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    Podcast | Musikserie - Franz Schubert

    Hätte diese Sendereihe von Christine Lemke-Matwey einen Titel, sie hieße am ehesten "Schubert und unsere Zeit". Einen anderen roten Faden nämlich hat sie nicht. Ihre 21 Folgen handeln von Schuberts Aufwachsen in einem Lehrerhaushalt und von seinem Weg zur Oper, vom Mythos seines frühen Todes, von den größten Hits und den schönsten Klischees. War Schubert religiös, ist es seine Musik? Was verbindet ihn mit Wien (und Wien mit ihm)? Und was mit Goethe, ausgerechnet? Warum hatte er so viele Freunde und so wenige Frauen?

  • Franz Schubert – Porträt von Wilhelm August Rieder, 1875 (© dpa/Fine Art Images/Heritage Images); Montage: rbbKultur
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  • Komponistenbüste von Franz Schubert; © imago/Hoffmann
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Franz Schubert | Der Einsame: Schuberts Persönlichkeit (8/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Der Einsame: Schuberts Persönlichkeit (8/21)

Was ist Schubert für ein Mensch? Er selbst findet, er sei „für nichts als das Komponieren auf die Welt gekommen“ – und also einsam. Seine Freunde beschreiben ihn mal als wortkargen Wirtshausgänger, mal als manisch-getriebenen Arbeiter oder als einen, der mit Brille schläft, um nächtliche Einfälle sofort notieren zu können. Die Legende wiederum beharrt auf dem Bild des „Dickkopfs von Vorstadtlehrer“, der anderen zum Tanz aufspielt. Was davon stimmt? Vermutlich alles miteinander.
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Franz Schubert | Bretter, die kein Glück bedeuten: Schuberts Weg zur Oper (9/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Bretter, die kein Glück bedeuten: Schuberts Weg zur Oper (9/21)

Wie die Messe oder die Sinfonie rückt auch die Oper als repräsentative Gattung früh in Schuberts Fokus. Neun vollständige Bühnenwerke und sieben Fragmente hinterlässt er, nur drei Stücke werden zu seinen Lebzeiten überhaupt aufgeführt. Kann der Wiener Schubert keine Oper? Oder ist es die zeitgenössische Rezeption, die das behauptet und jeder anderen Lesart für immer den Riegel vorschiebt? Schubert-Opern jedenfalls sucht man auch auf heutigen Spielplänen vergebens.

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Franz Schubert | Freunde und andere Männer: nur ein Gesellschaftsspiel? (10/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Freunde und andere Männer: nur ein Gesellschaftsspiel? (10/21)

Als Schubert mit 19 Jahren aus der Wiener Vorstadt Lichtental in die Innenstadt zieht, findet er eine Reihe namhafter Freunde. Sie bilden jene verschworene Gemeinschaft, in der er sich bald „in allen Dingen verstanden“ fühlt. Die Künstlerkreise um Schober, Schwind und Spaun sind ihm sein erstes und oft einziges Publikum, auch diskutiert man hier Neuigkeiten aus Kunst, Politik und Gesellschaft. Frauen spielen dabei so gut wie keine Rolle. Wie weit geht der Männerkult?
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Franz Schubert | Grün ist alle Utopie: Schubert auf Landpartie (11/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Grün ist alle Utopie: Schubert auf Landpartie (11/21)

Geografisch ist Schuberts Radius begrenzt. Nach Osten hin reicht er bis Schloss Zseliz, nach Süden bis in die Steiermark, nach Westen bis Salzburg. So oft er allein bei sich in der Stube hockt, so sehr leben er und seine Freunde in einer sozialen Gegenwelt. Vor allem das Musizieren unter freiem Himmel stillt die Sehnsucht der jungen Städter nach der Natur und weckt in der Enge des Metternich-Staats ungeahnte Freiheitsgefühle. Die Landpartie als frühe Reaktion auf die Entfremdung in den Städten?
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Franz Schubert | Beethovens Bann: Vorbild, Konkurrent, Bruder im Geist (12/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Beethovens Bann: Vorbild, Konkurrent, Bruder im Geist (12/21)

1827 steht Schubert als einer von 36 Fackelträgern an Beethovens Grab. Beethoven ist ein ähnlich großer Fixstern in seinem Leben wie Goethe. Immer wieder komponiert der Jüngere auf den Älteren hin – und gleichzeitig um ihn herum: sinfonisch und was die Sonatenform angeht, indem er nach einschlägigen Krisen eigene Wege findet, und im Lied, indem er dieses frühzeitig als Beethoven freie Zone ausmacht. Stationen einer Identitätssuche.
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Franz Schubert | Komponist im Kaiserreich: Schubert, der Unpolitische? (13/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Komponist im Kaiserreich: Schubert, der Unpolitische? (13/21)

Schubert lebt in krisenhaften, postrevolutionären, restaurativen Zeiten. Unvorstellbar, dass ein sensibler Charakter wie er politisch nicht Stellung bezieht. Zeugnisse darüber sind freilich kaum überliefert, sei es, dass sie nach seinem Tod vernichtet wurden, sei es, dass er sich bereits zu Lebzeiten mit der Zensur konfrontiert sieht. Napoleon macht alle liberalen Hoffnungen zunichte, der Wiener Kongress tanzt entschieden rückwärts, Künstler stehen unter polizeilicher Beobachtung: Was von alledem weiß die Musik?

