmten Umgang mit Handys und sozialen Medien unterrichten. Überhaupt sei das Lehren und Lernen mit Tablets, auf Schulplattformen und in Chatrooms erst ab Klasse 5 sinnvoll.

Die gute Nachricht: Dafür gibt es bereits sehr gute Beispiele. Caroline Treier: "Schulen brauchen jetzt Ressourcen und Zeit für das Entwickeln kreativer Ideen, Autonomie und unterschiedlichste Unterstützungssysteme."

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