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Franz Schubert | Das Wandern: Schuberts Lebensmotiv (14/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Das Wandern: Schuberts Lebensmotiv (14/21)

Nicht von ungefähr gilt das Wandern als eines der zentralen Schubert-Motive. Der Komponist, der im Leben keine großen Kreise zieht und sich den herrschenden Verhältnissen eher beugt, als dass er sie verändert, beschwört musikalisch-rhythmisch nichts so sehr wie die Bewegung: in Liedern, Fantasien und Tänzen. Gleichzeitig tritt er dabei mehr auf der Stelle, als dass er wirklich fortschreitet. Von der Paradoxie einer zerrissenen Seele.

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Franz Schubert | Weltflucht, Verzweiflung, Erlösung: "Winterreise" (15/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Weltflucht, Verzweiflung, Erlösung: "Winterreise" (15/21)

Wie autobiografisch ist Schuberts Liedkunst? Sein bedeutendster Zyklus, die "Winterreise", scheint diese Frage eindeutig zu beantworten. 1827, Schubert weiß um seine Krankheit, seine prekäre ökonomische Lage, die politische Depression, außerdem hadert er mit Wien, dieser Stadt so "leer an Herzlichkeit": Was hat ihm die Zukunft anderes zu bieten, als Erstarrung und Erfrorensein, in schwärzestem d-Moll? "Der Leiermann", das letzte jener 24 "schauerlichen Lieder", macht da wenig Hoffnung. Oder vielleicht doch?

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Franz Schubert | Fluch des Wohllauts: Schubert populär (16/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Fluch des Wohllauts: Schubert populär (16/21)

Hat Schubert „Hits“ geschrieben in dem Sinne, dass sie Eingang ins kollektive Gedächtnis gefunden haben? Lieder wie „Der Musensohn“ oder „Der Lindenbaum“ passen sicher in diese Kategorie, schon von ihrem Volksliedgestus her, aber auch eine Ballade wie „Der Erlkönig“ tut es, Kammermusik wie das „Forellen-Quintett“ oder, unter den Sinfonien, die so genannte „Unvollendete“. Schuld daran sind meistens die Melodien – und ein paar unausrottbare Missverständnisse.

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Franz Schubert | Therese, Anna, Caroline: Schubert und die Liebe (17/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Therese, Anna, Caroline: Schubert und die Liebe (17/21)

Lange galt Schubert der Musikgeschichte als der Kleine, Weichliche, Weibliche schlechthin. Mit Frauen jedenfalls scheint er nicht viel am Hut zu haben. Seine Jugendliebe Therese Grob darf er nicht heiraten, weil ihm die sozialen Voraussetzungen fehlen, Verhältnisse mit Schülerinnen oder Gönnerinnen sind nicht bekannt. Welches Frauenbild verraten die Figuren seiner Opern, was steht hinter den Liedern, die er dezidiert für Frauenstimmen schreibt? Genderfragen ans 19. Jahrhundert.

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Franz Schubert | Krankheit als Metapher: vom Leiden an der Welt (18/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Krankheit als Metapher: vom Leiden an der Welt (18/21)

Schubert hat 18 Geschwister, nur acht von ihnen erreichen das Erwachsenenalter. Krankheit und Tod sind ihm seit Kindesbeinen vertraut, und so verwundert es wenig, dass schon der 14-Jährige Schillers „Leichenfantasie“ vertont – neun Strophen düsterste Grablegung eines Sohnes durch den Vater. Auch Schubert selbst verfügt über keine stabile Gesundheit, was teils seinem Lebenswandel geschuldet ist, teils seiner Syphilis-Infektion und deren Behandlung. Sein Fremdsein in der Welt, es hat auch sehr handfeste Implikationen.

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Franz Schubert | Der Unvollendete: Schubert und der frühe Tod (19/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Der Unvollendete: Schubert und der frühe Tod (19/21)

Jenseits einschlägiger Bearbeitungen und Arrangements setzt im späten 20. Jahrhundert eine rege ästhetische Auseinandersetzung mit Schubert ein. Sein Werk scheint zeitgenössische Antworten und Fortschreibungen förmlich zu provozieren: Sinfonie-Fragmente werden ediert und ergänzt, Liederzyklen nachkomponiert, Titel geklaut und gekontert. Die Postmoderne auf der Suche nach dem ganzen, dem „wahren“ Schubert?

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Franz Schubert | Herzenskammermusik: Wie Schubert uns berührt (20/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Herzenskammermusik: Wie Schubert uns berührt (20/21)

Beethoven geht über Grenzen, indem er Konflikte schürt und musikalische Formen sprengt. Schubert geht über Grenzen, indem er Gegensätze miteinander leben lässt. In der Arpeggione-Sonate zum Beispiel, die er für eine Art Cello schreibt, das vom Instrumentenmarkt alsbald wieder verschwindet. Oder in seinem berühmten Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“, das Anlass zu der These gibt, Schubert sei stets poetischen Ideen gefolgt. Was fasziniert heute so viele junge Ensembles an seiner Musik?

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Franz Schubert | Der Krimi um den Nachlass: Schuberts Erbe (21/21) © dpa/Fine Art Images/Heritage Images
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Der Krimi um den Nachlass: Schuberts Erbe (21/21)

Nur etwa zehn Prozent von Schuberts Werken erscheinen zu seinen Lebzeiten überhaupt im Druck. Als er 1828 stirbt, kümmert sich sein Bruder Ferdinand um den umfangreichen Nachlass, sichtet, ordnet – und beginnt das Material zu verkaufen: an die Wiener Verleger Haslinger, Czerny und Diabelli und später an private Sammler. Noch heute sind Schuberts Handschriften teilweise weit verstreut, und es brauchte einige detektivische Energie, sie in den Bibliotheken von Wien und Berlin wieder zusammenzuführen.

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